Terminalfix-Warnung, BSI

Terminalfix-Warnung: BSI warnt vor Schadcode über Captcha-Falle

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 16:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das BSI warnt vor Schadcode über gefälschte Captchas. Nach dem Berliner Datenabfluss steigen zudem Risiken durch Phishing und Identitätsdiebstahl.

BSI warnt vor Terminalfix-Angriffen nach Berliner Datenleck
Dunkler, minimalistischer Serverraum mit unbeleuchteten Serverschränken in einer industriellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor einer neuen Angriffswelle, die unter dem Namen „Terminalfix“ bekannt geworden ist. Nach Erkenntnissen der Behörde nutzen Angreifer dabei manipulierte Webseiten, um über vermeintliche Captcha-Abfragen Schadcode auf den Systemen der Nutzer zu installieren.

Diese Warnung erfolgt vor dem Hintergrund massiver Datenveröffentlichungen nach einem Hackerangriff auf das Berliner Landesnetz, bei dem in den vergangenen Tagen hunderte Gigabyte an sensiblen Informationen im Darknet verbreitet wurden.

Neue Angriffsmuster und erhöhte Phishing-Gefahr

Die aktuelle Warnung des BSI konkretisiert die Bedrohungslage durch die Terminalfix-Kampagne. Dabei werden Nutzer auf kompromittierte Internetseiten geleitet, auf denen sie aufgefordert werden, eine vermeintliche Sicherheitsprüfung durchzuführen.

Anstelle der üblichen Identifizierung von Bildern wird jedoch Schadsoftware in die Systeme eingeschleust. Im direkten Zusammenhang mit den Ereignissen in der Berliner Verwaltung sieht das BSI zudem eine deutlich erhöhte Gefahr für Phishing-Angriffe und Identitätsdiebstahl.

Diese Einschätzung stützt sich auf die jüngsten Veröffentlichungen der Hackergruppe Rhysida. Nachdem die Gruppe bereits am 4. September rund 1,44 Millionen Dateien mit einem Gesamtvolumen von etwa 5,8 TB aus dem Berliner Landesnetz im Darknet zugänglich gemacht hatte, folgten am 5. und 6. September weitere Datenpakete. Diese enthalten nach vorliegenden Berichten auch explizite Zugangsdaten, was die Gefahr für weitere Missbrauchsszenarien verschärft.

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Umfang und Brisanz der entwendeten Daten

Der Diebstahl der Daten war bereits Mitte August bemerkt worden. Die Ermittlungen ergaben, dass die Hackergruppe Rhysida zwischen dem 7. August und dem 12. August Zugriff auf das Berliner Landesnetz hatte. Betroffen sind insbesondere die Senatsverwaltungen für Bauen und Verkehr sowie für Stadtentwicklung und Wohnen.

Die Angreifer forderten ursprünglich ein Lösegeld in Höhe von 30 Bitcoin, was je nach Wechselkurs etwa 2 Millionen Euro oder 2,4 Millionen US-Dollar entspricht. Der Berliner Senat verweigerte die Zahlung jedoch konsequent.

Die Analyse der bisher veröffentlichten Dokumente offenbart eine erhebliche Reichweite des Vorfalls. Unter den rund 1,4 Millionen Dateien befinden sich sensible Informationen zu kritischer Infrastruktur, Personalunterlagen, Gehaltslisten sowie Lohnzettel und private Mobilfunknummern.

Besonders brisant sind Dokumente, die den Verteidigungsfall, die Bundeswehr und Rüstungsthemen betreffen. Auch Unterlagen zur Erweiterung des Kanzleramtes – insgesamt etwa 550 Dateien – sowie Daten der Feuerwehr sind Teil des Leaks.

Sogar der Bundesnachrichtendienst (BND) ist indirekt betroffen. Zwar wurden die Systeme des Geheimdienstes nicht unmittelbar gehackt, doch durch die veröffentlichten Berliner Daten ist der BND technisch exponiert und geheimschutztechnisch kompromittiert worden.

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Maßnahmen der Verwaltung und Empfehlungen für Betroffene

Als Reaktion auf die Veröffentlichung weiterer Zugangsdaten am 6. September hat die Berliner Bauverwaltung die Nutzung bestimmter Fachverfahren eingeschränkt. Zudem hat das Land Berlin eine spezielle Steuerungseinheit eingerichtet, um betroffene Personen gezielt zu kontaktieren. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner kündigte umfassende Unterstützung für die Leidtragenden des Datendiebstahls an.

Die Berliner Datenschutzbeauftragte empfahl allen potenziell Betroffenen, umgehend Passwörter zu ändern und, wo immer möglich, eine Zwei-Faktor-Authentifizierung zu aktivieren. Zudem sei eine engmaschige Überwachung von Bankkonten ratsam. Während das BKA und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) an der weiteren Aufarbeitung beteiligt sind, prüft die Bundesregierung derzeit die eigenen Systeme auf mögliche Kompromittierungen.

Trotz der Schwere des Vorfalls gibt es in einem Punkt Entwarnung: Die für den 20. September angesetzte Wahl in Berlin ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht von dem Datenleck betroffen.

In politischen Kreisen wird dennoch von einem datenschutzrechtlichen Super-GAU gesprochen, während IT-Experten der Berliner Verwaltung im Umgang mit der Netzwerksicherheit grobe Fahrlässigkeit vorwerfen. Das BSI setzt die Auswertung der geleakten Datenbestände fort.

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