Telefonbetrug: Betrüger geben sich als Ärzte aus, um Senioren zu täuschen
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 19:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kriminelle Netzwerke setzen verstärkt auf psychologischen Druck, um Senioren um ihr Vermögen zu bringen. Aktuellen Berichten zufolge nutzen Betrüger vermehrt die Identität von Ärzten oder Behördenvertretern, um in sogenannten Schockanrufen Bargeld und Wertsachen zu fordern. Die Polizei warnt vor einer Häufung dieser Fälle in verschiedenen Bundesländern sowie im grenznahen Raum.
Masche mit Krankenhausgeräuschen und teuren Medikamenten
Die Polizei Münster berichtet über eine Vorgehensweise, bei der sich die Täter am Telefon als medizinisches Personal ausgeben. Dabei wird den Opfern suggeriert, ein naher Angehöriger sei schwer erkrankt und benötige umgehend ein teures Medikament aus dem In- oder Ausland.
Um die Glaubwürdigkeit der vorgetäuschten Notlage zu erhöhen, werden im Hintergrund des Telefonats gezielt Krankenhausgeräusche abgespielt. Ziel dieser Manipulation ist es, die Übergabe von Bargeld oder wertvollem Schmuck an Abholer zu erwirken.
Ähnliche Vorfälle ereigneten sich Mitte September in Oberhausen. Dort übergab eine 92-jährige Frau am 14. September 2026 Schmuck an einen unbekannten Mann, nachdem ihr am Telefon ein angeblicher Arzt von einer Krankenhausbehandlung ihrer Tochter berichtet hatte.
Nur einen Tag später, am 15. September 2026, wurde eine 90-jährige Frau Opfer einer vergleichbaren Tat. Ein vermeintlicher Enkel gab vor, sich in der Schweiz zu befinden und aufgrund einer schweren Erkrankung ein kostspieliges Präparat aus den USA zu benötigen. In beiden Fällen waren die Geldabholer etwa 170 cm groß.
Falsche Polizeibeamte fordern Kautionen und Bankdaten
Neben der Mediziner-Masche treten Betrüger weiterhin massiv als Polizeibeamte oder Bankmitarbeiter auf. Die Polizei Mittelhessen verzeichnet aktuell eine Häufung solcher Anrufe mit einem Schwerpunkt im Landkreis Gießen.
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In Greven wurde am 14. September 2026 ein Senior Opfer eines stundenlangen Telefonbetrugs. Ein falscher Polizist drängte ihn dazu, seine Bankkarte samt PIN sowie Bargeld zur Abholung bereitzulegen. Am Folgetag stellte das Kreditinstitut eine unberechtigte Abbuchung in mittlerer dreistelliger Euro-Höhe fest.
Auch in Bückeburg kam es am 15. September 2026 zu mehreren versuchten Taten durch eine angebliche Polizeibeamtin. Diese erkundigte sich unter dem Vorwand festgenommener Einbrecher nach den Vermögensverhältnissen der Angerufenen. Da die Betroffenen misstrauisch blieben, entstand in diesen Fällen kein finanzieller Schaden.
Massive Schadenssummen und polizeiliche Fahndung
Das Ausmaß des Schadens durch Telefonbetrug verdeutlichen Zahlen des Polizeipräsidiums Konstanz. Für das Jahr 2025 wurden im dortigen Zuständigkeitsbereich 52 Anrufstraftaten mit einer Schadenssumme von 1,7 Millionen Euro registriert, was einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Bei grenzüberschreitenden Taten aus dem Ausland belief sich der Schaden im selben Zeitraum auf rund zwei Millionen Euro bei insgesamt 431 Fällen, darunter 329 Schockanrufe.
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Das Bezirkspolizeikommando Mödling warnt in diesem Zusammenhang zusätzlich vor der Masche des „Love Scam“, bei der über längere Zeit eine Liebesbeziehung vorgetäuscht wird, um finanzielle Notlagen zu inszenieren und Echtzeitüberweisungen zu fordern.
Zur Aufklärung früherer Taten setzt die Polizei auch auf Öffentlichkeitsfahndungen. Die Polizei Hannover sucht derzeit nach einem etwa 1,60 m großen, schlanken Mann im Alter zwischen 40 und 50 Jahren. Dieser steht im Verdacht, am 17. Juni 2026 in Lehrte rund 100.000 Euro von einem 87-Jährigen erbeutet zu haben. Dem Opfer war zuvor am Telefon weisgemacht worden, seine Tochter benötige nach einem Verkehrsunfall eine Kaution.
Empfehlungen der Ermittlungsbehörden
Polizei und Kriminalexperten raten dringend dazu, bei verdächtigen Anrufen sofort aufzulegen. Es sollten niemals Angaben zu finanziellen Verhältnissen, Kontodaten oder PIN-Nummern gemacht werden. Angehörige sollten ausschließlich über die bereits bekannten Telefonnummern kontaktiert werden, um den Sachverhalt zu prüfen.
Die Polizei betont, dass Behörden niemals die Übergabe von Wertsachen oder Bargeld am Telefon fordern oder zur Hinterlegung von Bankkarten aufrufen. Im Verdachtsfall sollte umgehend der Notruf 110 oder in Österreich 133 gewählt werden.
