Telepressure, Hälfte

Telepressure: Hälfte aller Arbeitnehmer unter ständigem Antwortdruck

20.06.2026 - 22:12:46 | boerse-global.de

Studie belegt: 81 Prozent checken stündlich das Smartphone. Experten warnen vor steigenden psychischen Erkrankungen durch Dauerstress.

Telepressure: Ständige Erreichbarkeit belastet Beschäftigte massiv
Telepressure - Eine Hand greift nach einem leuchtenden Smartphone auf einem Schreibtisch in einem dunklen Büro, was ständigen Arbeitsdruck symbolisiert. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Besonders Messenger wie Microsoft Teams setzen Beschäftigte unter Druck: Die meisten Nutzer antworten innerhalb von 15 Minuten.

Das Phänomen ist längst kein Randproblem mehr. Eine repräsentative Umfrage der IU Internationalen Hochschule Erfurt unter 2.000 Personen zeigt: 81 Prozent checken ihr Smartphone mindestens einmal pro Stunde. Bei den 16- bis 30-Jährigen sind es sogar 90,6 Prozent.

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Angst, etwas zu verpassen

Fast die Hälfte der jungen Erwachsenen leidet unter FOMO (Fear of Missing Out) – der Angst, wichtige Informationen zu verpassen. Mehr als jeder zweite Befragte (56,2 Prozent) fühlt sich unter Druck gesetzt, zeitnah zu antworten.

Die Folgen sind alarmierend. Experten warnen vor Schlafstörungen, erhöhtem Burnout-Risiko und fehlender Erholungsfähigkeit. Die Krankenkassen liefern harte Zahlen: Die Barmer verzeichnete 2025 in Rheinland-Pfalz durchschnittlich 22,5 Krankheitstage pro Erwerbsperson. Psychische Probleme waren mit 4,7 Tagen eine Hauptursache.

Die DAK-Gesundheit registrierte einen Anstieg psychischer Erkrankungen um 6,9 Prozent auf 366 Fehltage je 100 Versicherte.

Homeoffice als Risikofaktor

Eine im Fachmagazin Science veröffentlichte Harvard-Studie zeigt: Bis zu einem Drittel des Anstiegs psychischer Belastungen seit der Pandemie hängt mit Remote-Arbeit zusammen. Besonders gefährdet sind Alleinlebende, die vollständig von zu Hause arbeiten. Fehlende soziale Kontakte führen zu mehr Arztbesuchen und höherem Antidepressiva-Konsum.

Dabei bringt ständige Beschäftigung nicht einmal mehr Produktivität. Eine Studie der City St George’s University of London mit 51.000 Beschäftigten in 36 Ländern belegt: Übermäßige Überstunden schaden der Karriere eher. Die tatsächliche Konzentrationsspanne? Nur zwei Stunden und 53 Minuten pro Acht-Stunden-Tag.

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Weniger Arbeit, mehr Leistung

Pilotprojekte zur Arbeitszeitverkürzung liefern erstaunliche Ergebnisse. Microsoft Japan testete im August 2019 die Vier-Tage-Woche – die Produktivität stieg um 40 Prozent. Das neuseeländische Unternehmen Perpetual Guardian verzeichnete 2018 eine Steigerung von 20 Prozent bei gleichzeitig besserer Work-Life-Balance.

Neue Regeln für die Arbeitszeit

Die Politik reagiert. Ein Referentenentwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales plant, die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche Grenze von 48 Stunden zu ersetzen. Die Flexibilisierung soll vorrangig für Betriebe mit Tarifbindung gelten. Gewerkschaften wie die komba begrüßen die elektronische Arbeitszeiterfassung, kritisieren aber die Aufweichung täglicher Schutzstandards.

Technik gegen oder für den Stress?

Microsoft führt im Juni 2026 eine neue Teams-Funktion ein: „Workplace Check-in“ erkennt per WLAN, ob Mitarbeiter im Büro sind. Das Feature ist standardmäßig deaktiviert und benötigt die Zustimmung des Betriebsrats – ein Zugeständnis an den deutschen Datenschutz.

Während Frankreich bereits ein gesetzliches „Recht auf Nichterreichbarkeit“ verankert hat, setzen deutsche Institutionen auf Prävention. Die DAK-Gesundheit hat für 2026 einen Förderpreis für digitales betriebliches Gesundheitsmanagement ausgeschrieben. Gesucht werden innovative Konzepte für eine gesündere digitale Arbeitswelt.

de | wissenschaft | 69593069 |