Testosteron und Vorhofflimmern: Höchste Werte fast doppelt so riskant
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Zusammenhang zwischen dem männlichen Hormonhaushalt und kardiovaskulären Erkrankungen steht zunehmend im Fokus der medizinischen Forschung. Eine im Journal of the Endocrine Society thematisierte Übersichtsarbeit beschreibt bei Männern einen möglichen U-förmigen Zusammenhang zwischen Testosteronwerten und dem Auftreten von Vorhofflimmern. Demnach könnte die Herzrhythmusstörung sowohl bei besonders niedrigen als auch bei auffallend hohen Testosteronspiegeln vermehrt auftreten.
U-förmiger Verlauf bei Hormonspiegeln
Die Annahme einer solchen Risikoverteilung stützt sich unter anderem auf die Auswertung von Daten von 4.570 gesunden älteren Männern. Bei dieser Untersuchung zeigte sich, dass das Risiko für Vorhofflimmern in den beiden Gruppen mit den höchsten Testosteronwerten beinahe doppelt so hoch ausfiel wie im mittleren Wertebereich.
Beobachtungsdaten legen nahe, dass ein möglicher Niedrigrisikobereich bei etwa 350–550 ng/dL Testosteron liegen könnte. Allerdings wurde dieser spezifische Korridor bislang noch nicht gezielt in klinischen Studien überprüft, weshalb verlässliche Zielkorridore für die Praxis weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen sind.
Widersprüchliche Daten aus klinischen Studien
Trotz der Hinweise aus Beobachtungsstudien bleibt die Evidenzlage zur Testosterontherapie und deren Einfluss auf Vorhofflimmern heterogen. In der TRAVERSE-Studie, an der 5.246 Männer im Alter von 45–80 Jahren teilnahmen, trat Vorhofflimmern bei 3,5 % der Probanden unter Anwendung eines Testosterongels auf, verglichen mit 2,4 % in der Placebogruppe. Dieser beobachtete Effekt ließ sich in anderen Untersuchungen jedoch nicht eindeutig bestätigen.
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So ergab eine umfassende Auswertung von 106 placebokontrollierten Studien mit insgesamt über 15.000 Männern keinen statistisch eindeutigen Anstieg von Vorhofflimmern unter einer gezielten Testosterontherapie. Die Diskrepanzen zwischen groß angelegten Registerauswertungen und kontrollierten Interventionsstudien erschweren daher bislang eine abschließende kardiologische Risikobewertung.
Risiken durch externe Zufuhr und Monitoring
Neben dem physiologischen Hormonspiegel birgt auch die Zufuhr von Hormonpräparaten kardiovaskuläre Risiken. So kann die Anwendung von Testosteronpropionat unter anderem Hämatokrit und Hämoglobin erhöhen, die Blutfettwerte verschlechtern sowie die körpereigene Testosteronproduktion unterdrücken. Insbesondere nicht medizinisch indizierte anabol-androgene Steroide können erhebliche Nebenwirkungen verursachen.
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Fachleute weisen darauf hin, dass Blutwerte allein keine Sicherheitsgarantie darstellen. Bei einer entsprechenden Hormongabe werden ärztlich geplante Ausgangs- und Verlaufskontrollen sowohl während der laufenden Anwendung als auch nach dem Absetzen empfohlen, um Veränderungen der Stoffwechsel- und Blutparameter frühzeitig zu erkennen.

