Therapieresistente Depression: Psilocybin zeigt anhaltende Wirkung
18.06.2026 - 06:52:27 | boerse-global.de
Neben klassischen Antidepressiva rücken psychedelische Substanzen, immuntherapeutische Ansätze und die gezielte Beeinflussung des Darm-Mikrobioms in den Fokus der Forschung.
Psilocybin zeigt Langzeitwirkung
Ein Meilenstein ist die EPIsoDE-Studie, die am 17. Juni 2026 veröffentlicht wurde. Wissenschaftler des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim und der Charité in Berlin untersuchten den Einsatz von Psilocybin bei Patienten mit therapieresistenter Depression.
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Die Nachbeobachtung über zwölf Monate zeigte bei 126 Probanden eine anhaltende Verbesserung. Nach einer Einmaldosis von 25 Milligramm Psilocybin und begleitender Psychotherapie sank der Wert auf der Depressionsskala HAMD17 um durchschnittlich acht Punkte. Dieser Effekt blieb auch dann stabil, wenn spätere Behandlungen mit herkömmlichen Antidepressiva statistisch berücksichtigt wurden.
Parallel dazu forscht die UC Berkeley in der PLASTICITY-Studie an älteren Menschen. Gesunde Erwachsene zwischen 60 und 85 Jahren erhalten Psilocybin-Dosen zwischen einem und 30 Milligramm. Die bisherigen Ergebnisse deuten auf keine nachweisbare Schutzwirkung gegen Gehirnalterung hin. Die Studie läuft weiter.
Immuntherapie: Entzündungen als Schlüssel
Die University of Bristol stellte im Juni 2026 eine randomisierte kontrollierte Studie zum Wirkstoff Tocilizumab vor. Der Antikörper gegen den Interleukin-6-Rezeptor führte bei Patienten mit moderater bis schwerer Depression zu einer Remissionsrate von 54 Prozent – verglichen mit 31 Prozent in der Placebogruppe. Die Autoren werteten dies als wichtigen Meilenstein. Die Stichprobengröße war mit 30 Teilnehmern allerdings noch gering.
Das Mikrobiom als Stimmungsmacher
Die Darm-Hirn-Achse rückt zunehmend in den Fokus. Präklinische Daten der Southeast University in Nanjing vom Juni 2026 zeigen eine stimmungsaufhellende Wirkung von Liraglutid, einem GLP-1-Analogon. Der Effekt scheint über einen Anstieg des Bakteriums Lactobacillus delbrueckii vermittelt zu werden. Gabe von Antibiotika ließ die Wirkung ausbleiben. Klinische Studien am Menschen stehen noch aus.
Neuromodulation: Heimgeräte und Tiefenhirnstimulation
Seit der US-Zulassung des ersten tDCS-Heimgeräts (Flow FL-100) für mittelschwere bis schwere Depressionen im Dezember 2025 liegen umfassendere Daten vor. Eine Metaanalyse vom Januar 2026 mit über 1.200 Teilnehmern bescheinigte dem Verfahren einen messbaren Effekt. Allerdings zeigte sich kein signifikanter Unterschied bei den Remissionsraten im Vergleich zu Scheinbehandlungen.
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Vielversprechender ist die DIFS-Stimulation (Deep Inductive Focal Stimulation). Daten aus einer achtwöchigen Studie an der Universität São Paulo belegten deutliche Reduktionen auf der HAMD-Skala sowie hohe Ansprechraten bei komorbider Angst und Schlaflosigkeit.
Rückschläge und neue Hoffnungsträger
Nicht alle Entwicklungen verlaufen positiv. Das Biotech-Unternehmen Neumora gab im Juni 2026 die Einstellung seines Antidepressiva-Programms bekannt. AlzeCure hingegen bereitet nach erfolgreichen Phase-Ib-Tests eine Phase-II-Studie für den Kandidaten ACD856 vor. Der Wirkstoff soll neuronale Bahnen aktivieren, die für Kognition und Depression relevant sind. Clearmind Medicine schloss die Dosierungsphase für eine Studie zu CMND-100 ab. Erste Daten deuten auf ein vorteilhaftes Sicherheitsprofil hin.
