Tesla-Sicherheit: Australische Studie zeigt 500 kritische Fehler
Veröffentlicht: 03.07.2026 um 09:34 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Millionenklagen, Strafverfahren und eine australische Studie offenbaren gravierende Sicherheitslücken bei Teslas selbstfahrenden Systemen. Während US-Behörden die Regeln lockern wollen, mehren sich die Zweifel an der Technologie.
Tödlicher Crash in Texas: Fahrer angeklagt
Ein schwerer Unfall in Texas rückt die Risiken des autonomen Fahrens in den Fokus. Der 44-jährige Michael Butler wurde wegen Totschlags angeklagt, nachdem sein Tesla Model 3 am 19. Juni 2026 in Katy ein Wohnhaus gerammt und die 76-jährige Martha Avila getötet hatte.
Ermittler stellten fest, dass das Fahrzeug vor dem Aufprall mit 117 km/h unterwegs war – ohne dass die Bremsen betätigt wurden. Butler gab an, er habe geglaubt, das Auto fahre im Selbstfahrmodus. Tesla widerspricht: Die Fahrzeugdaten sollen belegen, dass der Fahrer das Gaspedal durchdrückte und das System damit übersteuerte. Butler, der Berichten zufolge während der Fahrt Musik einstellte und eine Lieferung ausführte, sitzt gegen eine Kaution von rund 140.000 Euro in Untersuchungshaft. Ihm wurde das Fahren untersagt.
Die Familie des Opfers hat eine Millionenklage gegen Tesla eingereicht. Sie wirft dem Konzern grobe Fahrlässigkeit vor, unter anderem wegen des Ausbaus wichtiger Hindernis-Erkennungssensoren. Die US-Verkehrssicherheitsbehörden NHTSA und NTSB ermitteln.
Australische Studie: 500 kritische Vorfälle in 100 Tagen
Ein Langzeittest der Universität Queensland mit Teslas „Full Self-Driving“-Software (FSD) auf australischen Straßen fördert alarmierende Ergebnisse zutage. Über 100 Tage registrierten die Forscher um Zuduo Zheng mehr als 500 sicherheitskritische Ereignisse.
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Die im Juli 2026 veröffentlichte Studie zeigt: Keine einzige Fahrt kam ohne menschlichen Eingriff aus. Besonders problematisch waren Schulzonen – hier lag die Eingriffsrate bei 90 Prozent. Auch enge Brücken, Bahnübergänge, Reißverschluss-Verkehrsführungen und Kreisverkehre überforderten das System regelmäßig. Zudem verwechselte die Software wiederholt E-Scooter und zeigte Schwächen bei schlechtem Wetter.
Die Forscher betonen: Die aktuelle Infrastruktur müsse massiv nachgerüstet werden, um autonome Fahrzeuge sicher zu machen.
USA lockern Regeln – trotz Sicherheitsbedenken
Während die Technik noch hakt, schaltet die US-Regierung den nächsten Gang ein. Die NHTSA hat vorgeschlagen, Sicherheitsstandards für autonome Fahrzeuge zu lockern. Künftig sollen etwa Bremspedale, Scheibenwischer, Entfroster und Schalthebel entfallen dürfen. Nur die Bremsweg-Anforderungen blieben bestehen.
Die Autoindustrie begrüßt die Pläne. Sicherheitsexperten schlagen Alarm: Ihnen fehlen manuelle Rückfallebenen für die Passagiere. Die Behörde prüft derzeit Ausnahmeanträge von Firmen wie Zoox und Holon.
Alte Wunden: Millionenurteile und Vergleich
Die Debatte wird von einem historischen Urteil überschattet. Ein Bundesrichter bestätigte ein Schmerzensgeld von 243 Millionen US-Dollar (rund 215 Millionen Euro) gegen Tesla. Es geht um einen tödlichen Unfall von 2019 in Florida, bei dem die 22-jährige Naibel Benavides Leon ums Leben kam. Das Fahrzeug hatte ein Hindernis erkannt, aber nicht gebremst – der Fahrer war abgelenkt. Tesla wurde zu 33 Prozent haftbar erklärt.
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In einem anderen Fall einigte sich Tesla außergerichtlich. Es ging um den Tod von Johna Story in Arizona (2023) – der vermutlich ersten bekannten Fußgänger-Tötung durch das FSD-System.
Phantombremsen: Problem gelöst?
Die NHTSA schloss zwei Untersuchungen zu Tesla ab. Eine vierjährige Prüfung von Phantombremsungen bei 695.000 Fahrzeugen der Modelle 3 und Y endete ohne Rückruf. Die Zahl der Zwischenbremsungen sank von 300 (2022) auf nur drei (2026) – dank Software-Updates. Auch eine Lenkungsuntersuchung bei 376.000 Fahrzeugen wurde eingestellt.
Dennoch bleibt ein Restrisiko: Die Behörde beobachtet weiter, wie autonome Systeme bei schlechter Sicht – etwa durch Sonnenblendung, Staub oder Nebel – reagieren.
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