Therapiehunde bei Demenz: Bayerischer Preis für das Klinikum Neumarkt
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 11:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas Therapiehunde-Angebot der Akutgeriatrie am Klinikum Neumarkt hat eine Anerkennung im Rahmen des Bayerischen Demenzpreises erhalten. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention, welches diese Auszeichnung alle zwei Jahre verleiht, wählte das Vorhaben aus insgesamt 89 Bewerbungen als eines von sechs prämierten Projekten aus.
Das Beispiel verdeutlicht, wie tiergestützte Interventionen zunehmend Einzug in die stationäre und teilstationäre Versorgung von Menschen mit kognitiven Einschränkungen halten.
Feste Strukturen und strenge Hygiene im Klinikalltag
Im Klinikum Neumarkt ist der Einsatz der Tiere in klare Abläufe eingebunden. Einmal wöchentlich besucht die Therapiehündin Kaya von Therapiehunde Deutschland e. V. die Akutgeriatrie. Die jeweilige Gruppentherapie erstreckt sich über einen Zeitraum von 30 Minuten und richtet sich an jeweils vier Patientinnen und Patienten.
Um den sensiblen Anforderungen des Krankenhausbetriebs gerecht zu werden, orientiert sich das Angebot an einem Hygienekonzept nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene.
Ähnliche Konzepte existieren auch an weiteren Standorten. Im St. Josefs Krankenhaus der Balserischen Stiftung in Gießen besucht der Therapiebegleithund Dave alle zwei Wochen die Geriatrische Tagesklinik.
Seine Halterin Ulrike Geisel absolvierte mit dem Tier einen Eignungstest, Ausbildungseinheiten sowie eine Abschlussprüfung beim DRK Landesverband Hessen. In der Praxis begleitet der Hund Maßnahmen der Biografiearbeit, Gedächtnis- und Motorikübungen sowie direkte Interaktionen.
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An der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach setzt Tanja Hansen bereits seit etwa vier Jahren auf tiergestützte Interventionen mit ihren Großpudeln Nova und Fox. Die Ausbildung im Therapiehundezentrum Rhein-Lahn in Bad Ems erforderte pro Hund einen vierstelligen Betrag.
Zum Schutz von Mensch und Tier gelten dort feste Grenzen: Die Hunde arbeiten maximal 20 Minuten am Stück und höchstens drei Stunden am Tag, sowohl in Einzel- als auch in Gruppensettings, um Stress zu regulieren und physiologische Parameter wie Puls und Blutdruck zu senken.
Ausbildung und Ausbau regionaler Besuchsdienste
Neben dem klinischen Fachpersonal bereiten sich auch Hilfsorganisationen auf Einsätze in Senioreneinrichtungen vor. Bei den Maltesern München legten am 27. September 2026 sieben Mensch-Hund-Teams nach einer Ausbildung durch eine private Hundeschule über zehn Termine innerhalb von elf Wochen ihre Prüfung ab.
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Nach mehrjähriger Pause wird dieser Besuchs- und Begleitungsdienst in Münchner Einrichtungen wieder aufgenommen. Auch beim Malteser Hilfsdienst in Bayreuth schlossen zehn Teams ihre Vorbereitung für künftige Besuche in Seniorenheimen ab.
In der Bevölkerung stößt dieser Ansatz auf breite Zustimmung. Laut einer repräsentativen Erhebung im Auftrag des Tiernahrungsherstellers PURINA sind 87 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass Haustiere in schwierigen Phasen emotionalen Halt bieten; 84 Prozent stuften Therapiebegleithunde als sinnvolle Ergänzung medizinischer Therapien ein.
Stand der wissenschaftlichen Forschung
Die klinische Forschung belegt physiologische Reaktionen, weist jedoch auf methodische Unterschiede hin. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 zu neurophysiologischen Mechanismen über 34 Untersuchungen dokumentierte in 64,3 Prozent der Studien eine Cortisol-Reduktion sowie in 60 Prozent einen messbaren Anstieg des Hormons Oxytocin.
Eine weitere Meta-Analyse aus demselben Jahr, die zwölf Studien mit 408 Personen mit psychotischen Störungen auswertete, zeigte signifikante Verbesserungen vor allem bei negativen Symptomen, während für positive Symptome keine ausreichende Evidenz vorlag.
Gleichzeitig fordern Fachleute mehr Standardisierung. Eine von Santaniello und Kollegen im Fachjournal Animals publizierte Übersicht über 38 Studien zur tiergestützten Therapie bemängelte, dass in wissenschaftlichen Arbeiten häufig genaue Angaben zu Auswahl, Gesundheit und Training der eingesetzten Hunde fehlten.
Auch Bert und Kollegen stellten im European Journal of Integrative Medicine anhand von 36 Untersuchungen zu interventionen im Krankenhaus zwar Vorteile bei Stress, Schmerz und Angst fest, hoben jedoch die starke Heterogenität der Studiendesigns hervor.
Internationale Leitlinien, wie die in Italien für tiergestützte Interventionen geltenden Vorgaben, definieren deshalb verbindliche Standards für Planung, Zielsetzung und die interdisziplinäre Zusammenarbeit der beteiligten Berufsgruppen.
