Tokenisierung, Online-Zahlungen

Tokenisierung: 3 von 5 Online-Zahlungen in Europa bereits umgestellt

09.06.2026 - 12:37:38 | boerse-global.de

Visa und Mastercard forcieren Tokenisierung und biometrische Authentifizierung. Mastercard meldet bereits 60 Prozent tokenisierte E-Commerce-Zahlungen in Europa.

Visa und Mastercard treiben biometrische Zahlungen massiv voran
Tokenisierung - A close-up of a hand holding a smartphone with a biometric fingerprint icon on the screen, symbolizing secure digital payments. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Visa, Mastercard und große Banken forcieren biometrische Authentifizierung und unsichtbare Zahlungsmethoden – mit weitreichenden Folgen für Verbraucher in Europa und darüber hinaus.

Biometrie auf dem Vormarsch: Visa treibt Entwicklung in Aserbaidschan

Auf dem International Finance and Banking Summit in Baku kündigte Visa-Seniordirektor Nurlan Hajiyev am heutigen Dienstag an, dass die Technologien Click to Pay und Passkey die nächste Stufe der digitalen Infrastruktur des Landes darstellen. Rund zehn aserbaidschanische Banken haben bereits die erste Ausgabephase für Click to Pay abgeschlossen. Künftig sollen Transaktionen per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung freigegeben werden.

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Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr: Das digitale Zahlungsvolumen in der Region wächst rasant. Laut Visa haben aserbaidschanische Karteninhaber ihre grenzüberschreitenden Transaktionen im letzten Jahr um das 1,5-fache gesteigert, Inlandszahlungen sogar um das 2,5-fache. Branchenvertreter, darunter die ABB Bank, rechnen damit, dass die manuelle Eingabe von Kreditkartennummern innerhalb von drei Jahren obsolet sein könnte. Künstliche Intelligenz und Tokenisierung würden dann den Standard setzen.

Mastercard: Drei von fünf E-Commerce-Zahlungen bereits tokenisiert

Mastercard meldete am Montag, dass in Europa bereits drei von fünf Online-Transaktionen tokenisiert abgewickelt werden. Das Unternehmen hat das strategische Ziel ausgegeben, bis 2030 eine vollständige Tokenisierung zu erreichen. Der Dienst Click to Pay ist mittlerweile in 32 europäischen Märkten verfügbar – die Zahl der Anmeldungen hat sich zuletzt mehr als verdoppelt.

Um diesen Wandel zu unterstützen, führt Mastercard Zahlungspasskeys ein, die auf biometrischer Authentifizierung basieren. Partnerschaften mit großen Finanzinstituten und Einzelhändlern wie NatWest, Santander UK, Banca Transilvania und JD Sports sollen die Technologie skalieren. Parallel dazu integriert der Fintech-Dienstleister Backbase das Mastercard-Move-Portfolio in sein KI-gesteuertes Bankbetriebssystem – mit dem Ziel, grenzüberschreitende Überweisungen zu beschleunigen und Betriebskosten für Banken zu senken.

Telekommunikation und Kryptobörsen setzen auf Passkeys

Der Trend zur passwortlosen Sicherheit erfasst auch andere Branchen. Der ukrainische Telekommunikationsanbieter Lifecell führte am Montag die Passkey-Technologie für seine mobile App, Kundenkonten und den Online-Shop ein. Nutzer können sich nun per Face ID, Touch ID oder PIN authentifizieren – herkömmliche Passwörter werden überflüssig.

Im Kryptosektor nutzt die Börse Bitget den Auftakt ihres „Anti-Scam-Monats" am Montag, um auf die verstärkte Passkey-Authentifizierung auf Basis der Standards FIDO2 und WebAuthn hinzuweisen. Die Plattform gab bekannt, dass ihre Sicherheitsmaßnahmen im Jahr 2025 rund 150 Millionen Angriffe blockiert und 32,3 Millionen US-Dollar (etwa 30 Millionen Euro) für Nutzer zurückgewonnen haben.

Echtzeit-Überweisungen und Stablecoins: Die nächste Welle

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Parallel zu den Passkeys verändern sich die grundlegenden Zahlungsinfrastrukturen. Im Laufe des Jahres 2026 rollt die EU Sofortzahlungen aus – Banken müssen dann Überweisungen ohne Zusatzgebühren in Echtzeit abwickeln. Branchenanalysten erwarten, dass dies zu schnelleren Rückerstattungen und effizienterem Working-Capital-Management für Unternehmen führen wird.

Darüber hinaus arbeiten Visa, Mastercard und Stripe an einer gemeinsamen Stablecoin-Plattform, die traditionelles Banking mit digitalen Vermögenswerten verbinden soll. Ziel ist es, die Kosten für grenzüberschreitende Transaktionen – derzeit zwischen drei und sieben Prozent – auf einen Bruchteil zu senken. Smart Contracts sollen dabei Steuerkonformität und Treuhandfunktionen übernehmen. Der Markt für Stablecoins wächst rasant: Das Transaktionsvolumen erreichte 2025 laut Branchenberichten 46 Billionen US-Dollar.

In den USA formieren sich unterdessen Großbanken wie JPMorgan, Citi und Bank of America zu einem tokenisierten Einlagennetzwerk, das von der Clearinghaus-Gesellschaft The Clearing House betrieben wird. Der Start ist für die erste Jahreshälfte 2027 geplant. Das Netzwerk soll Blockchain-Technologie mit traditionellen Systemen wie RTP und CHIPS verbinden und Echtzeit-Liquiditätsmanagement sowie automatisierte Handelsprozesse ermöglichen.

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