TCM, Schmerztherapie

TCM in der Schmerztherapie: Akupressur als Selbsthilfe, Akupunktur vom Profi

19.06.2026 - 19:40:41 | boerse-global.de

Akupressur etabliert sich als Selbsthilfemethode, während Akupunktur weiterhin Fachpersonal vorbehalten bleibt. Neue Studien erweitern die Anwendungsgebiete der TCM.

TCM in Deutschland: Akupressur für Zuhause, Akupunktur vom Profi
TCM - Eine Hand übt sanften Druck auf einen Akupressurpunkt am Handgelenk aus, im Hintergrund verschwommene Akupunkturnadeln. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Im Juni 2026 zeichnet sich eine klare Trennung ab: Akupressur als Methode zur Selbstanwendung, Akupunktur als medizinisches Fachverfahren.

Sanfte Selbsthilfe versus Nadelstiche vom Profi

Akupressur gilt als sanfte Methode. Durch gezielten Druck auf bestimmte Körperpunkte sollen Beschwerden wie Schlafstörungen oder leichte Schmerzen gelindert werden. Der große Vorteil: Nach kurzer Anleitung kann jeder die Technik kostenlos selbst anwenden. Sie dient vor allem der niederschwelligen Prävention.

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Ganz anders die Akupunktur. Sie ist in Deutschland approbierten Ärzten oder Heilpraktikern vorbehalten. Sterile Nadeln regulieren den Energiefluss, fördern die Durchblutung und regen die Ausschüttung von Endorphinen an. Eine Sitzung kostet zwischen 30 und 100 Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten bei bestimmten Indikationen – etwa chronischen Rücken- oder Knieschmerzen – unter definierten Voraussetzungen.

Neue Einsatzgebiete jenseits der Schmerztherapie

Die Forschung erweitert das Anwendungsspektrum der TCM-Verfahren stetig. Aktuelle Studien untersuchen mehrere Bereiche:

Neurologie und Psychosomatik: Akupunktur zeigt Evidenz bei Migräne, Tinnitus und Nervenengpässen. Auch in der Schlaganfall-Rehabilitation kommt die Methode komplementär zum Einsatz.

Geriatrie: Bei Demenzpatienten helfen Akupressur und Akupunktur, Unruhezustände und Schlafstörungen zu regulieren. Das nicht-pharmakologische Symptommanagement gewinnt hier an Bedeutung.

Pädiatrie: Spezifische Fortbildungen vermitteln die Behandlung der atopischen Dermatitis bei Kleinkindern mittels TCM.

Stoffwechsel und Dermatologie: Weitere Forschungsansätze befassen sich mit Dyslipidämie und verschiedenen Hauterkrankungen.

Auch begleitende Verfahren rücken in den Fokus: Taiji kann bei Insomnie eine langfristige Wirksamkeit erzielen, die mit kognitiver Verhaltenstherapie vergleichbar ist.

Professionalisierung für die Palliativversorgung

Die steigende Nachfrage treibt die Ausbildung voran. Mitte Juni 2026 wurde das Programm „MediAkupress®“ vorgestellt. Es verknüpft TCM-Konzepte mit humanistischer Psychologie und richtet sich an Fachpersonal in der Palliativ- und Hospizarbeit. Die Module decken Symptomregulierung bei Angst, Spastiken und chronischen Schmerzen ab – mit dem Ziel, die Lebensqualität in der letzten Lebensphase zu stabilisieren.

International zeigt sich die Professionalisierung auch anderswo. In der vietnamesischen Provinz Bac Ninh fand der 5. jährliche Massage- und Akupressur-Wettbewerb für sehbehinderte Menschen statt. Das Berufsfeld etabliert sich als stabiler Beschäftigungsfaktor im Gesundheitssektor.

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Saisonale Beschwerden und politische Debatten

Die TCM liefert auch Erklärungsmodelle für sommerliche Gereiztheit. Die sogenannte „Leber-Feuer-Theorie“ führt Wut und Kopfschmerzen auf einen Hitze-Stau im Organismus zurück. Zur Regulation empfehlen Experten spezifische Akupressurpunkte wie Le 3 (Tai Chong) oder Gb 20 (Feng Chi), ergänzt durch kühlende Ernährung und Stressmanagement.

Während die Osteopathie beim IGeL-Monitor im Juni 2026 erneut eine zurückhaltende Bewertung bei unspezifischen Kreuzschmerzen erhielt, bleibt die Akupunktur eines der am besten untersuchten Verfahren der Komplementärmedizin. Dennoch steht die Branche vor politischen Herausforderungen. Ein offener Brief von Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft fordert den Erhalt von Naturheilverfahren als Satzungsleistungen der Krankenkassen – die Debatte um die Finanzierung komplementärmedizinischer Leistungen bleibt aktuell.

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