Tiergestützte, Therapie

Tiergestützte Therapie: Hunde und Wölfe erkennen menschliche Angst

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Tiergestützte Interventionen etablieren sich in Medizin und Pädagogik. Neue Studien belegen die emotionale Wirkung von Hunden und Wölfen auf den Menschen.

Tiergestützte Therapie im Aufwind: Von der Onkologie bis zur Pädagogik
Ein Therapiehund sitzt ruhig neben einem Patienten in einem modernen Krankenhauszimmer zur Stressreduktion. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Tiergestützte Interventionen erobern immer mehr Bereiche von Medizin und Pädagogik. Ob in der Onkologie, der Rehabilitation oder im Klassenzimmer – die Nachfrage wächst.

Therapiehündin Lizzy erobert die Onkologie

Am Luzerner Kantonsspital sorgt seit Januar 2025 eine besondere Mitarbeiterin für Entspannung: Therapiehündin Lizzy begleitet die onkologische Sprechstunde am Standort Stans. Jeweils montags und dienstags ist die Hündin im Einsatz, um Krebspatienten in der belastenden Behandlungssituation eine beruhigende Atmosphäre zu bieten.

Wissenschaftlich begleitet wird das Pilotprojekt von der Universität Luzern. Prof. Karin Hediger und ihr Team untersuchen, wie der Kontakt mit dem Tier das Bindungshormon Oxytocin aktiviert – nachweislich ein wirksamer Hebel gegen Ängste und Schmerzen. Hygienestandards nach den IAHAIO-Richtlinien sollen dabei ein erhöhtes Infektionsrisiko für die oft immungeschwächten Patienten ausschließen.

Rehabilitation mit Fell und Hufen

Auch in der Reha setzen Therapeuten zunehmend auf Tiere. Im Medical Park Reithofpark in Bad Feilnbach unterstützt Hund Oreo seit etwa einem Jahr die Ergotherapie – in Einzelsitzungen von 30 Minuten. Damit es dem Vierbeiner nicht zu viel wird, sind maximal zwei Therapieeinheiten pro Woche erlaubt. Die Ausbildung für solche Aufgaben dauert zwölf Monate, jährliche Rezertifizierungen halten den Standard.

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Neben Hunden kommen in Gruppentherapien auch Lamas zum Einsatz. Und die Tierphysiotherapie selbst hat sich zu einem High-Tech-Bereich entwickelt: Eine Praxis in Nieder-Eschbach behandelt monatlich 100 bis 150 Patienten – unter anderem mit Lasertherapie oder einem rund 35.000 Euro teuren Unterwasserlaufband. So soll etwa die neuronale Regeneration nach schweren Unfällen gefördert werden.

Studie: Hunde und Wölfe riechen unsere Angst

Die biologische Basis dieser Mensch-Tier-Verbindung erforscht die Vetmeduni Wien. Eine am 6. August veröffentlichte Studie zeigt: Elf Hunde und acht handaufgezogene Wölfe reagierten messbar auf menschlichen Angstschweiß.

Die Tiere suchten die Proben zwar häufiger auf, verbrachten dort aber weniger Zeit und suchten vermehrt Blickkontakt zu ihren Trainern – ein Verhalten, das Forscher als Unsicherheit deuten. Hunde brachen die Sitzungen zudem öfter ab als Wölfe. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Die Fähigkeit, menschliche Emotionen über den Geruch wahrzunehmen, ist älter als die Domestizierung.

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Kuscheltier-Klinik und Bauernhof-Pädagogik

In der Kinderheilkunde gehen die Ansätze spielerisch weiter. In Köln eröffnete im August ein Pilotprojekt als Teddyklinik: Kinder durften ihre Kuscheltiere untersuchen und „operieren“ lassen – ganz ohne Leistungs- oder Schmerzdruck. Das soll die Angst vor dem Klinikalltag nehmen.

Dass Tiere auch Brücken zwischen Generationen bauen, zeigte ein Besuch des Havanesers Kani beim Wittekindshof im Juni: Der Hund förderte den Kontakt zwischen Schulkindern und Klienten der Einrichtung. Ähnliche Effekte verspricht ein Hofprojekt in Norden, bei dem autistische Kinder durch den Kontakt mit Schafen, Ziegen und Pferden Selbstvertrauen und soziale Teilhabe stärken sollen.

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