Teamevents: Expertin warnt vor Überschätzung des Nutzens
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gemeinsame Ausflüge in den Klettergarten, knifflige Rätsel im Exit Room, Floßbauaktionen auf dem Wasser oder der gemeinsame Tag auf dem Biobauernhof gelten in vielen Unternehmen als bewährte Mittel zur Stärkung der Belegschaft. Doch der tatsächliche Nutzen solcher Maßnahmen wird in der Praxis häufig überschätzt.
Wie Expertin Ursula Vranken laut einem Bericht von faz.net vom 18. September 2026 darlegt, eignen sich derartige Teamevents primär für Unterhaltung und Belohnung, stoßen jedoch bei tiefergehenden organisatorischen Problemen rasch an klare Grenzen.
Grenzen schillernder Freizeitformate im Berufsalltag
Schillernde Teamevents erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit, wenn es darum geht, Teams aus der gewohnten Büroumgebung herauszuholen. Dennoch warnen Fachleute davor, diese Formate mit nachhaltiger Organisationsentwicklung zu verwechseln.
Vranken betont, dass Aktivitäten wie Klettergärten, Floßbauprojekte oder Besuche auf einem Biobauernhof nicht dazu geeignet seien, bestehende Konflikte im Kollegium zu lösen oder Arbeits- und Prozessabläufe zu optimieren.
Liegen die Ursachen für Spannungen in unklaren Zuständigkeiten, strukturellen Überlastungen oder schwelenden zwischenmenschlichen Reibungen, lässt sich dieser Zustand durch gemeinsame Freizeitaktivitäten nicht beheben. Die entspannte Atmosphäre eines Ausflugs überbrückt Missstände allenfalls für wenige Stunden, ändert jedoch nichts an den operativen Reibungspunkten, die nach der Rückkehr an den Schreibtisch unverändert fortbestehen.
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Wann gemeinsame Aktivitäten dennoch sinnvoll bleiben
Völlig wirkungslos sind Teamevents indes nicht, sofern die Zielsetzung realistisch definiert wird. Nach Einschätzung von Vranken besitzen Formate wie der gemeinsame Besuch eines Exit Rooms oder sportliche Teamaufgaben durchaus ihre Berechtigung, wenn der Fokus auf Spaß, Wertschätzung und Belohnung liegt.
Ebenso können solche Veranstaltungen einen wertvollen Beitrag leisten, wenn es sich um den Kick-off für räumlich verteilte Arbeitsgruppen handelt. Arbeiten Kolleginnen und Kollegen im Alltag vorwiegend mobil, dezentral oder im Homeoffice, schaffen lockere Zusammentreffen eine persönliche Basis und erleichtern das gegenseitige Kennenlernen abseits rein digitaler Schnittstellen. Entscheidend ist hierbei jedoch die klare Trennung: Das Event dient der Kontaktanbahnung und Motivation, nicht der Bearbeitung von Arbeitsstrukturen.
Strukturierte Workshops als wirksame Alternative
Für Unternehmen, die tatsächliche Reibungsverluste in den Abläufen minimieren oder bestehende Konflikte bereinigen wollen, empfiehlt Vranken eine Abkehr von reinen Eventkonzepten. Besser als kostspielige und schillernde Unterhaltungsveranstaltungen seien gut vorbereitete, inhaltlich fokussierte Workshops.
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In einem moderierten Arbeitsrahmen erhalten Teams den notwendigen Raum, um bestehende Schnittstellenprobleme, Rollenunklarheiten und Kommunikationshemmnisse offen zu thematisieren und verbindliche Absprachen zu treffen.
Zwar verlangen fundierte Workshops von Führungskräften und Mitarbeitenden mehr inhaltliche Auseinandersetzung und Reflexion als ein Ausflug in die Natur. Sie bilden jedoch das wirksamere Werkzeug, um die Zusammenarbeit nachhaltig zu stabilisieren und Prozesse langfristig tragfähig zu gestalten.
