TikTok und Alabama: Vergleich bringt zwei Stunden tägliches Nutzungslimit
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Streit um die Auswirkungen sozialer Medien auf die mentale Gesundheit junger Nutzer zeichnet sich eine rechtliche Zäsur ab. TikTok und der Mutterkonzern ByteDance haben sich mit dem US-Bundesstaat Alabama auf einen Vergleich verständigt, um einen anberaumten Jury-Prozess über psychische Schäden bei Jugendlichen abzuwenden. Es handelt sich um die erste Einigung eines US-Bundesstaats mit der Videoplattform in dieser Klagewelle. Die Vereinbarung sieht neben Zahlungen in dreistelliger Millionenhöhe umfassende technische Auflagen zum Schutz Minderjähriger vor.
Finanzielle Entschädigungen und gestaffelte Zusatzzahlungen
Die Einigung sichert Alabama mindestens 100 Mio. US-Dollar, die innerhalb von 45 Tagen zahlbar sind und laut Berichten vom 25. September 2026 als Restitution für die psychische Gesundheit von Jugendlichen bereitgestellt werden. Bei Nichteinhaltung der festgelegten Bedingungen kann die Summe auf bis zu 300 Mio. US-Dollar steigen.
Darüber hinaus enthält die Übereinkunft dynamische Klauseln: Demnach sind bis zu 183,8 Mio. US-Dollar zusätzlich vorgesehen, falls weitere Bundesstaaten qualifizierende Vergleiche schließen. Die Gesamtzahlung könnte auf bis zu 300 Mio. US-Dollar anwachsen, sofern sich innerhalb eines festgelegten Zeitraums 40 weitere Generalstaatsanwälte auf ähnliche Vereinbarungen verständigen.
Alabamas Generalstaatsanwalt Steve Marshall bezeichnete die Einigung als bedeutenden Tag für die Eltern im Bundesstaat. Katherine Robertson aus dem Büro der Generalstaatsanwaltschaft hob am 25. September 2026 hervor, dass es sich bei den vereinbarten Maßnahmen um sehr restriktive gerichtliche Auflagen handele.
Strenge Vorgaben für den Jugendschutz
Die Vereinbarung verpflichtet TikTok und ByteDance zu weitreichenden Änderungen der Plattformfunktionen für Minderjährige in Alabama. Vorgesehen ist ein tägliches Nutzungslimit von zwei Stunden für Kinder, gekoppelt an elterliche Kontrollmöglichkeiten.
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Zudem müssen sogenannte produktive Pausen nach 15, 60 und 90 Minuten kontinuierlicher Nutzung eingeführt werden. Nachts gilt zwischen 0 und 6 Uhr eine Nutzungssperre, ebenso während der regulären Schulzeit.
Weitere am 25. September 2026 bekannt gewordene Auflagen betreffen die technische Architektur der Anwendung. Innerhalb eines Jahres muss eine verbesserte Altersverifikation implementiert werden. Konten von Jugendlichen sind künftig standardmäßig auf privat zu schalten und mit einem nicht-personalisierten Feed auszustatten.
Kosmetische Filter werden für Kinder untersagt. Daneben muss die Plattform die Inhaltsmoderation anpassen, den Zugriff von Erwachsenen auf Kinderkonten beschränken und Warnhinweise bei verdächtigen Interaktionen ausgeben.
Juristischer Kontext und parallele Verfahren
Der Jury-Prozess sollte am 28. September 2026 in Montgomery beginnen und war auf eine Dauer von zwei bis drei Wochen angelegt. TikTok hatte sich im Vorfeld auf Section 230 des Communications Decency Act berufen und eine Aussetzung des Verfahrens beantragt.
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Das Unternehmen wird in dem Fall von der Kanzlei Bradley Arant Boult Cummings aus Birmingham vertreten. ByteDance hält nach der in diesem Jahr erfolgten Übertragung des US-Geschäfts an ein von US-Investoren geführtes Unternehmen noch einen Anteil von 20 Prozent.
Mit dem Schritt hat TikTok alle für ein Gerichtsverfahren ausgewählten Klagen beigelegt, zu denen auch Beschwerden von fünf Jugendlichen sowie eines Schulbezirks in Kentucky gehörten.
Der Druck auf die Branche bleibt dennoch hoch: Mindestens 27 weitere Bundesstaaten sowie Washington D.C. führen ähnliche Klagen an. Zudem sind über 3.200 Bundesklagen gegen TikTok, Meta, Snap und Google in einem Sammelverfahren vor Richterin Yvonne Gonzalez Rogers am Bezirksgericht für Nordkalifornien anhängig.
Auch andere Verfahren zeigen den wachsenden Regulierungsdruck. Im August 2026 gab es einen Vergleich über 400 Mio. US-Dollar mit dem US-Justizministerium zum Thema Kinder-Datenschutz.
Im Vormonat August 2026 erzielte zudem Meta eine Einigung über 17,1 Mrd. US-Dollar mit 47 Bundesstaaten, Washington D.C. und US-Territorien, wobei 5 Mrd. US-Dollar davon an die Bedingung geknüpft sind, dass Plattformen wie TikTok, Snap und YouTube vergleichbare Schutzauflagen übernehmen.
