Therapieplätze: Wartezeit auf 32,5 Wochen gestiegen
02.07.2026 - 23:05:15 | boerse-global.de
Das zeigt der aktuelle BiPsy-Monitor 2026. Im Jahr 2024 lag der Wert noch bei 28,3 Wochen.
Nur die Hälfte der anfragenden Patienten bekommt überhaupt einen Termin für eine erste Sprechstunde. Von denen, die einen Termin erhalten, schaffen es nur rund 55 Prozent, anschließend einen festen Behandlungsplatz zu bekommen. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe bewertet die Entwicklung als unzureichend für schwer erkrankte junge Menschen.
Besonders betroffen: Kinder mit Migrationshintergrund
Ein ähnliches Bild zeigt ein Monitoring aus dem Kanton Basel-Stadt vom Sommer 2025. 361 von 889 befragten Psychotherapeuten beteiligten sich an der Erhebung. Die Ergebnisse belegen einen erheblichen Mangel an Therapieplätzen für vulnerable Gruppen.
Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, Mehrfachbelastungen, Traumafolgestörungen oder Abhängigkeitserkrankungen. Fast die Hälfte der befragten Therapeuten bietet zwischen 11 und 20 Sitzungen pro Woche an. Rund 83 Prozent arbeiten in selbstständiger Tätigkeit.
Neue Hoffnung bei Essstörungen
Parallel zu den Versorgungsengpässen laufen vielversprechende Studien. Die FIAT-Studie der Charité Berlin und der Krankenkasse mhplus untersucht die Wirksamkeit der Familienbasierten Therapie (FBT) bei Anorexia nervosa. Gesucht werden 200 betroffene Familien mit Kindern zwischen 8 und 17 Jahren. Die Studie vergleicht FBT mit der herkömmlichen stationären Behandlung über einen Zeitraum von 12 Monaten.
Kann Schachtraining die psychische Gesundheit verbessern? Eine Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit Mannheim und der Universität Heidelberg gibt Hinweise darauf. 33 Probanden im Alter von 13 bis 17 Jahren trainierten sechs Wochen lang Schach. Das Ergebnis: eine verbesserte Effizienz des Arbeitsgedächtnisses und gesteigertes subjektives Wohlbefinden. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Clinical Child Psychology and Psychiatry.
Die Wartezeit auf einen Therapieplatz für Ihr Kind beträgt durchschnittlich 32,5 Wochen – und nur 55% erhalten überhaupt einen festen Behandlungsplatz. Unser kostenloser Report zeigt Ihnen konkrete Wege, wie Sie die Wartezeit verkürzen, digitale Alternativen nutzen und kultursensible Anlaufstellen finden. Jetzt kostenlosen Report anfordern
Digitale Therapie und kultursensible Ansätze
Digitale Formate gewinnen in der psychotherapeutischen Versorgung an Bedeutung. Das Erasmus+-Projekt CARE+CONNECT entwickelt digitale kognitive Verhaltenstherapie (iCBT) und Peer-Support-Netzwerke. Bis September 2027 sollen Studierende und Hochschulpersonal in sechs EU-Ländern davon profitieren.
Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) stellte Anfang Juli ein neues Webportal zur Suche von Präventionsangeboten vor.
Ein weiterer Schwerpunkt: Kultursensibilität. Eine fachärztliche Übersicht aus dem Jahr 2026 definiert zentrale Kompetenzen für die Arbeit mit jungen Migranten und Geflüchteten. Dazu gehören Selbstreflexion über Rassismuserfahrungen, der Einsatz von Sprachmittlern und sprachfreie Diagnostikinstrumente wie spezielle Intelligenztests.
Suchtkliniken: Nur noch zwei spezialisierte Einrichtungen in Deutschland
Nur zwei spezialisierte Kliniken für suchtkranke Jugendliche gibt es bundesweit – ein Zeichen für den massiven Versorgungsmangel. Unser Report hilft Ihnen, frühzeitig die richtige Unterstützung für Ihr Kind zu finden, bevor sich die Symptome verfestigen. Hilfe für Ihr Kind – Report jetzt sichern
Die stationäre Versorgung suchtkranker Jugendlicher steht vor massiven Problemen. Nach der Schließung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn – sie machte ein Defizit von 1,5 Millionen Euro nicht wett – wurden neue Wohngruppen für 12- bis 17-Jährige eingerichtet.
Bundesweit existieren nur noch zwei spezialisierte Kliniken mit insgesamt 36 Plätzen für diese Patientengruppe. Der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie (bkj) fordert deshalb eine stärkere Einbindung psychotherapeutischer Expertise in den Jugendschutz. Besonders problematisches Medienverhalten sei häufig ein Symptom tieferliegender psychischer Erkrankungen.
