Tierärzte: 25% mit Depression, Suizidrisiko 4- bis 6-fach erhöht
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der tierärztliche Berufsstand steht vor erheblichen Herausforderungen. Berichte über eine zunehmende Zahl von Burnout-Fällen verdeutlichen eine Entwicklung, die immer mehr Veterinäre dazu veranlasst, ihren ursprünglichen Traumberuf aufzugeben. Aktuelle Analysen und Studien zeigen ein besorgniserregendes Bild der psychischen Gesundheit und der Arbeitsbedingungen in der Branche, die zunehmend durch strukturelle Probleme unter Druck gerät.
Alarmierende Studienergebnisse zur psychischen Gesundheit
Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen die Schwere der Lage. Eine Studie der Freien Universität Berlin und des Universitätsklinikums Leipzig, an der 3.000 Personen teilnahmen, liefert konkrete Daten zur psychischen Verfassung der Tierärzte. Demnach weisen über 25 % der Befragten Symptome einer klinischen Depression auf. Besonders kritisch wird die Situation bei der Betrachtung von Suizidgedanken und -risiken bewertet: Knapp 20 % der Teilnehmer gaben an, bereits Suizidgedanken gehabt zu haben. Bei fast einem Drittel der Befragten wurde zudem ein erhöhtes Suizidrisiko festgestellt.
Diese Werte verdeutlichen eine massive Diskrepanz zur allgemeinen Situation in der Bundesrepublik. Die erhobenen Zahlen liegen laut den Untersuchungen etwa 4- bis 6-mal höher als in der Gesamtbevölkerung. Berichte dokumentieren in diesem Zusammenhang tragische Einzelfälle, etwa den Suizid einer Kollegin oder den Werdegang einer Kleintierärztin, die ihre Praxis aufgrund der Belastungen verlassen musste, krankgeschrieben wurde und heute als berufsunfähig gilt.
Prekäre Arbeitsbedingungen und mangelnde Anerkennung
Die aktuellen Studien zeigen: Über 25% der Tierärzte leiden unter Depressionen, das Suizidrisiko ist 4- bis 6-fach erhöht. Doch es gibt konkrete Schritte, die Sie jetzt umsetzen können – von Stressreduktion bis zur besseren Work-Life-Balance. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Die Ursachen für die hohe psychische Belastung sind vielschichtig und häufig in den Rahmenbedingungen des Berufs zu finden. Als wesentliche Belastungsfaktoren werden eine fehlende gesellschaftliche Anerkennung, die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie eine hohe Arbeitsverdichtung genannt.
Konkrete Daten zu den Arbeitszeiten unterstreichen diesen Druck. Über 17 % der Tierärzte arbeiten regelmäßig mehr als 10 Stunden täglich. Zudem geben 30 % der Beschäftigten an, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten nicht eingehalten werden. Auch die finanzielle Vergütung steht oft in keinem Verhältnis zur Verantwortung und Arbeitslast. Berufsanfänger verdienen im Mittel 21,35 Euro brutto pro Stunde, was angesichts der langen und anspruchsvollen Ausbildung als gering eingestuft wird. Die Kombination aus vielen Überstunden und einer vergleichsweise niedrigen Bezahlung führt bei vielen Fachkräften zu einer tiefen Unzufriedenheit.
Internationale Perspektiven und Lösungsansätze
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Das Problem der emotionalen Überlastung im Veterinärwesen ist kein rein nationales Phänomen. Ein Bericht über das norwegische Projekt NORVET aus dem Jahr 2022 zeigt ähnliche Tendenzen auf internationaler Ebene. In der dortigen Erhebung gaben fast drei von zehn Tierärzten an, im vorangegangenen Jahr das Gefühl gehabt zu haben, dass das Leben nicht lebenswert sei. Viele Veterinäre kündigen ihre Stellen aufgrund der anhaltenden emotionalen Belastung. Ein Beispiel für den Umgang mit dieser Krise ist Hanna Marie Fosse Nes, die ihren Beruf aufgab und ihre Erfahrungen in einem Buch verarbeitete.
Um der Abwanderung aus dem Beruf und der gesundheitlichen Gefährdung entgegenzuwirken, werden erste unterstützende Maßnahmen ergriffen. In Norwegen hat die Veterinærforeininga beispielsweise eine Mentorordnung für neue Tierärzte eingeführt. Solche Programme sollen Berufseinsteigern helfen, die hohen Anforderungen der Praxis besser zu bewältigen und eine langfristige Perspektive im Beruf zu finden. Dennoch bleibt die Stabilisierung der Branche eine komplexe Aufgabe, die sowohl wirtschaftliche als auch strukturelle Anpassungen erfordert.
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