Testament, Haustiere

Testament für Haustiere: Was Erben zum digitalen Nachlass wissen müssen

07.07.2026 - 02:02:25 | boerse-global.de

Immer mehr Menschen regeln Nachlass für Haustiere und digitale Werte. Steuerreform und neue Gesetze erschweren die Planung.

Testament für Haustiere und digitalen Nachlass planen
Testament - Ein stilisiertes Testament mit einem Wachssiegel, einer Feder und der Silhouette eines Tieres im Hintergrund, das Nachlassplanung und Tierschutz symbolisiert. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Immer mehr Menschen denken über den Tod hinaus – und sichern ihre Haustiere oder Tierschutzorganisationen im Testament ab. Digitaler Nachlass und Steuerreformen machen die Planung komplex.

Tierschutzorganisationen wie der Aktive Tierschutz Austria oder Gut Aiderbichl berichten von wachsendem Interesse an Nachlassregelungen. Neben klassischen Testamentsspenden stehen spezialisierte Vorsorgemodelle im Fokus. Der Aktive Tierschutz Austria bietet etwa Programme an, die die Betreuung von Haustieren nach dem Tod der Besitzer sicherstellen. Das Thema betrifft längst nicht nur Ältere: Ein dänischer Feuerwehrmann verfasste bereits mit 23 Jahren ein Testament – wegen der Risiken seines Berufs.

Digitale Hinterlassenschaften: Was Erben wissen müssen

Der digitale Nachlass ist ein zentraler Punkt moderner Nachlassverwaltung. Er umfasst E-Mail-Konten, soziale Medien, Kryptowerte, Cloud-Speicher und Abonnements. Der Bundesgerichtshof stellte klar: Diese Positionen gehen grundsätzlich auf die Erben über. Wegweisende Urteile präzisierten, dass Erben ein Zugangsrecht zu Benutzerkonten haben – und zwar zum gesamten Konto, nicht nur zu einem Datenauszug.

Besonders bei Kryptowerten ist Vorsicht geboten. Juristen betonen: Ohne physische Sicherung der Private Keys oder Seed-Phrases sind diese Werte unwiederbringlich verloren. Ein Beschluss Anfang des Jahres stellte zudem klar: Notare müssen digitale Positionen im Nachlassverzeichnis ermitteln. Experten raten zu spezifischen digitalen Nachlassklauseln im Testament oder zur Benennung eines Digitalnachlassverwalters.

Steuerliche Unsicherheit: Reform droht

Für Erblasser mit größeren Vermögen ist die Zukunft ungewiss. Beim Bundesverfassungsgericht ist ein Verfahren zur Erbschaftsteuer anhängig (Aktenzeichen 1 BvR 804/22). Diskutiert wird eine stärkere Belastung großer Nachlässe sowie eine Verschärfung der Verschonungsregeln für Betriebsvermögen – geregelt in den Paragrafen 13a bis 13c des Erbschaftsteuergesetzes.

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Finanzexperten sehen ein begrenztes Handlungsfenster vor einer möglichen Reform. Bewährte Gestaltungsmöglichkeiten: die vorweggenommene Erbfolge, Schenkungen unter Nießbrauchsvorbehalt oder die Gründung von Familiengesellschaften. So lassen sich Vermögenswerte rechtssicher und steueroptimiert übertragen.

Tierschutz unter Druck: Tierheime am Limit

Die Bedeutung von Spenden und Nachlässen wird durch die aktuelle Belastung der Tierheime unterstrichen. In Düsseldorf verhängte die Stadt Anfang Juli einen Aufnahmestopp für Hunde – sämtliche Kapazitäten waren durch Privatabgaben und Sicherstellungen erschöpft. Die aktuelle Hitzewelle verschärft die Lage: Pflegebedürftige Wildtiere strömen massenhaft in die Einrichtungen. Tierschutzorganisationen fordern daher die Aufnahme von Wildtieren in staatliche Hitzepläne.

Auch auf gesetzlicher Ebene tut sich etwas. Die Bundesregierung arbeitet an einer Novellierung des Tierschutzgesetzes. Priorität haben die Tierhaltungskennzeichnung und eine verpflichtende Videoüberwachung in größeren Schlachthöfen. Anfang Juli beriet der Bundestag entsprechende Änderungen. In Österreich traten zum 1. Juli 2026 neue Regeln in Kraft: Zirkussen ist es nun untersagt, bestimmte Tierarten wie Alpakas, Kamele oder Wasserbüffel mitzuführen.

Neue Projekte trotz knapper Kassen

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Renommierte Organisationen expandieren trotz personeller und finanzieller Herausforderungen. Gut Aiderbichl übernahm in Pocking den ehemaligen Sternenhof und bietet dort künftig rund 330 Tieren eine Zuflucht. Ein Tag der offenen Tür mit der Eröffnung eines Katzen-Cafés ist für den 8. August 2026 geplant. Solche Projekte finanzieren sich fast ausschließlich über Spenden und Erbschaften.

Andere Einrichtungen nutzen Jubiläen für Öffentlichkeitsarbeit: Das Tierheim Bielefeld feiert am 11. und 12. Juli 2026 sein 50-jähriges Bestehen mit Fachvorträgen und Wettbewerben. Auch zivilgesellschaftliches Engagement bleibt wichtig – etwa Online-Demonstrationen gegen die Anbindehaltung von Rindern, die für den 10. Juli 2026 geplant sind.

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