Therapieresistente Depression: MindShift kombiniert KI mit Neurostimulation
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der psychiatrischen Versorgung stoßen etablierte Behandlungsmethoden bei einem beträchtlichen Teil der Erkrankten an Grenzen. Neue technologische Ansätze rücken daher verstärkt in den Fokus der Forschung.
An der Philipps-Universität Marburg untersucht das Projekt MindShift ein Verfahren, das künstliche Intelligenz mit personalisierter Neurostimulation kombiniert, um Menschen mit besonders therapieresistenten Depressionen eine Behandlungsoption zu bieten.
Echtzeit-Berechnung individueller Stimulationsprofile
Das System setzt an den neurobiologischen Grundlagen depressiver Erkrankungen an. Eine speziell entwickelte Sensorhaube erfasst die Hirnsignale der Betroffenen kontinuierlich. Diese Daten fließen in ein KI-Modell ein, das zuvor mit mehr als 30.000 MRT-Datensätzen trainiert wurde.
Der Algorithmus verarbeitet die eingehenden Messwerte und berechnet daraufhin in Echtzeit individuelle Neurostimulationsprofile. Ziel dieser dynamischen Anpassung ist es, gezielt neuronale Netzwerke zu stimulieren und damit Fehlregulationen im Gehirn präziser zu adressieren, als dies mit standardisierten Stimulationsprotokollen möglich wäre.
Erste Ergebnisse und klinische Einordnung
Erste Daten aus einer Pilotstudie der Universität deuten auf das Potenzial des Ansatzes hin. An der Untersuchung nahmen 20 Patientinnen und Patienten teil. Bei rund der Hälfte der Teilnehmenden verbesserte sich die depressive Stimmung im Verlauf der Anwendung deutlich.
Wenn Standardmedikamente und Psychotherapie nicht ausreichend wirken, entsteht oft das Gefühl, es gäbe keine Optionen mehr. Ein Marburger Forschungsprojekt testet derzeit einen neuen Ansatz, der KI mit Neurostimulation verbindet — die Ergebnisse sind vorläufig, aber sie zeigen, wohin die Forschung geht. Unser kostenloser Leitfaden ordnet ein, was das für Betroffene und Angehörige bedeutet und welche Fragen Sie beim nächsten Arzttermin stellen können. Kostenlosen Leitfaden zu Behandlungsoptionen anfordern
Ein Viertel der Probanden war zeitweise vollständig beschwerdefrei. Die Projektleitung betont jedoch, dass es sich hierbei um vorläufige Ergebnisse handelt, die in umfangreicheren klinischen Studien an größeren Kohorten überprüft und bestätigt werden müssen.
Den therapeutischen Bedarf ordnet die Marburger Oberärztin Irina Falkenberg ein. Demnach spreche etwa ein Drittel der an einer Depression erkrankten Personen nicht ausreichend auf herkömmliche therapeutische Maßnahmen wie Standardmedikamente oder psychotherapeutische Verfahren an. Das System MindShift sei jedoch ausdrücklich nicht als Ersatz für eine Psychotherapie konzipiert, sondern solle diese als ergänzendes Werkzeug unterstützen.
Förderung und geplante Ausgründung
Das Marburger Entwicklungsteam arbeitet derzeit daran, die Technologie aus der universitären Forschung in die klinische Anwendung zu überführen. Bereits im Jahr 2025 wurde das Projekt MindShift beim hessischen Landeswettbewerb „Hessen Ideen“ prämiert.
Viele Betroffene und Angehörige wissen nicht, welche Schritte bei Therapieresistenz überhaupt möglich sind — und welche Kosten übernommen werden. Unser kostenloser Leitfaden gibt Ihnen eine klare Checkliste zu Behandlungsoptionen und einen Fragenkatalog, mit dem Sie im Arztgespräch gezielt nachfragen können. So behalten Sie die Orientierung, während neue Ansätze noch in der Erprobung sind. Checkliste für den Arzttermin jetzt sichern
Finanzielle Unterstützung erhält das Vorhaben von öffentlicher Seite: Das Land Hessen fördert die Weiterentwicklung mit rund 870.000 Euro. Mit diesen Mitteln soll die technische Umsetzung weiter verfeinert und die Marktreife vorbereitet werden. Noch für das Jahr 2026 plant das Forschungsteam die Gründung eines eigenständigen Start-ups, um die Zulassung und spätere Versorgung von Gesundheitseinrichtungen voranzutreiben.
