TikTok-Trend, Autismus

TikTok-Trend Autismus: Experten warnen vor unkontrollierter Selbstdiagnose

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Digitale Psychoedukation kann entlasten, doch ungenaue Videos und wiederholte Selbsttests fördern Angst und ersetzen keine klinische Abklärung.

Autismus-Selbsttests auf TikTok: Expertinnen warnen vor Fehldeutungen
Ein minimalistischer, ruhiger Therapieraum mit einem leeren Stuhl vor einem hellen Fenster, der eine Atmosphäre der Stille vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Auf Social-Media-Plattformen wie Tiktok und Instagram hat sich ein Trend entwickelt, bei dem Nutzer verstärkt über ihre Autismus-Diagnosen berichten und vereinfachte Selbsttests zur Verfügung stellen. Eine Psychiaterin warnt nun vor den Risiken dieser Internet-Phänomene. In einer Analyse der aktuellen Situation wird deutlich, welche Chancen die digitale Aufklärung bietet und wo die Gefahren einer unkontrollierten Selbstdiagnose liegen.

Zwischen Entlastung und Verwirrung

Die Verbreitung psychologischer Inhalte in sozialen Netzwerken wird von Fachkreisen mit Skepsis betrachtet. Wie aus Berichten vom 10.09.2026 hervorgeht, kann die sogenannte Psychoedukation – die Vermittlung von Wissen über psychische Erkrankungen – zwar zur Entlastung beitragen, jedoch auch erhebliche Verunsicherung auslösen. Dies sei insbesondere dann der Fall, wenn normale Gefühlsregungen fälschlicherweise als Symptome einer klinischen Störung gedeutet werden.

Die Psychotherapeutin Miriam Junge wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass psychologische Inhalte, die bei Konsumenten regelmäßig Angst, Scham oder Unsicherheit hinterlassen, als deutliches Warnsignal zu werten seien. Ein ständiges Googeln nach Symptomen oder das Durchführen von Onlinetests verschaffe Betroffenen meist nur eine kurzfristige Beruhigung, löse jedoch nicht das grundlegende Bedürfnis nach diagnostischer Sicherheit.

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Die Risiken permanenter Selbstbeobachtung

Expertinnen wie Elisabeth Dallüge, stellvertretende Vorsitzende der DPtV, und Miriam Junge warnen zudem vor den Folgen einer permanenten Selbstbeobachtung. Laut Dallüge wird die eigentlich positive Eigenschaft der Selbstreflexion dann problematisch, wenn sie in eine ständige Kontrolle des eigenen Verhaltens umschlage. Die Expertinnen warnen davor, Selbstdiagnosen lediglich auf Basis einzelner Social-Media-Posts zu erstellen.

Ein wesentliches Problem der digitalen Inhalte ist zudem ihre fachliche Qualität. Eine Studie aus dem Jahr 2025 untersuchte in diesem Kontext die Top-100-Videos auf Tiktok, die unter dem Schlagwort #ADHD veröffentlicht wurden. Dabei stellte sich heraus, dass weniger als die Hälfte der darin getroffenen Aussagen zu Symptomen mit den tatsächlichen klinischen Kriterien übereinstimmten. Dies unterstreicht die Gefahr, dass Laien durch ungenaue Informationen zu falschen Schlüssen über ihren eigenen Gesundheitszustand gelangen könnten.

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Kriterien für eine problematische Selbstanalyse

In Fachkreisen wird betont, dass es kein universelles Zeitlimit – etwa im Bereich von 30 Minuten oder drei Tagen – für eine gesunde Selbstanalyse gebe. Stattdessen wurden laut einem Bericht vom 09.09.2026 spezifische Kriterien definiert, um festzustellen, wann die Beschäftigung mit dem Thema kritisch wird.

Ein problematisches Verhalten liege vor, wenn durch die Recherche keine konkreten Handlungsoptionen entstehen, sondern stattdessen Scham und Angst zunehmen. Auch wenn das wiederholte Suchen nach Beruhigung durch immer gleiche Suchbegriffe und Onlinetests zur Gewohnheit wird, sei dies ein Anzeichen für einen ungesunden Umgang mit dem Thema.

Es muss zudem berücksichtigt werden, dass Psychoedukation keine eigenständige Therapieform darstellt. Sie fungiere lediglich als eine Behandlungskomponente innerhalb eines professionellen therapeutischen Rahmens. Die bloße Aneignung von Informationen im Internet könne eine fundierte klinische Abklärung durch Fachpersonal daher nicht ersetzen, sondern im schlechtesten Fall durch Fehlinterpretation den Weg zu einer adäquaten Behandlung erschweren.

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