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Text Salting: Wie Angreifer KI-Scanner mit verstecktem Text täuschen

Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 19:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Phishing-Plattform EvilTokens kompromittiert 340 Organisationen. KI-gestütztes Text-Salting und Deepfakes bedrohen Unternehmen zunehmend.

EvilTokens & Text-Salting: Neue Cyberangriffe auf Microsoft 365
Abstrakte digitale Sicherheitsszene mit leuchtenden Codezeilen, einem glitchartigen Vorhängeschloss und einer dezenten Hackerhand, die Cyberbedrohungen symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Cyberkriminelle setzen zunehmend auf automatisierte Werkzeuge und raffinierte Methoden, um Sicherheitssysteme zu überlisten. Im Fokus stehen dabei vor allem Microsoft-365-Umgebungen.

ARToken-Plattform: Neue Funktionen für dauerhaften Zugriff

Die als EvilTokens bekannte Phishing-Plattform ARToken hat ihre Fähigkeiten erheblich erweitert. Neu hinzugekommen sind Funktionen zur Manipulation von Postfachregeln sowie zur Erstellung geteilter Zugriffslinks. Damit können Angreifer dauerhaften Zugriff auf Microsoft-365-Konten erlangen und eingehende E-Mails unbemerkt umleiten.

Die Erfolgsbilanz ist alarmierend: Allein in den fünf Wochen nach Februar 2026 gelang es EvilTokens, mehr als 340 Organisationen zu kompromittieren. Ein siebenstufiges Anti-Analyse-System macht die Erkennung besonders schwierig. Erst im Mai 2026 hatte das FBI vor der ähnlichen Plattform Kali365 gewarnt, die Gerätecode-Login-Prozesse missbraucht, um die Mehrfaktor-Authentifizierung zu umgehen.

Die wirtschaftlichen Schäden sind enorm. 53 Prozent der gehackten Gesundheitseinrichtungen nutzen Microsoft 365 – und die durchschnittlichen Kosten eines einzigen BEC-Vorfalls (Business Email Compromise) liegen inzwischen höher als bei einer Ransomware-Attacke. Neue Erkennungsmethoden, die am 17. Juli 2026 veröffentlicht wurden, setzen auf KQL-Abfragen, um verdächtige Klickaktivitäten mit anschließenden Regeländerungen innerhalb von sechs Stunden zu korrelieren.

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Text-Salting: Wie KI-gestützte Scanner getäuscht werden

Ein besonders perfider Trick sorgt derzeit für Aufsehen. Seit April 2026 hat der Sicherheitsanbieter Barracuda über eine Million bösartige E-Mails identifiziert, die eine Methode namens „Text Salting“ nutzen. Dabei verstecken Angreifer harmlose Inhalte im HTML- oder CSS-Code der Nachricht – etwa durch Nullpunkt-Schriftarten oder außerhalb des sichtbaren Bereichs.

Das Ziel: KI- und Machine-Learning-Klassifikatoren in die Irre führen. Indem der unsichtbare, legitim wirkende Text den bösartigen Inhalt mengenmäßig überwiegt, stufen Sicherheitsfilter die Phishing-Mail fälschlicherweise als sicher ein. Besonders perfide: Die Angreifer nutzen zunehmend große Sprachmodelle (LLMs), um ständig neue Varianten des versteckten Texts zu generieren. Klassische Signatur-basierte Systeme kommen damit nicht mehr hinterher.

Die betrügerischen Mails locken meist mit Prämien oder Geschenkkarten und stammen von kompromittierten, eigentlich vertrauenswürdigen Domänen mit gültigen DKIM-Signaturen.

Staatliche Akteure im Visier

Auch staatlich gesteuerte Gruppen nutzen die neuen Methoden. Die mit China in Verbindung gebrachte Gruppe UNC6508 durchsuchte gezielt rund 150 Schlüsselbegriffe, um Forschungs- und Verteidigungskommunikation abzugreifen. Über kompromittierte REDCap-Server und manipulierte Google-Workspace-Regeln leiteten die Angreifer sensible E-Mails per BCC an externe Konten weiter.

Im akademischen Bereich verfolgen Forscher seit Mai 2026 die Kampagne UNK_MassTraction, die sich auf Physik- und Ingenieurfakultäten US-amerikanischer und kanadischer Universitäten konzentriert. Die Gruppe nutzt Sicherheitslücken in Roundcube-Mailservern, um Schadsoftware und Webshells zu installieren.

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Boss Scams: Deepfakes als neue Gefahr für Finanzabteilungen

Die indische Wertpapieraufsicht SEBI warnte am 17. und 18. Juli 2026 regulierte Unternehmen vor sogenannten „Boss Scams“. Bei dieser Form des CEO-Betrugs setzen Angreifer auf Deepfake-Audio und -Video, um Finanzteams zu unbemerkten Überweisungen zu bewegen. Zusätzlich nutzen die Kriminellen manipulierte ZIP-Dateien, um WhatsApp-Web-Sitzungen zu kapern und Sitzungstoken zu stehlen.

Auch kanadische Organisationen stehen unter Druck: Berichten zufolge waren 90 Prozent aller erfolgreichen Phishing-Versuche im Jahr 2025 an KI-gestützte Methoden gekoppelt. Sicherheitsexperten empfehlen daher, Gerätecode-Flüsse über Conditional-Access-Richtlinien zu blockieren und bei größeren Finanztransaktionen stets eine Bestätigung über einen zweiten Kommunikationsweg einzuholen.

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