Tierwohl-Gesetze: EU verbietet Käfighaltung und Kükentöten noch 2026
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 23:58 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Am 7. Juli 2026 präsentierte die Kommission ihre Strategie für eine nachhaltige und widerstandsfähige Tierhaltung. Fünf Prioritäten stehen im Zentrum: Krisenvorsorge, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, regionale Anpassung und Exzellenz.
Milliardenmarkt mit Millionen Jobs
Der Sektor ist ein Schwergewicht der europäischen Agrarwirtschaft. Laut Kommission erwirtschaftet die Tierhaltung rund 400 Milliarden Euro Jahresumsatz. Sie sichert etwa sieben Millionen Arbeitsplätze. Das entspricht knapp 40 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfung in der EU.
Die Strategie zielt nicht auf einen Abbau der Tierhaltung ab. Stattdessen setzt Brüssel auf technologische Innovationen und strengere Standards. Ein zentrales Ziel: den Bestandsrückgang stoppen und den Sektor wettbewerbsfähig halten. Technische Lösungen könnten die Emissionen in der Tierhaltung um mindestens 16 Prozent senken.
Strengere Regeln für Tierwohl – Schritt für Schritt
Die Kommission will die Tierwohlvorgaben verschärfen – und zwar gesetzlich. Noch 2026 soll ein erster Gesetzesvorschlag kommen. Geplant sind der EU-weite Ausstieg aus der Käfighaltung bei Legehennen und ein Verbot des Kükentötens.
Im zweiten Quartal 2027 folgt ein weiterer Entwurf. Er adressiert die Gruppenhaltung bei Sauen und soll die herkömmlichen Kastenstände ablösen. Für die Rinderhaltung sind vorerst keine neuen Regeln vorgesehen.
Gleichzeitig will die Kommission die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirte sichern. Importprodukte sollen denselben Tierschutzstandards unterliegen. Die Regelungen müssen mit den Vorgaben der Welthandelsorganisation (WTO) konform sein. Sonst droht eine bloße Verlagerung der Produktion ins Nicht-EU-Ausland.
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Weniger Abhängigkeit von Futtermittelimporten
Parallel zur Tierhaltungsstrategie startet ein Proteinaktionsplan. Ziel: die Abhängigkeit von Futtermittelimporten deutlich verringern. 2025 lag der Anteil an EU-eigenem Proteinfutter bei rund 25 Prozent. Bis 2035 soll er auf 35 Prozent steigen.
Der heimische Anbau von Proteinpflanzen gilt als Schlüssel für eine krisenfestere Landwirtschaft. Kritiker vom Öko-Institut warnen allerdings: Für die Klimaziele bis 2045 reichen technische Maßnahmen allein womöglich nicht aus.
Milliardeninvestitionen – und viel Kritik
Der Umbau der Ställe und Produktionsprozesse kostet Geld. Der jährliche Investitionsbedarf bis 2040 liegt zwischen 5,9 und 8,4 Milliarden Euro. Finanzieren sollen das die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), die Europäische Investitionsbank (EIB) und privates Kapital.
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Die Landwirtschaft reagiert verhalten. Die Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes lobt die Strategie als wichtigen Schritt. Die Umsetzung müsse aber wirtschaftlich bleiben und realistische Übergangsfristen vorsehen. Zudem fordert der Verband eine verbindliche Herkunftskennzeichnung.
Der Bayerische Bauernverband geht weiter: Die Zielrichtung stimme zwar, aber konkrete Finanzinstrumente fehlten. Ohne sie drohe die Strategie zur bloßen Absichtserklärung zu verkommen. Tierschutzorganisationen kritisieren das Gegenteil: Die Pläne seien wenig ambitioniert. Bestimmte Haltungsformen wie Vollspaltenböden bleiben in der aktuellen Strategie unangetastet.
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