Therapiehunde bei PTSS: Polizisten schneiden mit Hund bei Tests besser ab
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 16:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Von Schulen über Kliniken bis zu Krankenhäusern – Einrichtungen in mehreren Ländern bauen derzeit ihre Angebote mit Therapie- und Begleithunden aus. Die Berichte der vergangenen Wochen zeigen, wie unterschiedlich die Einsatzfelder inzwischen sind: Sie reichen von der Traumabewältigung bei Polizeibeamten über die Reha-Begleitung bis zur Unterstützung von Krebspatienten während der Chemotherapie.
Zertifizierung an Schulen
An der Kardinal-von-Galen-Schule in Emsdetten hat Schulhund Benni gemeinsam mit seiner Halterin Julia Elpers die Prüfung zum Begleithund für tiergestützte Therapie und Pädagogik erfolgreich abgelegt und ist nun zertifizierter Pädagogikbegleithund.
Benni begleitet Elpers künftig im Unterricht. Ähnliche Konzepte gibt es bereits andernorts: An der Jacob-Curio-Realschule Hofheim bereichern die Hündin Selma und der Jack-Russell-Mix Fritz seit einiger Zeit den Schulalltag – Selma war bereits Anfang 2021 erstmals von Schulleiter Stefan Wittmann mit in die Schule gebracht worden.
In Irland begleitet der dreijährige Shepadoodle Winston seit drei Jahren die Ballyfeeney National School im County Roscommon mit rund 95 Schülern. Winston ist einer von über 60 Hunden im Schul-Therapiehundeprogramm von My Canine Companion aus Cork.
Eltern zahlen dort 2,50 Euro pro Woche oder 10 Euro im Monat, während die tatsächlichen Kosten für Pflege, Futter und Tierarzt zwischen 200 und 250 Euro monatlich liegen. Schulleiter Diarmuid Sutton und Lehrer John Flynn absolvierten dafür ein einjähriges Training in Dublin; Winston versteht nach Angaben der Schule rund 100 Wörter.
Auch Leseförderung mit Hunden ist verbreitet: In der Stadtbibliothek Nagold können Kinder im Rahmen des Programms „Lesen mit Wuff“ der Therapiehündin Ella vorlesen, betreut von Hundebesitzerin Gisela Michaelis. Ziel ist es, Hemmungen abzubauen und die Freude am Lesen zu fördern.
Reha-Kliniken setzen auf Mensch-Hund-Teams
Das AMEOS Reha Klinikum Ratzeburg hat sein bestehendes Angebot „Reha mit Hund“ um therapeutisches Hundetraining erweitert. Rehabilitanden können nach vorheriger Anmeldung ihren eigenen Hund mitbringen; trainiert werden Aufmerksamkeit und Orientierung am Menschen, Leinenführigkeit, Rückruf, ruhiges Warten sowie der Umgang mit Ablenkungen.
Krankenhausdirektor Nick Seidensticker sieht darin eine Möglichkeit, die Hürde zur Reha-Aufnahme zu senken. Hundetrainerin Anja Büchel betont, dass jeweils das gesamte Team aus Mensch und Hund trainiert werde. Der Standort in Ratzeburg umfasst rund 600 Mitarbeitende, verteilt auf Reha-Klinikum, Seniorenwohnsitz, Therapiezentrum, Pflegehaus und Klinik für Geriatrie.
Wissenschaftliche Hinweise auf Wirkung bei PTSS
Forschung liefert zunehmend Belege für die psychologische Wirkung von Hunden bei chronischen Belastungen. Eine Promotionsarbeit der Neurobiologin Charlotte Witjes-Roelofs an der Radboud Universiteit, deren Verteidigung für den 1. Oktober 2026 angesetzt ist, zeigt anhand von EEG-Working-Memory-Tests, dass Polizisten mit posttraumatischer Belastungsstörung in Anwesenheit eines Hundes besser abschnitten, während Menschen ohne PTSS in denselben Tests mit Hund schlechter abschnitten. Bei der Polizei sind laut der Studie derzeit 166 Assistenzhunde im Dienst. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Anthrozoos veröffentlicht.
Immer mehr Kliniken, Schulen und Reha-Einrichtungen bauen tiergestützte Angebote aus — doch die Frage nach belastbaren Belegen bleibt offen. Ein neuer Leitfaden fasst den Forschungsstand zur Wirkung bei PTSS zusammen und zeigt, wie Sie Zertifizierung und Kosten in Ihrer Einrichtung planbar aufsetzen. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Krankenhaus-Einsatz in der Onkologie
Im Metaxa-Krebskrankenhaus in Piräus besucht die sechsjährige Labrador-Hündin Dylan zwei- bis dreimal pro Woche Onkologie-Patienten während der Chemotherapie.
Nach Angaben des Krankenhauses ist sie die erste offiziell in das griechische staatliche Gesundheitssystem integrierte Therapiehündin. Das zugrundeliegende Programm „Companions with Tails“ startete 2025 in Zusammenarbeit mit Dog Therapy Greece und Win Cancer und umfasst mittlerweile neun Therapiehunde, fünf weitere sollen im laufenden Jahr ausgebildet werden – die Ausbildung und Beurteilung eines Therapiehundes dauert rund 18 Monate.
Krankenhausdirektor Sarantos Efstathopoulos zufolge plant die griechische Regierung eine Ausweitung auf alle onkologischen Krankenhäuser bis Ende 2027, in einem weiteren Schritt auch auf Kinder- und allgemeine Krankenhäuser.
Gemeinnützige Initiativen und Zertifizierungen
Der Verein TherapiehundeTeams Kärnten verbindet seit über 25 Jahren die Ausbildung von Mensch-Hund-Teams mit sozialem Engagement. Obfrau Cornelia Lorenz und Hundetrainerin Patrizia Rafeiner übergaben kürzlich eine Spende von 400 Euro an zwei alleinerziehende Mütter in Feistritz im Rosental zum Schulbeginn, entgegengenommen von Bürgermeister Wolfram Ogris.
Als nächstes Projekt plant der Verein finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung zweier Assistenzhunde für Menschen aus dem Autismus-Spektrum. In Wien-Donaustadt feierte der Verein „Tiere als Therapie“ (TAT) sein 35-jähriges Bestehen mit einem Fest im TAT-Zentrum.
In Österreich wurde der Pferde- und Ziegenhof der Familie Pühringer in Poysbrunn mit der Green-Care-Hoftafel für sein Angebot „Lernen Natürlich Tierisch“ ausgezeichnet.
Sozialpädagogin Romana Pühringer bietet dort tiergestützte Lernförderung an, etwa zur Vorbereitung auf den Schuleinstieg, bei Legasthenie sowie zu Selbstbehauptung, Resilienz und Mobbingprävention – auch für Schulen und Kindergärten.
Die Green-Care-Zertifizierung prüft soziale, pädagogische und gesundheitsfördernde Angebote auf landwirtschaftlichen Betrieben nach einheitlichen Qualitätskriterien; der Betrieb ist nun Teil des österreichweiten Netzwerks.
Ein Therapiehund kostet monatlich zwischen 200 und 250 Euro für Pflege, Futter und Tierarzt — und die Ausbildung eines Mensch-Hund-Teams dauert rund 18 Monate. Wer das vorher durchrechnet, spart später Budget und Zeit. Der Leitfaden zeigt Finanzierungswege und den kompletten Zertifizierungspfad Schritt für Schritt. Zertifizierungspfad jetzt sichern
Auch in der Pflege wächst das Angebot: Dank einer Spende des Lions Club Haltern ist die hundegestützte Therapie mit Therapiehund Yoshi im Ernst Lossa Haus für alle Bewohnerinnen und Bewohner kostenfrei geworden. Hundetherapeutin Yvonne Steinbuß kommt regelmäßig mit dem Schweizer-Sennenhund-Mix Yoshi, um Stress und Ängste abzubauen sowie soziale Momente und Selbstvertrauen zu fördern.
Die Vielzahl der Initiativen aus Deutschland, Österreich, Irland, Griechenland und den Niederlanden zeigt, dass tiergestützte Ansätze in unterschiedlichsten institutionellen Kontexten – Schule, Reha, Pflege, Onkologie und Polizeiarbeit – zunehmend systematisch verankert werden, begleitet von formalen Zertifizierungen, Trainingsstandards und ersten wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweisen.
