Telefonbetrug, Spam-Anrufe

Telefonbetrug: 586.000 Spam-Anrufe im April, KI treibt Quote auf 54%

20.06.2026 - 22:17:37 | boerse-global.de

Betrüger tarnen sich als Meinungsforscher und setzen verstärkt Künstliche Intelligenz ein. Die Zahl der Spam-Anrufe bleibt trotz Rückgangs hoch.

Telefonbetrug: Kriminelle nutzen KI für Datendiebstahl
Telefonbetrug - Ein Smartphone-Bildschirm zeigt eine Umfrage, Hände halten das Telefon. Digitale Überlagerung suggeriert Datenmanipulation und KI. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Sicherheitsexperten schlagen Alarm: Eine neue Welle von Telefonbetrug rollt über Deutschland. Die Täter geben sich als Marktforscher aus, um an persönliche Daten zu kommen. Parallel dazu nutzen sie zunehmend Künstliche Intelligenz für ihre Angriffe.

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Hunderttausende Spam-Anrufe im April

Allein im April 2026 registrierte der Dienst Clever Dialer 585.942 Spam-Anrufe. Das sind zwar 9,8 Prozent weniger als im Vormonat – die Zahl bleibt aber hoch. Besonders aktiv war ein Nummernblock aus dem Raum Düsseldorf (+4921195589XXX). Über diese Leitung gingen mehr als 60.000 Anrufe ein.

Die psychologische Wirkung solcher Anrufe ist verheerend. Eine Studie der IU Internationalen Hochschule zeigt: 81 Prozent der Befragten checken ihr Smartphone mindestens stündlich. Diese ständige Erreichbarkeit macht uns zur leichten Beute.

KI macht Betrug effektiver

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz treibt die Betrugswelle massiv an. Ein Report des Sicherheitsanbieters KnowBe4 belegt: 86 Prozent aller Phishing-Angriffe laufen inzwischen KI-gestützt. Die Erfolgsrate liegt bei satten 54 Prozent. Zum Vergleich: Traditionelle Methoden kommen nur auf 12 Prozent.

Gleichzeitig umgehen die Täter technische Schutzmaßnahmen. Sie leiten Anrufe über ausländische Netze um und täuschen so vertrauenswürdige Nummern vor. Im Visier: die Kundendienstnummern von Banken. Die Watchlist Internet warnt: Banken fragen niemals telefonisch nach Zugangsdaten oder verlangen Rückbuchungen.

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Alte Masche, hohe Verluste

Trotz moderner Technik bleiben Schockanrufe extrem lukrativ. In Mittelfranken erbeuteten Betrüger Mitte Juni bei drei Opfern über 300.000 Euro. In Korbach verlor eine Seniorin rund 100.000 Euro – die Täter hatten einen tödlichen Autounfall eines Angehörigen vorgetäuscht.

Dass aufmerksame Bankmitarbeiter Leben retten können, zeigte ein Fall in Wien-Währing. Ein Mitarbeiter verhinderte die Auszahlung von knapp 9.750 Euro an eine 90-jährige Kundin. Die Umstände der Abhebung kamen ihm verdächtig vor. Ein 37-jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen.

Auch digital wird die Lage bedrohlicher. Das Phishing-Kit „CryptoChameleon“ zielt über SMS und Sprachanrufe auf Krypto-Plattformen wie Binance ab. Der Android-Trojaner „Rokarolla“ späht Zugangsdaten für über 200 Banking- und Krypto-Apps aus.

So schützen Sie sich

BSI und Polizei raten zu erhöhter Vorsicht. Die wichtigsten Maßnahmen:

  • Sofort auflegen bei verdächtigen Anrufen oder Geldforderungen
  • Geheime Kennwörter mit der Familie für Notfälle vereinbaren
  • Zwei-Faktor-Authentisierung oder Passkeys für Online-Konten nutzen
  • Vorsicht bei QR-Codes und unaufgeforderten SMS mit Links

Die Polizei stellt klar: Beamte holen niemals Bargeld oder Wertgegenstände zur Verwahrung ab. Bei Zweifeln: Gespräch beenden und die offizielle Notrufnummer wählen.

de | wissenschaft | 69593094 |