Testosteronmangel: Zwei morgendliche Blutwerte sind für die Diagnose nötig
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 13:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie klinische Relevanz von Testosteronmessungen rückt bei Beschwerden wie Schlafstörungen oder Erektionsproblemen zunehmend in den Fokus medizinischer Debatten.
Experten wie der Androloge Professor Michael Zitzmann diskutieren in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit präziser Diagnostik und klären über die physiologischen Veränderungen während der sogenannten Andropause auf. Gleichzeitig warnen Fachkreise vor voreiligen Therapien und einer unkritischen Kommerzialisierung des Hormons.
Physiologische Unterschiede zu den weiblichen Wechseljahren
Ein zentraler Aspekt der medizinischen Einordnung betrifft die Abgrenzung zu den biologischen Prozessen bei Frauen. Professor Zitzmann betont, dass Männer keine Wechseljahre im klassischen Sinn durchlaufen, da die Hoden ihre Funktion im Alter nicht wie die Eierstöcke vollständig einstellen.
Während die Eizellreserve bei Frauen begrenzt ist und auch bei einer gesunden Lebensweise unweigerlich schwindet, verhält sich der männliche Hormonhaushalt anders: Ein absinkender Testosteronspiegel steht bei Männern oft in direktem Zusammenhang mit Vorerkrankungen, Übergewicht und chronischem Stress. Bei einem gesunden Lebensstil kann der Hormonwert daher auch in höherem Alter normal hoch bleiben.
Dennoch vollzieht sich der biologische Alterungsprozess stetig. Laut Bác s? Nguy?n V?n Phúc vom Militärkrankenhaus 108 sinkt das Testosteron bei Männern nach dem 30. Lebensjahr um 1 % pro Jahr. Erste Begleiterscheinungen dieses kontinuierlichen Rückgangs zeigen sich häufig nach dem 40. Lebensjahr, darunter Müdigkeit, eine Zunahme des Bauchumfangs, Stoffwechselstörungen sowie sexuelle Funktionsstörungen.
Symptome, Diagnosekriterien und Fehldeutungen
In der Praxis bleibt ein Testosterondefizit dennoch häufig unerkannt. Wie ein tschechischer Rundfunkbericht thematisierte, leiden viele Männer mittleren Alters an einem schleichenden Mangel, der fälschlicherweise als normale Alterserscheinung oder Burnout eingestuft wird. Zu den typischen Beschwerden gehören extreme Erschöpfung, der Verlust von Muskelmasse, Stimmungsschwankungen, tiefe psychische Einbrüche und ein deutlicher Libidoverlust.
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Für eine fundierte medizinische Beurteilung reicht das Vorliegen einzelner Anzeichen jedoch nicht aus. Eine reine Müdigkeit genügt keineswegs für die Feststellung eines Mangels oder gar für die Einleitung einer Hormonersatztherapie.
Zwar ist die Kontrolle des Spiegels bei Symptomen wie Libidoverlust, erektiler Dysfunktion und Schlafstörungen angezeigt, ein einzelner Laborwert liefert jedoch keine ausreichende Entscheidungsgrundlage. Für eine gesicherte Diagnose müssen konkrete klinische Symptome zusammen mit zwei separaten morgendlichen Blutwerten vorliegen.
Kommerzialisierung und Risiken von Präparaten
In den sozialen Netzwerken wird Testosteron vermehrt als Universallösung für Antriebslosigkeit, Kraftverlust und Alterungserscheinungen dargestellt. Daraus hat sich ein florierender Markt für Diäten, Nahrungsergänzungsmittel und spezialisierte Kliniken entwickelt, was Fachleute mit Skepsis betrachten.
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Dr. Gérald Kierzek warnt eindringlich vor frei verkäuflichen Testosteron-Boostern aus dem Internet, deren Zusammensetzung oft unzuverlässig und deren Wirkung fraglich oder gänzlich unbelegt ist.
Auch die unregulierte Verschreibung echter Hormone birgt erhebliche Risiken. Ein Leitartikel im British Medical Journal warnte am 14. Oktober 2026 vor privaten Verschreibungen und Online-Diensten, die das Hormon in Großbritannien mitunter über Abonnementmodelle vertreiben.
Eine unsachgemäße Hormonbehandlung kann handfeste medizinische Konsequenzen nach sich ziehen, da die externe Gabe von Testosteron unter anderem die körpereigene Spermienproduktion empfindlich reduzieren kann.
