Temple für 85.000 Rupien: Ärzte zweifeln an den Hirnblutfluss-Messwerten
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 12:12 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer indische Unternehmer Deepinder Goyal hat am 5. November 2026 das neu vorgestellte Wearable namens Temple gegen massive Kritik aus der medizinischen Fachwelt verteidigt.
Angesichts von Zweifeln an der wissenschaftlichen Validität der erhobenen Messwerte betonte Goyal, dass es sich bei Temple um einen Fitness- und Wellness-Tracker und nicht um ein Medizinprodukt handele. Eine vollständige klinische Validierung sämtlicher Messwerte stehe zwar noch aus, solle jedoch nachgereicht werden.
Mediziner äußern erhebliche Zweifel an Messmethodik
Zuvor hatten mehrere Mediziner die Funktionsweise des Geräts scharf kritisiert. Dr. Sudhir Kumar und Dr. Navin Gnanasekaran von den Apollo Hospitals in Chennai bezweifelten die Validität der Daten.
Da der Sensor über der oberflächlichen Temporalarterie, einem Ast der äußeren Halsschlagader, angebracht werde, lasse sich damit keine Aussage über den tatsächlichen Hirnblutfluss treffen. Zudem seien bisherige Studien nicht durch ein Peer-Review-Verfahren geprüft und teils vom Hersteller selbst finanziert worden.
Dr. Cyriac Abby Philips bezeichnete das Projekt öffentlich als Betrug und wissenschaftliche Täuschung. Der extrakranielle Sensor messe lediglich die Durchblutung von Gesicht und Kopfhaut.
Zudem verwies Philips auf Temples Wissenschaftsleiter Avi Roy, der die fehlende Validierung von Metriken wie BrainFlow und Entropy sowie methodische Schwächen und Vorwürfe manipulierter Daten in Vorabveröffentlichungen einräume. Auch eine Studie zur Herzfrequenz sei firmenfinanziert und weise kein Peer-Review auf.
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Weitere Mediziner äußerten ähnliche Bedenken. Dr. Praveen Gupta vom Marengo Asia International Institute of Neuro and Spine erläuterte, dass Messungen an der Schläfe die Durchblutung tieferer Hirnareale nicht abbilden könnten, da ein optischer Sensor Hirn- und Hautsignale nicht sauber trenne.
Zwar weise eine interne Auswertung zur Herzfrequenz mittlere Fehler von 1,5 Schlägen pro Minute in Ruhe und 0,9 Schlägen bei hoher Belastung aus, dies bedürfe jedoch externer Prüfung.
Dr. Sandeep Nayani von den Apollo Hospitals verwies auf eine vorläufige Untersuchung mit 23 gesunden Erwachsenen, die den Brain Flow Index mit transkranieller Dopplersonographie verglich: Diese erfasse zwar Flussgeschwindigkeitsänderungen, liefere aber keine Belege für die absolute Hirndurchblutung.
Dr. Neha Pandita vom Fortis Hospital Noida gab zu bedenken, dass ein Sensor kein EEG ersetze und Scores für Stress algorithmische Annäherungen blieben.
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Hohe Investitionen und geplante Auslieferung
Temple wird seit dem 1. November 2026 zu einem Preis von 85.000 Rupien – umgerechnet rund 900 bis 1.000 US-Dollar – zur Vorbestellung angeboten. Die handgefertigte Produktion soll eine Auslieferung etwa drei Monate nach Kauf ermöglichen, mit einem Beginn Anfang 2027. Der pillenförmige Sensor wird per Klebepad zwei bis drei Tage an der Schläfe getragen und erfasst neben Schritten, Schlaf und Herzfrequenz auch optische Hirnblutflusswerte sowie einen Entropiewert auf einer Skala von 1 bis 250.
Goyal wies die Vorwürfe zurück und kündigte an, Vorabpublikationen bereitzustellen sowie unabhängige Studien zu unterstützen. Er bezifferte die Entwicklungskosten auf 30 Millionen US-Dollar, darunter 20 Millionen US-Dollar aus eigenem Vermögen – beziehungsweise 282,55 Crore Rupien an Gesamtkosten mit mehr als 188 Crore Rupien Eigenmitteln.
Zudem verwies er auf ein 14-tägiges Rückgaberecht und seinen Rücktritt vom Chefposten bei Eternal, um sich voll auf Temple zu konzentrieren. Dr. Rishabh Jain vom AIIMS Delhi hielt dem entgegen, dass hohe Summen oder Rückgaberechte keine Belege für wissenschaftliche Genauigkeit seien; Mediziner forderten Evidenz, bevor weitreichende Behauptungen aufgestellt würden.
