Therapiebegleithunde, Einsätze

Therapiebegleithunde: Höchstens zwei Einsätze pro Woche empfohlen

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zertifizierte Tierbegleitung und geförderte Höfe verbinden soziale Angebote mit Landwirtschaft und schaffen neue Arbeitsmöglichkeiten.

Soziale Landwirtschaft und Therapiebegleithunde: Projekte verbinden Arbeit und Hilfe
Ein sonnendurchflutetes, grünes Weideland mit einem hölzernen Weidezaun und einem traditionellen Bauernhof im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Die Integration von Tieren und landwirtschaftlichen Strukturen in soziale sowie therapeutische Arbeitsfelder gewinnt zunehmend an Bedeutung. Ein aktueller Bericht beleuchtet diesen Trend am Beispiel des Caritas Altenzentrums St. Ulrich in Neustadt, wo die Ausbildung einer acht Monate alten Australian-Shepherd-Hündin zum Therapiebegleithund die hohen Anforderungen an solche Mensch-Tier-Teams verdeutlicht. Dieser professionelle Ansatz findet sich auch in der sozialen Landwirtschaft wieder, die pädagogische Arbeit mit agrarökonomischen Betrieben verknüpft.

Zertifizierte Ausbildung für Therapiebegleithunde

Die Qualifizierung von Hunden für den Einsatz in sozialen Einrichtungen folgt strengen Standards. Wie am Beispiel des Caritas Altenzentrums St. Ulrich ersichtlich wird, erfolgt die Ausbildung nicht für das Tier allein, sondern prüft Hund und Halter explizit als Team.

Der Ausbildungsprozess umfasst laut einem Bericht vom September 2026 eine Dauer von etwa einem halben Jahr. Dabei müssen die Beteiligten sowohl praktische Prüfungen absolvieren als auch theoretisches Wissen nachweisen, was unter anderem einen Fragenkatalog mit 48 Aufgaben umfasst.

Ein wesentlicher Aspekt der Ausbildung ist die Sicherstellung des Tierwohls sowie der Effektivität der Einsätze. Nach Angaben von Fachleuten aus dem Ausbildungsteam für Therapiebegleithunde ist eine regelmäßige Rezertifizierung alle zwei Jahre erforderlich, um die Qualität der Arbeit dauerhaft zu gewährleisten.

Für die praktischen Einsätze gelten klare Belastungsgrenzen: Als Richtwert werden höchstens zwei Termine pro Woche empfohlen, die jeweils eine Dauer von rund einer Stunde nicht überschreiten sollten, wobei ausreichende Ruhezeiten zwischen den Einheiten zwingend einzuhalten sind.

Soziale Landwirtschaft als integratives Modell

Parallel zur tiergestützten Therapie etabliert sich die sogenannte Soziale Landwirtschaft als festes Berufsfeld. Auf Schloss Neuburg wurde hierzu kürzlich ein bayernweiter Lehrgang mit der Verleihung von Zertifikaten abgeschlossen. Das Konzept sieht vor, landwirtschaftliche Tätigkeiten mit sozialen, pädagogischen oder therapeutischen Dienstleistungen direkt auf den Bauernhöfen zu verknüpfen.

Ein großdimensioniertes Beispiel für diese Entwicklung ist die Bio-Gemüsegärtnerei in Haimbach, ein Projekt der St. Antonius-Stiftung. Im Rahmen des Spendenprojekts „gemeinsam er:wachsen“, das bereits im Jahr 2021 gestartet wurde, konnten nun rund 740.000 Euro für den Aufbau des Betriebs übergeben werden.

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Ziel ist die Schaffung von 15 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen für Menschen mit schweren Beeinträchtigungen, unterstützt von rund 60 weiteren Beschäftigten.

Infrastruktur und wirtschaftliche Planung

Die ökonomische Relevanz solcher Projekte zeigt sich in der geplanten Infrastruktur. In Haimbach umfasst die Gärtnerei nach Abschluss des ersten von vier Bauabschnitten drei Gewächshäuser mit einer Fläche von jeweils etwa 1.440 Quadratmetern sowie eine Verarbeitungshalle von rund 2.000 Quadratmetern.

Die jährliche Produktionskapazität wird auf etwa 50 Tonnen Tomaten und über 40.000 Gurken geschätzt. Die erste Ernte von Bio-Gemüsesorten ist für das Frühjahr 2027 geplant, wobei die ersten Jungpflanzen voraussichtlich in der zwölften Kalenderwoche 2027 in die Häuser einziehen sollen.

Regionale und internationale Vernetzung

Das Spektrum unterstützender Naturprojekte reicht über die stationäre Pflege und den Gemüseanbau hinaus. In Völklingen wird mit dem Projekt „Nahgrünquartier“ die Reaktivierung von gemeinschaftlichen Grünflächen gefördert, wobei das Sozialministerium rund 35.000 Euro und damit fast 90 Prozent der Kosten übernimmt.

Auch international zeigen sich ähnliche Bestrebungen: Nahe dem schwedischen Västerås bietet das Kungsbyn Resurscenter pferdegestützte Maßnahmen an. Diese richten sich an Menschen mit psychischen Belastungen oder Traumata.

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In der Schweiz wiederum fördert der Kanton Luzern das Projekt „Seitenwechsel“, bei dem Auszubildende aus der Landwirtschaft und der Gastronomie – etwa des Schweizer Paraplegiker-Zentrums Nottwil – ihre Arbeitsplätze tauschen, um gegenseitiges Verständnis für Produktions- und Verarbeitungsketten zu entwickeln.

Diese vielfältigen Ansätze unterstreichen die Professionalisierung im Bereich der tier- und naturgestützten Arbeit, die zunehmend durch zertifizierte Ausbildungen, klare wirtschaftliche Strukturen und staatliche Förderungen flankiert wird.

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