Telefonbetrug, Bankmitarbeitenden

Telefonbetrug: 86% der Bankmitarbeitenden kennen Betrugsopfer

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 16:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Polizei und Kommunen informieren Senioren über Telefonbetrug, digitale Risiken und Sicherheit im Alltag; mehr als 600 Bankmitarbeitende wurden geschult.

Polizei stärkt Schutz älterer Menschen vor Betrugsmaschen
Ein heller, ruhiger Flur in einem öffentlichen Gebäude mit Holzbänken und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Bundesweit richten Polizeidienststellen und Kommunen derzeit Veranstaltungsreihen und Aktionstage aus, die ältere Menschen vor Kriminalität und Betrugsmaschen im Alltag schützen sollen.

Von Bielefeld über Frankenthal bis nach Jena entstehen parallel Informationsangebote, die von digitaler Sicherheit über Einbruchschutz bis zu Verkehrssicherheit reichen. Der Ansatz ist dabei regional unterschiedlich, das Ziel jedoch gleich: Senioren sollen gängige Betrugsmuster erkennen und sich wirksam davor schützen.

Veranstaltungsreihen mit mehreren Terminen

In Bielefeld startet die Polizei eine mehrteilige Reihe für Seniorinnen und Senioren. Der Auftakt am 15. Oktober 2026 widmet sich der digitalen Welt, referiert von Bianca Post. Am 4. November 2026 folgt ein Termin zu Betrugsmaschen mit Referent Dirk Trümper.

Im neuen Jahr schließen sich am 13. Januar 2027 sowie am 20. beziehungsweise 27. Januar 2027 zwei Veranstaltungen zum Einbruchschutz an, die zweite in der Markgrafenstraße 7 in Bielefeld. Die Anmeldung läuft über die Volkshochschule.

Auch in Jena entsteht ein längerfristiges Format: Das Seniorenbüro Jena und die EEBT starten ab dem 1. Oktober 2026 die kostenfreie Reihe „Ruhestand im Blick“, donnerstags von 16:30 bis 18:00 Uhr in den Erlenhöfen 4. Sieben Termine behandeln Wohnen, Vorsorge, Pflege und Ehrenamt; am 5. November 2026 findet abweichend von 15:00 bis 17:00 Uhr eine Führung über den Nordfriedhof statt. Anmeldungen nimmt das Seniorenbüro telefonisch entgegen.

Einzelveranstaltungen und Aktionstage

In Frankenthal lädt die Polizei Rheinpfalz am 22. September 2026 zum Vortrag „Im Zweifel – Auflegen! Betrugsmaschen am Telefon“ in die Stadtbücherei ein, begleitet von einem Informationsstand mit Sicherheitsberatenden, Polizeikräften und Bezirksbeamten von 10 bis 13 Uhr.

Die Verkehrswacht Vulkaneifel und die Polizei Daun organisieren am 26. September 2026 in Gerolstein den Senioren-Aktionstag „Sicher unterwegs“ mit Vorträgen und praktischen Fahrübungen; Anmeldeschluss war der 22. September 2026. In Halver hatte die Stadt zusammen mit der Polizei Märkischer Kreis bereits am 16. September eine Veranstaltung zur Mobilität im Alter im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche ausgerichtet, mit Themen wie Sichtbarkeit als Fußgänger, Rollator-Handling und Fahrsicherheitstraining.

Der Kreisseniorenbeirat Elbe-Elster veranstaltete im Refektorium Doberlug-Kirchhain einen ersten Tag der Senioren mit 14 Ausstellern zu Pflege, Vorsorge, Mobilität und Sicherheit, ergänzt um Vorträge zur ALINA-App und einen Rollatoren- und Bewegungsparcours. Eine jährliche Fortsetzung im September an wechselndem Ort ist geplant.

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In Wehrheim und Weilrod veranstalteten die Polizeidirektion Hochtaunus gemeinsam mit den Gemeinden die Präventionsveranstaltung „Mit Taktgefühl und Tatkraft“ im Bürgerhaus, begleitet vom Landespolizeiorchester Hessen.

Behandelt wurden Schockanrufe, der Enkeltrick, falsche Polizeibeamte und Haustürbetrüger – Themen, die durch einen Vorfall im Hochtaunuskreis am 15. Juli 2026 aktuellen Bezug erhielten, als drei Männer sich als Polizeibeamte ausgaben und bei einer Geldübergabe festgenommen wurden.

Warnungen vor konkreten Betrugsmaschen

Neben den Veranstaltungen häufen sich Warnhinweise zu einzelnen Betrugsformen. Das Bundeskriminalamt weist in einer Kampagne auf Schockanrufe und Accountsicherheit hin: Täter setzten Opfer mit erfundenen Unfällen, Haftstrafen oder angeblichen Einbruchsermittlungen unter Druck. Empfohlen werden ein eigenes starkes Passwort je Konto, Zwei-Faktor-Authentifizierung, Passkeys oder Passwort-Manager sowie Vorsicht bei Links in unerwarteten Nachrichten.

Die Polizei Neubrandenburg warnte vor Betrug über gehackte E-Mail-Konten. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald hatten Täter eine Rechnung über rund 14.000 Euro manipuliert; eine Kundin überwies das Geld auf eine gefälschte IBAN. Die Ermittlungen laufen wegen Ausspähens von Daten und Computerbetrug. Empfohlen wird, Empfängerdaten abzugleichen, bei IBAN-Änderungen nachzufragen und Firmenkonten mit Zwei-Faktor-Authentifizierung zu sichern.

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Die Kölner Polizei machte auf die WhatsApp-Betrugsmasche „Ghost Pairing“ aufmerksam: Kriminelle geben sich mit einem gehackten Account als Bekannter aus und bitten um den Klick auf einen Link oder das Scannen eines QR-Codes zur Geräteverknüpfung.

Verknüpft das Opfer dabei unwissentlich sein Konto mit dem Smartphone der Täter, können diese Nachrichten lesen, löschen und im Namen des Opfers chatten. Die Kriminalpolizei Köln bearbeitet dazu laufende Fälle.

In Gelnhausen zieht ein Wanderplakat mit der Botschaft „Für Schauermärchen zahle ich nichts“ durchs Stadtgebiet, um vor Schockanrufen zu warnen. Das Plakat stammt vom Polizeipräsidium Südosthessen und ist Teil der Kampagne „Tatort Telefon“. Bürgermeister Christian Litzinger und Ordnungsamtsleiter Bastian Metzler verweisen zusätzlich auf ehrenamtliche Sicherheitsberater für Senioren.

Polizei und Verbraucherschützer warnen zudem vor Betrug auf Kleinanzeigen-Portalen. Bekannte Maschen sind der erschlichene Umtausch, IBAN-Missbrauch, gefälschte Bezahlbestätigungen und abweichende Lieferadressen. Als Schutz gelten fünf Regeln: die Nutzung des Plattform-Chats, integrierte Bezahlfunktionen, Bezahldienste mit Käuferschutz, der Verzicht auf Ausweiskopien sowie Misstrauen bei zu guten Angeboten unter Zeitdruck.

Schulung von Bankmitarbeitenden als Ergänzung

Die Zentrale Prävention des Polizeipräsidiums Rheinpfalz führte gemeinsam mit dem LKA Rheinland-Pfalz und der Medienanstalt RLP ein Webinar zum Thema „Telefonbetrug – Erkennen – Handeln – Schützen“ durch, an dem über 600 Bankmitarbeitende live teilnahmen und für das knapp 700 Anmeldungen vorlagen. Es war die fünfte Veranstaltung dieser Art, mit der insgesamt mehr als 2.500 Bankmitarbeitende erreicht wurden.

Eine Live-Umfrage während des Webinars ergab, dass 86 Prozent der Teilnehmenden bereits in ihrem beruflichen Umfeld Kontakt zu einem Betrugsfall hatten. Damit richtet sich Prävention nicht nur an potenzielle Opfer selbst, sondern auch an jene, die im Alltag als erste Ansprechpartner auffällige Transaktionen bemerken können.

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