Tierärzte, Suizidrisiko

Tierärzte: Suizidrisiko fünfmal höher als in der Bevölkerung

Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien belegen fünffach erhöhte Suizidgefahr bei Tierärzten. Kammern fordern mehr psychische Gesundheitslehre im Studium.

Tierärzte: Fünffach erhöhtes Suizidrisiko laut Studien
Eine erschöpfte Tierärztin sitzt in einem abgedunkelten Behandlungsraum und reflektiert über die psychische Belastung im Beruf. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die psychische Gesundheit innerhalb der veterinärmedizinischen Branche rückt verstärkt in den Fokus wissenschaftlicher und berufsständischer Untersuchungen.

Berichte aus der Praxis, wie die der Tierärztin Liana Meisel-Gehl aus Zweibrücken, verdeutlichen die Schwere der Situation: Die Medizinerin verlor in ihrem beruflichen Umfeld bereits fünf Kollegen durch Suizid. Diese individuellen Erfahrungen decken sich mit statistischen Erhebungen, die auf eine überdurchschnittliche Gefährdung in diesem Berufsfeld hinweisen.

Studienergebnisse belegen signifikante Risikoerhöhung

Untersuchungen der Freien Universität Berlin sowie der Universität Leipzig stützen die Beobachtungen aus der Praxis mit konkreten Zahlen. Laut diesen Studien ist das Suizidrisiko bei Tierärzten etwa fünfmal höher als in der allgemeinen Bevölkerung.

Zudem wird deutlich, dass die Berufsgruppe der Tiermediziner signifikant stärker von Depressionen betroffen ist als der Durchschnitt der Gesellschaft. Auch Mediziner aus Büren bestätigten in Berichten den hohen Druck, dem die Branche ausgesetzt ist, und ordnen die Ursachen einem Geflecht aus strukturellen und emotionalen Belastungen zu.

Komplexe Belastungsfaktoren im Berufsalltag

Die Gründe für die prekäre Situation im Bereich der mentalen Gesundheit von Tierärzten sind vielfältig. Fachleute wie Liana Meisel-Gehl identifizieren mehrere Kernfaktoren, die kumulativ zu einer hohen psychischen Last führen. Dazu zählen insbesondere:

  • Strukturelle Rahmenbedingungen: Lange Arbeitstage, häufige Notdienste und ein akuter Personalmangel prägen den Alltag vieler Praxen.
  • Ökonomischer Aspekt: Ein steigender wirtschaftlicher Druck lastet auf den Praxisinhabern und Angestellten.
  • Interpersonelle Konflikte: Auseinandersetzungen mit Tierhaltern stellen eine regelmäßige psychische Belastung dar.
  • Spezifische berufliche Belastungen: Die Notwendigkeit, Tiere einzuschläfern, sowie der ständige Zugriff auf potenziell tödliche Medikamente werden als zusätzliche Risikofaktoren gewertet.
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Forderungen nach präventiven Maßnahmen und Unterstützung

Angesichts dieser Erkenntnisse fordern Standesvertreter strukturelle Veränderungen. Die Landestierärztekammer Rheinland-Pfalz (RLP) sprach sich im August 2026 für eine Reform der Ausbildung aus.

Um die Resilienz künftiger Tierärzte zu stärken, fordert die Kammer eine stärkere Integration der psychischen Gesundheitslehre in das Studium der Veterinärmedizin. Dies solle bereits angehende Mediziner auf die spezifischen Belastungen des Berufs vorbereiten und Präventionsmechanismen etablieren.

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Parallel zu den bildungspolitischen Forderungen entstehen praktische Hilfsangebote für bereits im Beruf stehende Personen. Die Organisation „vetivolution“ in Mainz bietet spezielle Psychotherapie für Tierärzte an.

Solche gezielten Angebote sollen den besonderen Anforderungen der Berufsgruppe gerecht werden und einen geschützten Raum für die Behandlung psychischer Krisen schaffen. Die Kombination aus präventiver Lehre und niederschwelligen Therapieangeboten gilt in Fachkreisen als notwendiger Schritt, um der hohen Suizidrate und der Depressionshäufigkeit in der Tiermedizin entgegenzuwirken.

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