Tesla FSD: Schweden fordert EU-Verbot der Tempolimit-Überschreitung
19.06.2026 - 06:30:48 | boerse-global.de
Die schwedische Verkehrsbehörde fordert ein EU-weites Verbot von Teslas „Full Self-Driving“-Technologie – es sei denn, der Hersteller entfernt eine umstrittene Funktion, die das Überschreiten von Tempolimits erlaubt.
Streitpunkt: Systematisches Rasen per Software
Im Zentrum der Kritik steht Teslas sogenannter „Speed Offset“ – eine Einstellung im Fahrassistenzsystem, die es dem Auto erlaubt, bewusst schneller zu fahren als erlaubt. Für die schwedische Transportstyrelsen (TRV) ist das ein klarer Verstoß gegen die Verkehrsordnung. „Ein automatisiertes System, das systematisch Geschwindigkeitsbegrenzungen missachtet, hebelt die erwarteten Sicherheitsvorteile der Technologie aus“, heißt es in einer Stellungnahme an das Technische Komitee für Kraftfahrzeuge (TCMV) der EU.
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Die Schweden hatten ihre Bedenken bereits Anfang Mai schriftlich bei der EU-Kommission hinterlegt. Am 4. Juni folgte ein Treffen mit Tesla-Vertretern und der niederländischen Zulassungsbehörde RDW. Das Ergebnis: Schweden will nur dann für eine EU-weite Zulassung stimmen, wenn die Tempolimit-Überschreitung deaktiviert wird. Auch Finnland und Norwegen haben sich kritisch geäußert.
Entscheidung vertagt – nationale Alleingänge möglich
Das TCMV tagt am 30. Juni zur Zukunft der Technologie. Mit einer finalen Abstimmung rechnen Beobachter an diesem Tag jedoch nicht. Für eine EU-weite Zulassung müssten mindestens 15 der 27 Mitgliedsstaaten zustimmen, die zusammen 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren.
Bis dahin gilt ein Flickenteppich nationaler Regelungen. Die Niederlande erteilten bereits im April eine vorläufige Zulassung. Auch in Litauen, Estland, Belgien und Dänemark ist die Technik erlaubt. Doch die nationalen Genehmigungen stehen unter Vorbehalt: Lehnt die EU das System ab, läuft etwa die niederländische Zulassung nach sechs Monaten aus.
Der Vorstoß kommt zu einem schwierigen Zeitpunkt für Tesla in Europa. Die Verkaufszahlen brachen 2025 deutlich ein. Dabei hatte die Konzernführung noch für den Sommer 2026 eine EU-weite Version von FSD angekündigt.
Zweifel an Teslas Sicherheitsversprechen
Die regulatorischen Hürden werden durch wachsende Skepsis gegenüber Teslas Sicherheitsdaten verstärkt. In den USA forderten die Senatoren Markey und Blumenthal kürzlich von der Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA Aufklärung über Teslas Behauptung, FSD sei deutlich sicherer als menschliche Fahrer. Ermittlungen legen nahe, dass die Zahlen geschönt sein könnten: Tesla vergleicht demnach FSD-Unfälle mit Airbag-Auslösung gegen einen breiteren Datensatz menschlicher Unfälle, der auch Bagatellschäden umfasst.
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Gegenüber europäischen Regulierern soll Tesla ähnliche Daten präsentiert haben. Das Unternehmen versprach, die Technologie könne 1,9 Millionen Verletzungen verhindern und 32.000 Leben retten – allerdings unter der Annahme, dass sämtliche Fahrzeuge sofort durch neue Tesla-Modelle ersetzt würden. Unabhängige Forscher bezeichnen diese Rechnung als irreführend.
Die niederländische RDW verteidigt derweil ihre Entscheidung. Man habe das System über 18 Monate evaluiert, 3.000 Stunden unabhängig getestet und 1.000 Testfahrten absolviert. Fast 40.000 Tesla-Fahrzeuge mit der Software seien in den Niederlanden rund 24 Millionen Kilometer ohne relevante Vorfälle gefahren. Zur Kontrolle wurde Teslas Berichtspflicht auf einen monatlichen Rhythmus verschärft.
