Teilarbeitsfähigkeit, NEOS

Teilarbeitsfähigkeit: NEOS wollen 15 Wochenstunden bei normalem Gehalt ermöglichen

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 10:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das NEOS-Modell soll Teilzeit mit normalem Gehalt ermöglichen; Finanzierung und Umsetzung sind noch offen.

NEOS fordern Teilarbeitsfähigkeit für gesundheitlich eingeschränkte Ältere
Ein heller, minimalistischer Arbeitsplatz mit natürlichem Licht und Blick ins Grüne. Illustration mit AI erstellt.

Die NEOS bringen ein Modell in die politische Debatte ein, das Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen den Verbleib im Erwerbsleben erleichtern soll. Sozialsprecher Johannes Gasser fordert die Einführung einer sogenannten Teilarbeitsfähigkeit, von der besonders ältere Arbeitnehmer profitieren sollen, die nicht mehr in vollem Umfang arbeiten können, aber dennoch erwerbstätig bleiben wollen.

Was das Modell konkret vorsieht

Als Beispiele für die angedachte Teilbeschäftigung nennt Gasser Arbeitszeiten von 15 Wochenstunden oder drei Stunden täglich – bei normalem Gehalt. Damit soll Betroffenen ermöglicht werden, entsprechend ihrer verbliebenen Leistungsfähigkeit tätig zu sein, ohne finanzielle Nachteile gegenüber einer regulären Beschäftigung hinnehmen zu müssen.

Das Konzept richtet sich vor allem an Personen, deren gesundheitliche Situation eine Vollzeitbeschäftigung erschwert oder unmöglich macht, die aber nicht vollständig aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden möchten oder können.

Zahlen zur Ausgangslage

Die Arbeitslosenquote der 60- bis 64-Jährigen liegt in Österreich bei 9,8 Prozent. Laut Gasser haben zudem fast die Hälfte der älteren Arbeitnehmer gesundheitliche Vermittlungshemmnisse, die ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zusätzlich einschränken. Diese Zahlen bilden aus Sicht der NEOS die Grundlage für die Notwendigkeit neuer Instrumente, die stärker auf individuelle gesundheitliche Situationen eingehen als bisherige Regelungen.

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Institutionelle Umsetzung geplant

Um die Teilarbeitsfähigkeit praktisch umzusetzen, ist eine gemeinsame Begutachtungsstelle von AMS, ÖGK, PVA und Sozialministerium vorgesehen, die die Einzelfallbetreuung übernehmen soll. Damit sollen Betroffene nicht mehr zwischen verschiedenen Institutionen wechseln müssen, sondern eine koordinierte Einschätzung ihrer Leistungsfähigkeit erhalten.

Ergänzend fordern die NEOS ein schnelleres Case-Management sowie eine einheitliche Begutachtungsstelle, um Verfahren zu beschleunigen und Doppelstrukturen abzubauen.

Neben der Teilarbeitsfähigkeit selbst nennt die Partei auch Qualifizierung, Umschulung und Wiedereingliederung als notwendige Begleitmaßnahmen, um Betroffene nachhaltig im Arbeitsmarkt zu halten. Offen ist bislang, wie das Modell finanziert werden soll: Die Frage, ob Mittel der PVA oder der ÖGK herangezogen werden, ist laut NEOS noch zu verhandeln.

Absage an Bonus-Malus-System

Während die Teilarbeitsfähigkeit laut NEOS im Regierungsprogramm verankert ist, lehnt die Partei ein Bonus-Malus-System zur Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer ab.

Gasser verweist darauf, dass ein solches System im Regierungsprogramm nicht vorgesehen sei. Damit positionieren sich die NEOS gegen finanzielle Sanktionen oder Anreize für Unternehmen und setzen stattdessen auf individuelle, gesundheitsbezogene Lösungen für Arbeitnehmer selbst.

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Parlamentarische Enquete im November geplant

Um das Thema breiter zu diskutieren, wollen die NEOS eine parlamentarische Enquete anstoßen, zu der auch Experten aus Ländern eingeladen werden sollen, die in der Beschäftigung Älterer als Vorbild gelten. Für den 11. November ist eine solche Veranstaltung vorgesehen, bei der unter anderem Best-Practice-Modelle aus den Niederlanden vorgestellt werden sollen.

Die Partei erhofft sich davon Impulse für die weitere Ausgestaltung des Modells sowie eine breitere politische Diskussion über Wege, gesundheitlich eingeschränkte Arbeitnehmer stärker im Erwerbsleben zu halten, statt sie in die Frühpension oder Arbeitslosigkeit zu drängen.

Mehr zum Thema bei Kurier: „Teilarbeitsfähigkeit: So wollen Neos Ältere in Beschäftigung halten“

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