TCM-Rezepturen, Liuwei-Dihuang-Wan

TCM-Rezepturen: Liuwei-Dihuang-Wan höchstens vier Wochen einnehmen

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Klassische Kräuterformeln richten sich nach dem jeweiligen Beschwerdebild; ihre Anwendung erfordert fachliche Diagnose und Begleitung.

TCM-Rezepturen für Leber, Milz und Niere: Anwendung und Grenzen
Verschiedene getrocknete Heilkräuter und Wurzeln in kleinen Holzschalen auf einer dunklen Steinoberfläche Illustration mit AI erstellt.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) bilden Leber, Milz und Niere funktionelle Kernachsen für das körperliche Wohlbefinden. Fachleute der TCM beschreiben strukturierte Methoden, um diese Organsysteme mithilfe klassischer Rezepturen wie Xiaoyao-Wan und Si-Shen-Tang zu harmonisieren.

Im Zentrum der therapeutischen Ansätze steht dabei stets die Berücksichtigung der individuellen Konstitution, da Störungen in den Organfunktionskreisen eng miteinander verwoben sind.

Leber-Qi regulieren und Stagnation lösen

Die Leber kontrolliert nach den Grundlagen der TCM das freie Fließen des Qi und speichert das Blut. Kommt es zu einer Leber-Qi-Stagnation, äußert sich dies häufig in Reizbarkeit, Spannungs- und Schmerzgefühlen in den Flanken, Fremdkörpergefühlen im Hals sowie Seufzen, Brustbeklemmung und Menstruationsstörungen. Als bewährtes Mittel zur Lösung dieser gestauten Qi-Bewegung gilt Xiaoyao-Wan.

Für differenzierte Beschwerdebilder kommen zudem Varianten wie Chaihu-Shugan-San zum Einsatz. Diese Rezeptur besteht aus Chai Hu, Baishao, Chenpi, Zhiqiao, Xiangfu und Gancao. Sie zielt darauf ab, die Leber zu entlasten, Stagnationen zu lösen, das Qi zu regulieren und Schmerzen zu lindern, insbesondere wenn depressive Verstimmungen, Flankenspannung und Appetitlosigkeit im Vordergrund stehen. Gebräuchliche Arzneien zur Regulierung des Funktionskreises Leber sind vor allem Chai Hu, Baishao und Danggui.

Die Milz stärken: Quelle von Qi und Blut

Die Milz gilt in der TCM als zentrale Quelle der Umwandlung sowie Erzeugung von Qi und Blut und ist für den Transport sowie die Blutkontrolle verantwortlich. Eine Milz-Schwäche zeigt sich vor allem in Antriebslosigkeit, Erschöpfung nach Aktivität, Energiemangel, vermindertem Appetit, Blähungen und weichem Stuhl.

Zur Stärkung der Milzfunktion wird unter anderem Si-Shen-Tang eingesetzt, eine Rezeptur basierend auf Fuling, Shan Yao, Lian Zi und Qian Shi. Typische Einzelkräuter zur Tonisierung des Milz-Qi sind Huangqi, Dangshen und Fuling. Ein weiteres Anwendungsfeld bildet die gezielte Ausleitung von Feuchtigkeit bei gleichzeitiger Milz-Stärkung.

Eine hierfür genannte Abkochung setzt sich beispielsweise aus Dangshen (15 g), Bai Zhu (10 g), Fuling (15 g), Shanyao (15 g), Yiyiren (20 g), Gouqizi (10 g), Shu Dihuang (15 g) und Shanzhuyu (10 g) zusammen. Diese Dosis wird typischerweise morgens und abends warm eingenommen, bedarf jedoch einer Abstimmung auf die jeweilige Verfassung.

Nierenessenz bewahren und das Fundament stärken

Die Niere wird als Wurzel des angeborenen Qi verstanden, speichert die Essenz und kontrolliert den Wasserhaushalt sowie die Aufnahme des Qi. Ein Mangel an Nieren-Qi oder -Essenz äußert sich typischerweise durch Schwäche in Kreuz und Knien, Schwindel, Tinnitus und eine verminderte Sexualfunktion. Arzneien wie Rou Cong Rong, Gouqizi und Duzhong zählen zu den klassischen Nieren-Tonika.

Liegt ein Nieren-Qi-Mangel mit unzureichender Speicherung vor, wird Wu-Zi-Yan-Zong-Wan herangezogen, während Jin-Suo-Gu-Jing-Wan festigend und zusammenziehend wirkt. Zur kombinierten Behandlung von Qi- und Nieren-Schwäche dient Yiqi-Bushen-Tang, zusammengesetzt aus Renshen, Huangqi, Gouqizi, Duzhong und Shanzhuyu.

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Differenzialdiagnose und klassische Rezepturen

Viele Beschwerdebilder erfordern eine kombinierte Therapie. So verbindet die Zusammenstellung von Chai Hu, Bai Zhu, Fuling und Gancao (als Basis von Xiaoyao-San) mit Huangqi, Danggui, Shu Dihuang, Shanzhuyu und Gouqizi die Leber-Entlastung mit der Nieren- und Milz-Tonisierung.

Zu den bedeutendsten klassischen Rezepturen zählt Liuwei-Dihuang-Wan, bestehend aus Shu Dihuang, Shanyao, Shanzhuyu, Zexie, Fuling und Mudanpi. Entwickelt von Qian Yi, einem kaiserlichen Arzt der Song-Dynastie, und überliefert in seinem Werk „Xiao'er Yao Zheng Zhi Jue", folgte die Zusammenstellung dem Prinzip von drei tonisierenden und drei ausleitenden Komponenten. Sie war ursprünglich für kindliche Schwächen konzipiert, wird aber seit langem bei Erwachsenen bei Nieren-Yin-Mangel eingesetzt.

TCM-Experten weisen darauf hin, dass die Anwendung eine genaue Differenzialdiagnose erfordert:
- Liuwei-Dihuang-Wan ist strikt auf Nieren-Yin-Mangel begrenzt (typisch sind Nachtschweiß, Hitzegefühl in Handflächen und Fußsohlen sowie rote Zunge mit wenig Belag).

Bei passender Indikation wird es in der Regel nicht länger als vier Wochen eingenommen.
- Bei Nieren-Yang-Mangel oder Milz-Magen-Schwäche mit starker Feuchtigkeit ist die Formel kontraindiziert, da nährende Bestandteile wie Shu Dihuang und Shanzhuyu die Verdauung belasten und Kälteempfinden verstärken können.
- Modifikationen wie Zhibai-Dihuang-Wan oder Qiju-Dihuang-Wan erweitern das Spektrum, wenn zusätzlich aufsteigendes Leber-Feuer vorliegt.

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TCM-Ärzte betonen nachdrücklich, dass Rezepturen zur Regulierung dieser Organe, insbesondere bei komplexen Mustern oder während einer Schwangerschaft, nicht in Eigenregie angewendet werden dürfen, sondern stets einer fachärztlichen Diagnostik und Begleitung bedürfen.

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