Tether-Klage: 42,4 Mio. USD USDT ohne Haftbefehl gefroren
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 01:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Rechtsstreit um eingefrorene Krypto-Vermögenswerte rückt den Stablecoin-Emittenten Tether ins Visier der Justiz. Zwei thailändische Geschäftsleute haben in New York Klage eingereicht, nachdem ihre Mittel auf Ersuchen von US-Behörden ohne anfänglichen Haftbefehl gesperrt wurden. Der Fall fällt in eine Zeit weltweit verschärfter regulatorischer Bemühungen im Sektor der digitalen Währungen.
Wie Anfang September 2026 bekannt wurde, haben die thailändischen Geschäftsleute Nutthawat Rukthammachalern und Natthawat Kasamvilas eine Klage gegen Tether vor dem US-Bezirksgericht in New York erhoben.
Die Kläger werfen dem Unternehmen vor, unrechtmäßig Vermögenswerte in Höhe von 42,4 Mio. USD USDT eingefroren zu haben. Die Klage, die bereits am 31. August 2026 eingereicht wurde, fordert neben der Freigabe der Mittel auch Schadensersatz sowie die Herausgabe von Reserveerträgen.
Hintergrund der Kontensperrung
Der Ursprung der Auseinandersetzung liegt im Herbst des vergangenen Jahres. Am 30. Oktober 2025 fror Tether die besagten 42,4 Mio. USDT auf insgesamt zehn Ethereum-Adressen ein. Dieser Schritt erfolgte auf eine informelle Anfrage der US-Heimatschutzbehörde (HSI) hin. Zum Zeitpunkt der Sperrung lag nach Angaben aus den vorliegenden Berichten jedoch kein richterlicher Haftbefehl gegen die Inhaber vor.
Ein offizieller Haftbefehl mit dem Aktenzeichen 5:26-MJ-1267-JG wurde von den US-Behörden erst am 19. Februar 2026 ausgestellt. Die Maßnahme stand im Zusammenhang mit Ermittlungen zu einem sogenannten Pig-Butchering-Fall – einer speziellen Form des Anlagebetrugs – mit einem Gesamtvolumen von 61 Mio. USD.
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Die Kläger fordern nun die Rücknahme der Blacklist-Einträge für ihre Adressen. Tether hingegen wies die Klage am 2. September 2026 als unbegründet zurück.
Regulierungsdruck in Singapur und den USA
Der Rechtsstreit ereignet sich vor dem Hintergrund einer globalen Welle neuer Richtlinien für Stablecoin-Emittenten. Die Monetary Authority of Singapore (MAS) veröffentlichte am 1. September 2026 ein Konsultationspapier zu Gesetzesänderungen am Payment Services Act 2019. Die Behörde schlägt darin strenge Auflagen für ein Stablecoin-Rahmenwerk vor, darunter eine Reserveabdeckung von 100 Prozent, regelmäßige Stresstests sowie die Erstellung von Abwicklungsplänen. Zudem wird ein Verbot von Zinszahlungen für regulierte Stablecoins in Erwägung gezogen. Die Konsultationsphase läuft bis zum 16. Oktober 2026.
In den USA plädierte Heath Tarbert vom Stablecoin-Anbieter Circle am 2. September 2026 vor dem Repräsentantenhaus für mehr regulatorische Klarheit. Tarbert betonte die Rolle von Stablecoins für die Dollar-Dominanz, wies jedoch darauf hin, dass der Anteil des US-Dollars an den Reserven von 70 Prozent auf 57 Prozent gefallen sei. Er forderte die Verabschiedung des CLARITY Act und des GENIUS Act.
Laut seinen Angaben sind derzeit 98 Prozent der Stablecoins in Dollar denominiert, während das Volumen tokenisierter Staatsanleihen über 16 Mrd. $ liege.
Institutionelle Kritik und internationale Leitlinien
Auch auf Ebene der G20 und der Zentralbanken wächst die Aufmerksamkeit. Beim Treffen der G20-Finanzminister und Zentralbankchefs in Asheville Anfang September 2026 wurde die Bedeutung klarer Regeln für digitale Vermögenswerte hervorgehoben. Der Finanzstabilitätsrat (FSB) wurde beauftragt, die Risiken grenzüberschreitender Stablecoins weiter zu prüfen.
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Bereits Ende August 2026 hatte Pablo Hernández de Cos von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) Kritik an Stablecoins geübt. Er warnte vor steigenden Finanzierungskosten für Banken und einer Verteuerung von Krediten und sprach sich stattdessen für tokenisierte Einlagen aus.
Tether-CEO Paolo Ardoino wies diese Darstellung zurück. Er vertrat die Ansicht, dass voll reservierte Stablecoins ein sichereres Modell darstellten als Banken, die nur mit Bruchteilreserven operieren.
Währenddessen zeigen sich in anderen Jurisdiktionen unterschiedliche Ansätze: In Japan beantragte die Finanzaufsicht FSA am 1. September 2026 eine Steuerbefreiung für Trust-Stablecoins ab dem Jahr 2027. Gleichzeitig verzeichneten Anbieter wie Anchorage ein starkes Wachstum; deren USDGO-Programm steigerte seine Marktkapitalisierung innerhalb von sechs Monaten von 50 Mio. auf 1,25 Mrd. $, wobei Rewards über eine separate Einheit ausgezahlt werden, um regulatorische Zinsverbote zu umgehen.
