TICI, UNICO

TICI UNICO: MED-EL bringt erstes vollständig unsichtbares Cochlea-Implantat

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das CE-zertifizierte TICI UNICO von MED-EL ermöglicht Hören ohne äußeren Sprachprozessor; erste kommerzielle Eingriffe fanden bereits statt.

MED-EL bringt voll implantierbares Cochlea-System TICI UNICO nach CE-Zulassung auf den Markt
Ein steriler, minimalistischer Operationssaal mit medizinischen Präzisionsinstrumenten in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Hörimplantat-Branche verzeichnet einen technologischen Fortschritt, der lange als kaum lösbar galt: ein vollständig unter der Haut liegendes Cochlea-Implantat inklusive Mikrofon. Der Innsbrucker Hersteller MED-EL hat mit TICI UNICO nach eigenen Angaben das weltweit erste und einzige kommerziell verfügbare System dieser Art vorgestellt. Es ist CE-zertifiziert und wird derzeit in mehreren europäischen Ländern eingeführt.

Die Technik hinter dem unsichtbaren Implantat

Kernstück der Entwicklung ist eine implantierbare Mikrofontechnologie, die Schall durch die Haut aufnimmt. Das Mikrofon sitzt laut Hersteller rund 6 Millimeter unter der Kopfhaut. Damit entfällt erstmals die Notwendigkeit eines äußeren Sprachprozessors, wie er bei klassischen Cochlea-Implantaten üblich ist.

Nutzerinnen und Nutzer können dadurch rund um die Uhr hören – auch beim Schlafen, Sport, Duschen und Schwimmen sowie während des Ladevorgangs. Lediglich zum Aufladen ist ein externes Gerät erforderlich.

Das Implantat wiegt 20 Gramm, der integrierte Akku hält laut Hersteller bis zu 40 Stunden pro Ladung, wobei der Ladevorgang selbst 1 bis 1,5 Stunden dauert.

MED-EL gibt an, dass mindestens 24 Stunden Nutzung pro Ladung über einen Zeitraum von mindestens 15 Jahren gewährleistet sein sollen. Für die medizinische Bildgebung ist das System bis 3 Tesla MRT-kompatibel; bei 7 Tesla muss das Implantat entfernt werden.

Das Implantat ist für Menschen mit schwerer bis hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit vorgesehen. Die Hörleistung sei laut Hersteller und klinischen Daten vergleichbar mit klassischen CI-Systemen. Eine klinische Studie mit 30 Patienten habe dies belegt, wie MED-EL mitteilte.

Eine lange Entwicklungsgeschichte

Die Entwicklung des Systems dauerte nach Unternehmensangaben rund 15 Jahre. Größte Herausforderung sei das implantierte Mikrofon selbst gewesen. Erste Eingriffe im Rahmen einer klinischen Machbarkeitsstudie erfolgten bereits 2020 in Belgien; eine Machbarkeitsstudie mit sechs Patienten wurde zudem in der Fachzeitschrift Communications Medicine veröffentlicht.

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Für Menschen mit schwerer bis hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit beginnt ein neues Kapitel: Erstmals ist ein Cochlea-Implantat CE-zertifiziert, das samt Mikrofon vollständig unter der Haut liegt – kein sichtbarer Sprachprozessor mehr. Hören soll damit rund um die Uhr möglich sein, auch beim Schwimmen, Duschen und Schlafen. Unser kostenloser Leitfaden ordnet ein, für wen das System gedacht ist und welche Fragen Sie vor einem Gespräch mit der Klinik klären sollten. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern

Derzeit tragen weltweit rund 40 Patientinnen und Patienten die unsichtbare Variante, darunter fünf im Rahmen einer klinischen Studie am AKH Wien und der MedUni Wien.

Mit der CE-Zertifizierung ist das Implantat nun auch außerhalb klinischer Studien einsetzbar. Die ersten vier kommerziellen Implantationen erfolgten am Morgen der Ankündigung. Ein Marktstart in den USA steht noch aus, ein Preis wurde bislang nicht veröffentlicht.

MED-EL-CEO Ingeborg Hochmair bezeichnete die Entwicklung als Beginn einer völlig neuen Kategorie: Zum ersten Mal werde unsichtbares Hören mit einem Cochlea-Implantat möglich, so Hochmair. Das 1990 in Innsbruck gegründete Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 3.300 Mitarbeitende aus rund 90 Nationen an 30 Standorten; Menschen in 142 Ländern nutzen MED-EL-Produkte.

Gegründet wurde das Unternehmen von den Hörimplantat-Pionieren Ingeborg und Erwin Hochmair, die bereits 1977 in Wien das erste Mehrkanal-Cochlea-Implantat einsetzten.

Erste Anwendungen außerhalb von Studien

An der Uniklinik für HNO von AKH Wien und MedUni Wien wurden erstmals zwei TICI-UNICO-Cochlea-Implantate außerhalb einer Studie eingesetzt, in Wien und St. Pölten. Zuvor waren fünf Implantate im Rahmen der klinischen Studie eingesetzt worden. Klinikleiter Christoph Arnoldner betonte, die Technologie bedeute mehr Freiheit im Alltag; die individuelle Eignung werde nach umfassender Untersuchung festgestellt.

Auch das Universitätsklinikum Würzburg setzte einer Patientin ein zweites voll implantierbares Cochlea-Implantat ein – laut Klinik die weltweit erste beidseitige Versorgung mit diesem System. Die Patientin hatte das erste Implantat bereits während der Zulassungsstudie erhalten; das nun eingesetzte System verfügt über CE-Zulassung und steht seither allen geeigneten Betroffenen offen.

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Bisher musste der Sprachprozessor beim Duschen, Schwimmen und Schlafen abgelegt werden – viele Betroffene empfinden das als tägliche Einschränkung. Eine neue Generation von Cochlea-Implantaten soll das ändern: Alle Komponenten liegen unter der Haut, nur zum Laden ist ein externes Gerät nötig. Der kostenlose Leitfaden zeigt in verständlichen Schritten, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und wie Sie das Für und Wider mit Ihrem HNO-Arzt besprechen. Leitfaden zur Eignung jetzt sichern

Würzburg gehört zu den ersten vier Kliniken weltweit, die das neue Implantat einsetzen. In den vergangenen 25 Jahren wurden an der Klinik mehr als 4.000 Cochlea-Implantate eingesetzt. Prof. Dr. Kristen Rak von der HNO-Klinik erklärte, das System sei bislang nur im Rahmen von Studien einsetzbar gewesen; mit der CE-Zulassung stehe es nun allen offen.

Für ältere Menschen mit hochgradigem Hörverlust eröffnet die neue Generation von Cochlea-Implantaten damit eine Option, die den Alltag ohne sichtbares externes Zubehör bewältigen lässt – ein Aspekt, der gerade für Betroffene mit Vorbehalten gegenüber äußerlich erkennbaren Hörhilfen relevant sein dürfte.

Mehr zum Thema bei DER STANDARD: „Erstes unsichtbares Cochlea-Implantat kommt aus Tirol - Edition Zukunft - derStandard.at › Edition Zukunft“

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