TENNO, Bundesländer

TENNO: Zwei Bundesländer bauen Telemedizin-Netz für alle Kliniken

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 17:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wollen ihre Kliniken digital verbinden. Der Förderantrag ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen.

TENNO: Norddeutsche Länder planen gemeinsames Telemedizin-Netz
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Krankenhausflur in Norddeutschland ohne Personen oder Beschilderung. Illustration mit AI erstellt.

Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein haben eine Absichtserklärung zum Aufbau eines länderübergreifenden Telemedizin-Netzes unterzeichnet. Das Projekt mit dem Namen TENNO – Telemedizin-Netz Nord-Ost – soll die stationäre Versorgung beider Bundesländer digital vernetzen und gilt als eines der umfassendsten Vorhaben dieser Art im norddeutschen Raum.

Unterzeichnet wurde der Letter of Intent von den zuständigen Ministerinnen und Ministern Drese und von der Decken sowie von den Krankenhausgesellschaften beider Länder, der Unimedizin Rostock und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH).

Stufenweiser Aufbau mit klinischem Schwerpunkt

TENNO soll zunächst im stationären Bereich starten, bevor in einer späteren Phase auch die ambulante Versorgung sowie der Rettungsdienst eingebunden werden. Koordiniert wird das Netz von den beiden Universitätskliniken UKSH und Uniklinik Rostock.

Bemerkenswert ist der Anspruch auf Flächendeckung: Alle Kliniken beider Länder sollen unabhängig von ihrer Trägerschaft verbindlich in das Netz einbezogen werden – ein Novum gegenüber bislang eher punktuellen Telemedizin-Kooperationen einzelner Häuser.

Als erste konkrete Anwendungsfelder sind die Kinder- und Jugendmedizin sowie die Not- und Unfallversorgung vorgesehen. Gerade in diesen Bereichen fehlt es in ländlichen Regionen häufig an spezialisierter Facharztkompetenz vor Ort, sodass eine digitale Anbindung an Zentren wie Rostock oder Kiel/Lübeck Versorgungslücken schließen könnte.

Finanzierung über den Krankenhaustransformationsfonds

Für die Umsetzung ist ein Antrag beim Bundesamt für Soziale Sicherung im vierten Quartal 2026 geplant. Die eigentliche Umsetzung soll ab 2027 erfolgen, finanziert werden soll das Vorhaben aus Mitteln des Krankenhaustransformationsfonds. Damit reiht sich TENNO in eine Reihe von Projekten ein, die im Zuge der Krankenhausreform auf digitale Vernetzung setzen, um Versorgungsstrukturen trotz Bettenabbau und Spezialisierung aufrechtzuerhalten.

Anzeige

Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein bauen mit TENNO ein Telemedizin-Netz, in das alle Kliniken beider Länder unabhängig von ihrer Trägerschaft verbindlich einbezogen werden sollen. Für Klinik-IT und Vorstände heißt das: Wer jetzt die eigene Anbindungsfähigkeit prüft, ist beim Umsetzungsstart 2027 vorbereitet. Kostenlosen Praxisleitfaden zur Klinikvernetzung anfordern

Borchmann bezeichnete TENNO als Gamechanger für die stationäre Versorgung – eine Einschätzung, die die hohen Erwartungen an das Projekt unterstreicht, auch wenn die konkrete Umsetzung erst in den kommenden Jahren erfolgen wird.

Einordnung in die bundespolitische Digitalisierungsdebatte

Das norddeutsche Vorhaben fällt in eine Phase, in der die digitale Gesundheitsversorgung auch auf Bundesebene intensiv diskutiert wird. Die Ausschüsse für Gesundheit und Inneres im Bundesrat kritisierten die Umsetzungsfristen des Gesundheitsdaten- und Digitalisierungsgesetzes (GeDIG): Der Notfallzugriff auf Patientendaten soll demnach erst zum 1. Januar 2030 möglich sein, die häusliche Krankenpflege zum 1. September 2028, die Heilmittelverordnung zum 1. Juni 2029 und die elektronische Überweisung zum 1. September 2029. Die Ausschüsse fordern, diese Fristen zu verkürzen.

Zudem wird kritisiert, dass die geplante digitale Bedarfseinschätzung Primärversorgungsstrukturen voraussetze, für die es bislang keine gesetzliche Grundlage gebe; die Laufzeit vorgesehener Reallabore solle auf fünf Jahre begrenzt werden.

Parallel dazu plant die Bundesregierung, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Die Bundesärztekammer warnte vor einer zusätzlichen Belastung der Praxen durch diesen Schritt.

Anzeige

Der Antrag beim Bundesamt für Soziale Sicherung ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen, die Umsetzung ab 2027 — finanziert aus dem Krankenhaustransformationsfonds. Kliniken, die ihren Fördermittel-Antrag jetzt vorbereiten, verschaffen sich einen zeitlichen Vorsprung gegenüber dem Klinikverbund. Checkliste Fonds-Antrag jetzt sichern

Wie stark digitale Angebote bereits genutzt werden, zeigt das Beispiel des Anbieters DoktorABC: Nach Angaben von COO Barnan können Anbieter derzeit täglich Hunderte, nicht aber Tausende Patienten versorgen, während die Abrufzahlen der Webseite in der Ankündigungswoche um etwa 20 Prozent stiegen. Fachleute weisen zugleich darauf hin, dass Telemedizin eine körperliche Untersuchung nicht ersetzen kann.

Gegen diesen bundespolitischen Hintergrund erscheint TENNO als regionaler Versuch, digitale Vernetzung nicht additiv, sondern strukturell und verbindlich für ganze Klinikverbünde zweier Bundesländer umzusetzen – mit einem klaren Zeitplan über Antragstellung im laufenden Jahr und Umsetzungsbeginn 2027.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70112082 |