TCM-Konferenz in Peking: 1.200 Fachleute fordern Verbindung mit Schulmedizin
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deAuf der Weltkonferenz für traditionelle Medizin in Peking haben internationale Fachleute Mitte Oktober 2026 für eine engere Verknüpfung moderner Schulmedizin mit traditionellen Heilverfahren plädiert. Um den größtmöglichen Nutzen für Patientinnen und Patienten zu erzielen, müssten beide Ansätze konsequent kombiniert werden.
Als etabliertes Beispiel für eine solche Verbindung gilt die Akupunktur, die in Deutschland fest in das medizinische Versorgungssystem integriert ist und von approbierten Ärzten über anerkannte Zusatzqualifikationen ausgeübt werden kann. Als wesentliche Zukunftsaufgabe bezeichneten die Experten auf der Konferenz den Ausbau fundierter wissenschaftlicher Forschung zu traditionellen Methoden.
Personenzentrierte Versorgung und globale Initiativen
Der Premier des chinesischen Staatsrats, Li Qiang, eröffnete die Konferenz mit rund 1.200 Teilnehmenden und rief zu einer vertieften internationalen Zusammenarbeit sowie einer besseren Nutzung traditioneller Medizinressourcen auf.
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) sei mittlerweile in 196 Ländern und Regionen verbreitet. In China machen TCM-Einrichtungen etwa ein Zehntel aller medizinischen Einrichtungen aus, wobei nahezu alle medizinischen Versorgungszentren entsprechende Dienste anbieten.
Im Rahmen des 15. Fünfjahresplans zur TCM-Revitalisierung genieße die digitale und intelligente Transformation Priorität. Geplant seien zudem Pilotprogramme zur Öffnung des Dienstleistungssektors sowie ein Zentrum für den Schutz von Arzneiressourcen, um globale Versorgungsunterschiede zu verringern.
Albert Mulley, Professor für Gesundheitspolitik am Dartmouth College und Mitglied der US-amerikanischen National Academy of Medicine, betonte die personenzentrierte Ausrichtung traditioneller Verfahren, von der die westliche Medizin lernen könne. Bereits in den 1970er-Jahren hätten Landärzte in China traditionelle Ansätze mit der Grundversorgung verbunden.
Eine zeitgemäße Versorgung müsse auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Patienten eingehen und Fehl-, Unter- sowie Überversorgung vermeiden. Auch künftige Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz sollten darauf ausgerichtet werden, individuelle Bedürfnisse besser zu verstehen, wie es Chinas Strategie zur gesundheitlichen Entwicklung bis 2030 vorsehe.
Evidenzbasierte Ansätze bei chronischen Erkrankungen
Den Stellenwert klinischer Evidenz hob Tong Xiaolin von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften hervor. Angesichts steigender Inzidenzen bei den vier großen chronischen Krankheitsfeldern – Herz-Kreislauf-, Atemwegs-, Stoffwechsel- und Krebserkrankungen – werde in China ein nationales wissenschaftlich-technisches Großprojekt umgesetzt.
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Zu den untersuchten Verfahren gehört unter anderem die Verwendung von Arsenoxid bei akuter promyelozytärer Leukämie. Zudem zeige die Tongxinluo-Kapsel Verbesserungen bei den 30-Tage- und Einjahres-Ergebnissen nach akutem ST-Hebungs-Myokardinfarkt.
Weiterhin seien Granulate bei leichten bis mittelschweren Infektionen sowie traditionelle Rezepturen zur Blutzuckersenkung bei Typ-2-Diabetes Gegenstand klinischer Untersuchungen.
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Liu Qingquan, Direktor des Beijing Hospital of Traditional Chinese Medicine, verwies auf den potenziellen Nutzen traditioneller Arzneien im Umgang mit Antibiotikaresistenzen. Statt ausschließlich auf das Abtöten von Keimen zu setzen, sollten auch Wirkmechanismen erforscht werden, die das innere Milieu regulieren.
Ziel sei es, Erfahrungswissen in überprüfbare Evidenz zu überführen. Gleichzeitig unterstrich Liu, dass bei schweren akuten Infektionen modernen Notfall- und Antiinfektionsmaßnahmen stets der Vorrang gebühre.
Institutionelle Verankerung und Regulierung
Über regionale Integrationsmodelle berichtete Hongkongs Gesundheitsminister Lo Chung-mau. Die Sonderverwaltungszone baue derzeit mit zwei Institutionen – dem Hong Kong Chinese Medicine Hospital und dem Government Chinese Medicines Testing Institute – ein kombiniertes Modell aus traditioneller und westlicher Medizin auf.
Ergänzend werde 2026 unter der Leitung von Li Zili ein neues Zentrum für die Regulierung von Arzneimitteln und Medizinprodukten eingerichtet. Ziel dieses Schritts sei es, bis 2030 oder früher einen eigenständigen, erstinstanzlichen Zulassungsmechanismus für neue Arzneimittel zu etablieren.
