Tinnitus-Studie, Patienten

Tinnitus-Studie mit 90 Patienten: Akupunktur mindert die wahrgenommene Lautheit

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 07:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei 90 Teilnehmenden gingen Tinnitus-Lautheit und Beschwerden in den Akupunkturgruppen zurück; internationale Leitlinien bleiben zurückhaltend.
Symbolbild: Parkbank unter einem blühenden Baum Illustration mit AI erstellt.

Ohrgeräusche stellen insbesondere für ältere Menschen eine erhebliche Belastung im Alltag dar. Eine klinische Untersuchung der Medizinischen Fakultät der Chinesischen Universität Hongkong (CUHK) liefert nun neue Einblicke in ergänzende Behandlungsformen.

Im Rahmen der vom Pok Oi Hospital beauftragten Studie, die von Dezember 2022 bis April 2024 durchgeführt wurde, untersuchten Wissenschaftler den Einsatz von Elektroakupunktur bei Personen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass gezielte Nadeltherapien die wahrgenommene Lautstärke der Ohrgeräusche messbar verringern können.

Signifikante Senkung der Lautheitswerte in klinischer Untersuchung

An der Erhebung nahmen 90 Tinnitus-Patienten teil, deren Beschwerden seit einem halben bis hin zu 24 Monaten bestanden. Das Design sah eine Aufteilung in drei Gruppen vor: Eine Gruppe erhielt eine reine Elektroakupunktur, eine zweite Gruppe eine Kombination aus Elektroakupunktur und Wärmenadeln, während eine dritte Gruppe als Kontrollgruppe ohne Akupunkturbehandlung fungierte. Für die beiden Interventionsgruppen umfasste das Programm jeweils fünf Wochen mit insgesamt zehn Sitzungen.

Zum Ende der fünften Behandlungswoche verzeichneten die Forscher einen deutlichen Unterschied zur Kontrollgruppe. Die Werte für die Tinnitus-Lautheit sanken in den Behandlungsgruppen signifikant um 1,91 beziehungsweise 1,81 Punkte. Bei einer Nachuntersuchung in Woche fünf zeigte sich zudem, dass diese Verbesserung weiter anhielt. Über 40 % der Patienten wiesen eine messbare Verringerung der Lautheit auf.

Darüber hinaus verbesserte sich bei mehr als der Hälfte der Teilnehmenden in beiden Akupunkturgruppen der Schweregrad des Tinnitus von mittelschwer auf leicht; beziffert wurde dieser Anteil auf 55 % der Patienten. Demgegenüber verschlechterten sich in der Kontrollgruppe sowohl die Lautheit als auch die Alltagsbelastung im Verlauf des zehnwöchigen Beobachtungszeitraums.

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Wirkungsmechanismen und therapeutische Einordnung

Die in einer internationalen Fachzeitschrift veröffentlichten Erkenntnisse stufen die Studienautoren als Beleg für eine hohe klinische Praktikabilität und Sicherheit ein. Die Methode eigne sich demnach als ergänzende Behandlung für mittelalte und ältere Betroffene.

Das Forschungsteam führt die beobachteten Effekte auf mehrere physiologische Prozesse zurück: Diskutiert werden eine verbesserte Durchblutung der Cochlea und der Kernaktivität sowie eine vorteilhafte Regulation des autonomen Nervengleichgewichts und Anpassungen in der Plastizität des zentralen Hörsystems.

Die Relevanz solcher Ansätze spiegelt sich in weltweiten Zahlen wider. Schätzungen zufolge haben etwa 14,4 % der Erwachsenen weltweit mindestens einmal Tinnitus erfahren. Für die Region Hongkong ging die CUHK in früheren Schätzungen von rund 200.000 Betroffenen aus, die unter mittelschwerem bis schwerem Tinnitus leiden.

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Zurückhaltung in internationalen Leitlinien und Risikofaktoren

Trotz der positiven Signale aus Hongkong bleiben internationale Gremien bei der Bewertung von Akupunktur zurückhaltend. Die US-Leitlinie VA/DoD aus dem Jahr 2024 konstatierte in ihrer Empfehlung 23 eine unzureichende Evidenz für oder gegen den Einsatz von Akupunktur bei Tinnitus.

In der überarbeiteten Fassung der Leitlinie der AAO-HNSF für das Jahr 2026 wurde der eigenständige Empfehlungspunkt zur Akupunktur gestrichen. Bei anhaltender Tinnitus-Belastung rät diese Leitlinie vorrangig zu anderen Verfahren wie der kognitiven Verhaltenstherapie, insbesondere bei Erwachsenen mit persistierenden, belastenden Beschwerden.

Zudem verweisen Institutionen wie das US-amerikanische NCCIH auf mögliche schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, zu denen etwa Infektionen zählen, sofern die Akupunktur unsachgemäß oder unter unhygienischen Bedingungen vorgenommen wird.

Fachleute unterstreichen überdies, dass insbesondere bei einem plötzlichen Hörverlust vorrangig die umgehende Konsultation eines HNO-Arztes erforderlich bleibt, bevor alternative oder ergänzende Behandlungsansätze erwogen werden.

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de | wissenschaft | 70411736 |