Technologierat, Indien

Technologierat 15. Juli: EU und Indien starten KI- und Chip-Allianz

Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 19:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

EU und Indien planen Zollabbau auf 96,6 Prozent aller Waren. Der Pakt könnte die Exporte der Union nach Indien verdoppeln.

EU und Indien vor historischem Freihandelsabkommen
EU- und Indien-Flaggen-Grafik mit konvergierenden Linien, die Handel und Technologie symbolisieren und das Freihandelsabkommen repräsentieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Europäische Union und Indien stehen kurz vor dem Abschluss eines Freihandelsabkommens, das einen Markt von rund zwei Milliarden Menschen vereinen würde. Der Pakt, der sich derzeit in der finalen juristischen Prüfung befindet, repräsentiert fast ein Viertel der globalen Wirtschaftsleistung. Konkret sollen 96,6 Prozent aller bestehenden Zölle wegfallen – ein Schritt, der den Wert der EU-Exporte nach Indien voraussichtlich verdoppeln wird.

Durchbruch bei Agrarzöllen und Industriegütern

Besonders hart umkämpft war der Agrar- und Lebensmittelsektor. Indien erhebt hier aktuell Durchschnittszölle von über 36 Prozent. Die neuen Regelungen sehen deutliche Senkungen vor: Europäischer Wein, bisher mit 150 Prozent Zoll belegt, soll künftig nur noch mit 20 bis 30 Prozent besteuert werden. Auch Spirituosen sinken von 150 auf 40 Prozent, Bier von 110 auf 50 Prozent.

Doch nicht nur die Genussmittelbranche profitiert. Für viele EU-Mitgliedstaaten eröffnen sich neue Chancen im Industriesektor. Polen etwa, wo bereits 1902 Unternehmen nach Indien exportieren, darf auf Zuwächse bei Maschinen, Mineralölen und Eisen hoffen. Die polnischen Exporte nach Indien erreichten 2025 rund 1,7 Milliarden Euro und sicherten über 45.000 Arbeitsplätze. Lettland mit seinen 134 Indien-Exporteuren setzt auf Elektromaschinen und Holzprodukte. Malta, das 2025 Waren im Wert von 57 Millionen Euro nach Indien lieferte, erwartet weiteres Wachstum bei organischen Chemikalien und Maschinen.

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Technologiepartnerschaft auf höchster Ebene

Parallel zu den Handelsgesprächen tagte am 15. Juli in Brüssel der dritte EU-Indien-Handels- und Technologierat (TTC). Die indischen Minister S. Jaishankar und Piyush Goyal einigten sich mit EU-Kommissaren auf eine strategische Technologieallianz. Kernpunkt: die Aufnahme formeller Verhandlungen über Indiens Beteiligung an Horizon Europe, dem Flaggschiff-Forschungsprogramm der EU.

Darüber hinaus planen beide Seiten ein Innovationszentrum für E-Auto-Ladeinfrastruktur und eine Partnerschaft für Deep-Tech-Startups. Die Zusammenarbeit erstreckt sich auf mehrere Zukunftsfelder:

  • Halbleiter und chipfertigung
  • Künstliche Intelligenz und Quantencomputing
  • Hochleistungsrechnen (HPC)
  • 6G-Telekommunikationsinfrastruktur

Die beteiligten Regierungen betonten, der Technologierat sei entscheidend, um Lieferketten-Engpässe zu beseitigen und Technologielücken zu schließen – bei gleichzeitigem Marktzugang für beide Regionen.

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Flankierende Abkommen und diplomatische Offensive

Handelsminister Piyush Goyal war vom 13. bis 18. Juli auf Europareise durch Spanien, Belgien, Finnland und Estland. Dabei bestätigte er: Während das Freihandelsabkommen kurz vor dem Abschluss stehe, werde parallel an separaten Investitionsschutz- und Herkunftsbezeichnungsabkommen gearbeitet. Auf einem Wirtschaftsforum in Estland erklärte Goyal, Indien sei nun durch verschiedene Handelsabkommen effektiv mit dem gesamten europäischen Markt verbunden.

In Finnland stand die Verdopplung des bilateralen Handels bis 2030 im Fokus – mit Schwerpunkten auf Raumfahrt, Verteidigung und Nachhaltigkeit. Zudem genehmigte die EU 21 weitere indische Fischereibetriebe für den Export, womit nun insgesamt 625 Einrichtungen zugelassen sind.

Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass das EU-Abkommen auf das kürzlich in Kraft getretene Indien-UK-Handelsabkommen folgt, das am 15. Juli 2026 aktiv wurde. Während der EU-Indien-Pakt noch ein bis zwei Wochen von der endgültigen juristischen Prüfung entfernt ist, führen indische Unterhändler parallel Gespräche mit den USA über vorläufige Zollregelungen.

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