Telefonbetrug: Bankkarten-Abholung und Smartphone-App gefährden Konten
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 20:15 Uhr | Redaktion boerse-global.deKriminelle geben sich am Telefon vermehrt als Bankmitarbeiter aus, um Kontoinhaber zur Preisgabe vertraulicher Zugangsdaten oder zur Ausführung schädlicher Handlungen am Smartphone zu bewegen. Aktuelle Fälle und behördliche Warnungen verdeutlichen das Spektrum dieser Betrugsmasche, das von der Abholung physischer Zahlungskarten an der Haustür bis hin zu manipulierten Mobiltelefonfunktionen reicht.
Vorfälle in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Bayern
In Dingelstädt gab ein unbekannter Täter am 23. Oktober 2026 telefonisch vor, die Bankkarte einer 90-jährigen Frau sei abgelaufen und müsse vor Ort abgeholt werden. Im Gespräch brachte der Anrufer die Seniorin dazu, ihre persönliche Identifikationsnummer (PIN) zu nennen.
Gegen 15:30 Uhr erschien ein mit einem weißen Hemd und einer schwarzen Hose bekleideter Mann an der Wohnanschrift und nahm die Karte entgegen. Wie die Sparkasse mitteilte, kam es in der Folge bereits zu ersten unbefugten Geldabhebungen, bevor Angehörige das Zahlungsmittel sperren ließen.
Die Polizeiinspektion Eichsfeld bittet unter dem Aktenzeichen ST/0272018/2026 um Hinweise und betont, dass Kreditinstitute weder abgelaufene Karten an der Wohnungstür abholen noch jemals die PIN erfragen.
Einen ähnlichen Fall verzeichneten die Behörden am 21. Oktober 2026 in Genthin. Dort erhielt ein Betroffener gegen 14:30 Uhr den Anruf eines vermeintlichen Bankmitarbeiters. Wenig später erschien ein Komplize an der Wohnadresse und gab sich als Kriminalpolizist aus. Der Täter entwendete eine im Flur abgelegte Zahlungskarte samt zugehöriger PIN.
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Kurz darauf hoben die Kriminellen an einem Geldautomaten der Sparkasse in Genthin mehrere tausend Euro ab, der entstandene Gesamtschaden liegt im unteren vierstelligen Bereich. Die Ermittler weisen darauf hin, dass weder Polizeibeamte noch Bankangestellte jemals Bargeld, Wertgegenstände oder Zahlungskarten zur Überprüfung einfordern.
In Bayern registrierte die Polizeiinspektion Bad Kötzting gehäufte Anrufe von Callcenter-Betrügern im Bereich des Altlandkreises. Die Anrufer traten als Mitarbeiter der Raiffeisenbank Bad Kötzting auf mit dem Ziel, Zugangsdaten zu Online-Banking-Konten abzugreifen.
Digitale Manipulationsversuche und hohe Schadenssummen
Neben dem Abholen physischer Karten setzen Betrüger zunehmend auf technische Manipulationen über Mobiltelefone. Die niederländische Polizei warnt vor einer Masche, bei der Anrufer ihre Opfer zur Installation einer betrügerischen Anwendung überreden und diese auffordern, die eigene Zahlungskarte an das Smartphone zu halten.
Über die Software wird das Funksignal der Karte an ein anderes Gerät weitergeleitet. Dadurch können Komplizen an Geldautomaten Abhebungen vornehmen, ohne die physische Karte in den Händen zu halten.
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Welche finanziellen Dimensionen der Telefonbetrug durch angebliche Bankvertreter annehmen kann, zeigen europäische Schadenszahlen. In Dänemark entstand durch gefälschte Bankanrufe im Jahr 2025 ein schaden von 45,9 Millionen Kronen.
In Finnland erbeuteten Täter durch Anrufe im Namen von Behörden und Banken im September 2026 im Zuständigkeitsbereich der Polizei Itä-Suomi über 300.000 Euro, wobei ein Teil der transferierten Summen im Nachgang sichergestellt oder erstattet werden konnte.
Ermittler raten grundsätzlich dazu, Zahlungs- oder Datenaufforderungen unangekündigter Anrufer stets abzulehnen und Transaktionswünsche ausschließlich über die offiziellen Kontaktdaten des jeweiligen Finanzinstituts zu überprüfen.
