Telemonitoring, Herzinsuffizienz

Telemonitoring bei Herzinsuffizienz: Praxen müssen binnen 48 Stunden reagieren

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Telemedizin unterstützt Herzpatienten aus der Ferne; Kliniken bauen digitale Medikationssysteme aus und neue Projekte fördern Pflege zu Hause.

Digitale Medizin: Telemonitoring, sichere Medikation und neue Pflegehilfen
Ein helles, ruhiges Wohnzimmer mit einem bequemen Sessel und Blick ins Grüne durch ein großes Fenster. Illustration mit AI erstellt.

Ein Forschungsprojekt der Uniklinik Halle setzt auf digitale Instrumente und Telemedizin, um die Versorgung von Herz-Kreislauf-Patienten grundlegend zu unterstützen. Medizinisches Fachpersonal sowie Pflegekräfte können dabei aus der Ferne sowohl die Medikamenteneinnahme als auch den allgemeinen Gesundheitszustand der Betroffenen überwachen.

Ziel dieser digitalen Begleitung ist es, Kosten im Gesundheitssystem zu senken und den Patienten ein längeres, selbstbestimmtes Leben in ihrer gewohnten Umgebung zu ermöglichen.

Telemonitoring und kardiologische Diagnostik

Die Bedeutung digitaler Anwendungen wurde auch im Rahmen der DGK-Herztage 2026 erörtert. Dort standen insbesondere künstliche Intelligenz (KI) und Wearables im Fokus, die zur Erkennung von Herzauffälligkeiten beitragen. Fachleute wiesen darauf hin, dass die Zuständigkeiten für die anschließende Prüfung, Diagnose und Behandlung häufig noch nicht abschließend geklärt seien.

Für das Telemonitoring bei Herzinsuffizienz gelten bereits feste Vorgaben: Praxen sind verpflichtet, den Eingang von Messwerten innerhalb von 48 Stunden zu bestätigen und entsprechende Rückmeldungen über eingeleitete Maßnahmen zu geben.

Ergebnisse der Studie TIM-HF2 belegen, dass Patienten in Städten und im ländlichen Raum gleichermaßen von solchen Systemen profitieren, wobei der Nutzen bei einer größeren räumlichen Distanz zur kardiologischen Praxis besonders deutlich ausfällt.

Eine Folgestudie unter der Bezeichnung TIM-HF4 wird diese Entwicklungen weiter untersuchen und ist bis Juli 2028 angesetzt. Ergänzend dazu ermöglichen neue Versorgungsmodelle, wie etwa in Sondershausen seit September 2026, telemedizinischen Rat direkt nach einem Augencheck beim Optiker einzuholen, was Facharztwartezeiten reduzieren kann.

Ab November 2026 soll zudem das Städtische Klinikum Dessau als Standort für ein psychosomatisches Telekonsil der Universitätsmedizin Magdeburg fungieren, um spezialisierte Expertise ortsunabhängig verfügbar zu machen.

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Strategien für die Arzneimittelsicherheit und Robotik

Ein zentraler Aspekt der digitalen Transformation ist die Erhöhung der Patientensicherheit bei der Medikation. Die Helios-Kliniken setzen hierfür auf ein System namens Closed-Loop-Medication-Management (CLMM). Dieses umfasst die digitale Verordnung, die pharmazeutische Prüfung sowie eine individuelle Verblisterung der Medikamente.

Ein entscheidender Schritt ist der Scan von Patientenarmband und Medikamentenbeutel unmittelbar am Krankenbett, um Verwechslungen auszuschließen und die Gabe rechtssicher zu dokumentieren.

Nachdem das Konzept bereits an zwei Standorten erprobt wurde, folgt nun der Roll-out in weiteren zwölf Kliniken. Bis Ende 2027 soll das System flächendeckend an allen rund 80 Helios-Standorten in Deutschland zum Einsatz kommen.

In der Langzeitpflege gewinnt neben der digitalen Dokumentation auch die Hardware an Bedeutung. Der Pflegeforscher Patrick Jahn prognostiziert, dass der Einsatz von Robotik im häuslichen Umfeld in den nächsten fünf bis zehn Jahren deutlich zunehmen wird. Er betonte, dass Technik zwar Angehörige entlasten und die Prävention durch Sensoren verbessern könne, die persönliche menschliche Nähe jedoch nicht ersetzen werde.

In Pirmasens untersuchen die Projekte „Lebensraum“ und „Heimvorteil“ derzeit, wie digitale Hilfen in Kombination mit lokalen Pflegeteams den Verbleib in der eigenen Wohnung sichern können. Diese Forschung wird vom Land Rheinland-Pfalz und den Pflegekassen mit jährlich 300.000 Euro je Projekt gefördert; Ergebnisse werden für Ende 2027 erwartet.

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Barrieren beim digitalen Zugang und internationale Beispiele

Trotz des technologischen Fortschritts bestehen weiterhin Hürden beim Zugang zu digitalen Gesundheitsdiensten. In Österreich verdeutlichte ein Fall der ELGA-Ombudsstelle im Burgenland aus dem September 2024, dass Vorsorgebevollmächtigte oft keinen digitalen Zugriff auf Patientenplattformen erhalten, da das System solche Vollmachten nicht berücksichtigt.

Hier sei eine gesetzliche Neuregelung erforderlich. Auch die Infrastruktur und die digitale Kompetenz der Zielgruppen spielen eine Rolle. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2025 hatten gut 3 % der 16- bis 74-Jährigen in Deutschland noch nie das Internet genutzt, wobei dieser Anteil bei den 65- bis 74-Jährigen bei 10 % lag.

Um diese Lücken zu schließen, initiiert etwa die Stadt Frankfurt ab Oktober 2026 ein Förderprogramm, bei dem Senioren ab 65 Jahren unter bestimmten sozialen Voraussetzungen einen Zuschuss von 250 Euro für die Anschaffung von Laptops oder Tablets erhalten können. Begleitend dazu existieren in Hessen bereits über 680 Di@-Lotsen an 80 Stützpunkten, die ältere Menschen im Umgang mit Technik schulen.

Ein Blick nach Spanien zeigt das Potenzial skalierbarer Lösungen: Das Telepflegeprogramm des Servicio Andaluz de Salud (SAS) verzeichnete bis Ende Juli 2026 insgesamt 19.588 Betreuungen. Die Zahl der teleüberwachten Patienten hat sich dort im Vergleich zu den Anfangsphasen mehr als vervierfacht, wobei ein Großteil der instabilen chronisch Kranken proaktiv kontaktiert wird, um Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.

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de | wissenschaft | 70190207 |