Therapeuten-Honorare: 4,5-Prozent-Kürzung verschärft Versorgungskrise
10.06.2026 - 01:51:50 | boerse-global.de
Eine neue Studie zeigt: Besonders in der Start-up-Szene ist der Druck enorm.
Rekord bei Neugründungen, Rekord bei Überlastung
Der Gründungsboom hat eine Schattenseite. Laut einer Studie des Start-up-Bundesverbands und der Techniker Krankenkasse (TK) vom 9. Juni 2026 stufen 68 Prozent der Gründer die hohe Arbeitsdichte als massives Gesundheitsrisiko ein. 45 Prozent sehen das Burnout-Risiko als zentrale Bedrohung für ihre berufliche Existenz.
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Die Zahlen sind vor dem Hintergrund eines Rekordjahres zu sehen: 2025 gab es 3568 Neugründungen – ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Sorge vor den Folgen wächst rasant. 66 Prozent der Befragten erwarten, dass psychische Überlastung in fünf Jahren ein kritisches Risiko darstellt. Das sind 21 Prozentpunkte mehr als noch in der vorherigen Erhebung.
Flexiblere Arbeitszeiten gefordert
Könnte eine Reform des Arbeitszeitrechts die Lösung sein? 60 Prozent der Gründer sprechen sich für eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit aus. Konkret diskutiert wird ein Modell mit bis zu 48 Stunden pro Woche. Das würde Arbeitsspitzen abfedern, ohne gegen geltende Regeln zu verstoßen.
Therapeuten-Honorare gekürzt – Wartezeiten explodieren
Während der Bedarf an professioneller Hilfe steigt, wird die Versorgungslage kritischer. Seit dem 1. April 2026 sind die Honorare für Psychotherapeuten um 4,5 Prozent gekürzt. Hintergrund sind geplante Einsparungen in der ambulanten Versorgung: bis 2030 soll ein Volumen von fünf Milliarden Euro eingespart werden.
Die Folgen für Patienten sind dramatisch. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz beträgt bundesweit sechs Monate. In vielen Regionen müssen Betroffene 1,5 bis zwei Jahre warten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnt, dass Millionen von Behandlungsfällen unbezahlt bleiben könnten.
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Der Widerstand ist groß. Bereits im März 2026 sammelte eine Petition gegen die Honorarkürzungen mehr als 500.000 Unterschriften.
Selbsthilfegruppen als Brücke in der Not
Weil reguläre Therapieplätze so knapp sind, gewinnen alternative Angebote an Bedeutung. Der Sozialdienst katholischer Frauen in Mannheim reagiert auf den Bedarf: Am 27. Juni 2026 startet dort eine spezielle Prozess- und Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen, Burnout und sozialen Phobien. Das Angebot läuft quartalsweise und soll Betroffenen einen niederschwelligen Zugang zu Austausch und Unterstützung bieten – bis wieder ein regulärer Therapieplatz frei wird.
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