TelePIN: Telemedizin für schwerkranke Kinder in 24 Kliniken
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 19:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Medizinische Hochschule Hannover hat das telemedizinische Versorgungsprojekt TelePIN in den Regelbetrieb überführt. Nach einer rund zweijährigen Testphase soll das System die intensivmedizinische Versorgung von schwer erkrankten Kindern in Niedersachsen und Bremen flächendeckend verbessern.
Über die Plattform können Spezialisten der Universitätsklinik Patientinnen und Patienten in 24 angeschlossenen Kinderkliniken beider Bundesländer konsiliarisch aus der Ferne mitbehandeln.
Digitale Vernetzung über Hightech-Arbeitsplätze
Das von der MHH entwickelte digitale Versorgungssystem kombiniert audiovisuelle Kommunikationstechnologie mit einem Patienten-Daten-Management-System (PDMS). Dies ermöglicht einen kontinuierlichen Datenaustausch sowie den direkten fachlichen Kontakt zwischen den beteiligten Einrichtungen.
Fachleute der MHH schalten sich dafür aus einer spezialisierten Hightech-Zentrale direkt in die Behandlungszimmer der Partnerkliniken ein. Zum Einsatz kommen fernsteuerbare, hochauflösende Kameras sowie Systeme zur Echtzeitübertragung medizinischer Parameter wie der Herzfrequenz oder von Ultraschallaufnahmen.
Der leitende Oberarzt Michael Sasse stufte ein Netzwerk dieser Größenordnung, das einen derart intensiven Datenaustausch auf diesem Niveau gewährleistet, als weltweit einmalig ein.
Entlastung bei Engpässen in der Kinderintensivmedizin
Hintergrund des Projekts sind strukturelle Engpässe in der pädiatrischen Notfall- und Intensivversorgung. Von den insgesamt 29 Kinderkliniken in Niedersachsen verfügen lediglich vier über eine eigene pädiatrische Intensivstation.
Von 29 Kinderkliniken in Niedersachsen haben nur vier eine eigene pädiatrische Intensivstation — und wegen Personalmangels lässt sich dort nur rund die Hälfte der Betten betreiben. Der kostenlose Leitfaden zeigt in drei Schritten, wie Sie Ihr PDMS telemedizinisch anbinden und Fördermittel beantragen. Leitfaden zur Telemedizin-Integration jetzt anfordern
Infolge des Mangels an Fachpersonal kann dort gegenwärtig nur rund die Hälfte aller vorhandenen Kinderintensivbetten betrieben werden. Die telemedizinische Anbindung soll ermöglichen, dass betroffene Kinder in vielen Fällen wohnortnah in der Erstversorgungsklinik verbleiben können, ohne Abstriche bei der Behandlungsqualität hinnehmen zu müssen.
Finanziell abgesichert wird der Ausbau durch Mittel aus dem Strukturfonds II. Geplant ist, 15 niedersächsische Kinderkliniken mit insgesamt rund sechs Millionen Euro für die notwendige telemedizinische und digitale Ausstattung zu fördern. Die Finanzierung teilen sich der Bund und das Land Niedersachsen mit jeweils rund drei Millionen Euro zu gleichen Teilen.
Langfristige Erweiterung des Netzwerks geplant
Das Vorhaben baut auf gewachsenen Strukturen auf: Das sogenannte PIN-Netzwerk umfasst 25 Kinderkliniken in Niedersachsen und Bremen und existiert bereits seit mehr als 20 Jahren. Die an der MHH angesiedelte Arbeitsgruppe, die das Projekt technisch und organisatorisch steuert, umfasst 15 Personen und besteht seit 2022.
Rettungsdienste und niedergelassene Kinderärzte sollen künftig in die digitale Versorgungskette eingebunden werden — wer jetzt keine tragfähige PDMS-Anbindung hat, verliert den Anschluss. Die Checkliste führt Sie durch Schnittstellen, Echtzeit-Parameter und Datenaustausch. PDMS-Anbindungs-Checkliste jetzt sichern
Perspektivisch soll das TelePIN-Netzwerk weiter ausgebaut werden. Angestrebt wird der lückenlose Anschluss sämtlicher Kinderkliniken in Bremen und Niedersachsen sowie die Ausweitung auf angrenzende Regionen. Zudem sollen künftig auch Rettungsdienste und niedergelassene Kinderärzte in die digitale Infrastruktur eingebunden werden, um eine kontinuierliche Versorgungskette von der Erstdiagnose bis zur Intensivtherapie zu gewährleisten.
