Testosteron und Vorhofflimmern: Zu hohe und zu niedrige Werte erhöhen das Risiko
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwischen dem Testosteronspiegel und dem Auftreten von Vorhofflimmern bei Männern besteht ein komplexer Zusammenhang. Eine im Journal of the Endocrine Society veröffentlichte Übersichtsarbeit von Forschern des University of Kansas Medical Center und des Kansas City Veterans Affairs Medical Center verdeutlicht eine U-förmige Beziehung zwischen den Hormonwerten und der Herzrhythmusstörung. Demnach gehen sowohl ein Mangel als auch stark erhöhte Konzentrationen mit einem gesteigerten Risiko einher.
Beobachtungsdaten belegen Risiken an beiden Enden der Skala
Große epidemiologische Datensätze stützen diesen U-förmigen Verlauf. Daten der UK Biobank zeigen, dass Vorhofflimmern sowohl bei sehr niedrigen als auch bei hohen Testosteronwerten häufiger auftritt.
Auch die ASPREE-Studie, die 4.570 gesunde ältere Männer untersuchte, wies dieses Muster nach: In den beiden Gruppen mit den höchsten Testosteronwerten lag das Risiko für Vorhofflimmern fast doppelt so hoch wie bei Männern mit moderaten Werten im mittleren Bereich.
Gleichzeitig deutet die Forschung darauf hin, dass ein Ausgleich extrem niedriger Werte das Herz entlasten kann. Bereits im Jahr 2017 ergab eine Untersuchung von über 76.000 US-Veteranen, dass Vorhofflimmern seltener auftrat, wenn zuvor niedrige Testosteronwerte normalisiert wurden.
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Auf Basis vorliegender Beobachtungsdaten zeichnet sich ein möglicher günstiger Bereich um 350 bis 550 ng/dl Gesamt-Testosteron ab. Dieser Bereich dient Fachkreisen bislang jedoch lediglich als Orientierung und ist noch nicht in klinischen Studien validiert worden.
Erkenntnisse aus Interventionsstudien und Meta-Analysen
Für die therapeutische Verabreichung von Testosteron zeichnen randomisierte Studien ein differenziertes Bild. In der TRAVERSE-Studie wurden 5.246 Männer im Alter von 45 bis 80 Jahren untersucht, die unter Testosteronmangel mit Werten unter 300 ng/dl sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen litten.
Nach durchschnittlich 33 Monaten trat bei 91 Männern (3,5 Prozent) unter Behandlung mit Testosterongel Vorhofflimmern auf, verglichen mit 63 Männern (2,4 Prozent) in der Placebogruppe. Bei den Endpunkten Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulärer Tod zeigte sich hingegen kein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Gruppen.
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Ein umfassenderes Bild liefert eine Meta-Analyse von 106 placebokontrollierten Studien mit insgesamt über 15.000 Männern, darunter 8.126 Teilnehmende unter Testosterontherapie und 7.310 unter Placebo. Zwar zeigte sich rechnerisch ein höheres Risiko, ein statistisch eindeutiger Anstieg von Vorhofflimmern unter einer Testosteronbehandlung ließ sich in dieser Gesamtschau jedoch nicht feststellen.
Mitautor Rajat S. Barua hob hervor, dass die Dosierung und der angestrebte Zielwert für den Verlauf eine zentrale Rolle spielen. Nebenwirkungen hängen zudem eng mit den physiologischen Wirkungen der Hormone zusammen: Präparate wie Testosteronpropionat können den Hämatokrit und das Hämoglobin erhöhen, das Blutfettprofil verschlechtern und die natürliche körpereigene Testosteronproduktion unterdrücken.
