TCM-Forschung: KI-Zungendiagnose erreicht bis zu 92 Prozent Genauigkeit
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie wissenschaftliche Erfassung traditioneller Heilmethoden gewinnt im internationalen Rahmen an Bedeutung. Auf der Weltkonferenz für traditionelle Medizin 2026 stehen nach Angaben der Nationalen TCM-Verwaltung Chinas insbesondere die datengestützte Analyse von Arzneimittelwirkungen sowie die Quantifizierung der Qualität authentischer Heilkräuter im Fokus.
Unter dem Leitthema einer technologiegestützten Stärkung der traditionellen Medizin kündigte die Verwaltung an, mehrere zentrale Forschungsergebnisse zu präsentieren.
Die von der Stadtregierung Peking, der Nationalen Gesundheitskommission, der Staatlichen TCM-Verwaltung und der Staatlichen Arzneimittelaufsicht zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation veranstaltete Tagung im China National Convention Center versammelte mehrere Tausend Teilnehmende sowie Delegationen aus über 90 Ländern und Regionen.
Künstliche Intelligenz und digitale Methoden in der Forschung
Die Modernisierung traditioneller Verfahren stützt sich zunehmend auf datengestützte Systeme. Das Institut für TCM-Information der China Academy of Chinese Medical Sciences stellte auf der Konferenz am 17. Oktober 2026 eine Bestandsaufnahme zur weltweiten Forschung vor.
Den Daten unter der Leitung von Li Haiyan zufolge wurden seit dem Jahr 2000 weltweit 3.030 Patente mit Bezug zu künstlicher Intelligenz im Bereich der traditionellen Medizin angemeldet.
Zudem erschienen seit 1990 insgesamt 6.882 hochwertige Fachpublikationen zu diesem Themenfeld. China hält dabei einen Anteil von 80,4 Prozent an den Patenten und zeichnet für 47 Prozent der Veröffentlichungen verantwortlich.
Wie Li Haiyan darlegte, erzielt die KI-gestützte Zungendiagnose bei ausgewählten Syndromen mittlerweile eine Genauigkeit von 85 bis 92 Prozent. Zudem wurden digitale Zwillinge, die auf Basis der klinischen Erfahrung renommierter TCM-Praktiker trainiert wurden, bereits in ersten chinesischen Kreiskrankenhäusern pilotiert.
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Neue Ansätze für Qualitätskontrolle und Heilpflanzenschutz
Neben diagnostischen Modellen bildet die Qualitätsprüfung pflanzlicher Rohstoffe einen Schwerpunkt. Auf einem Fachpodium zur Qualitätssicherheit am 18. Oktober 2026, an dem unter anderem Mitglieder der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und der Chinesischen Akademie der Ingenieurwissenschaften sowie Pharmaziefachleute aus Afrika, Südostasien und Europa teilnahmen, wurde die bisherige Praxis diskutiert.
Rudolf Bauer, Vorsitzender der TCM-Arbeitsgruppe der Europäischen Pharmakopöe, verwies auf die Problematik, Kräuter ausschließlich anhand eines einzelnen Inhaltsstoffs zu bewerten. Die Europäische Pharmakopöe habe vor diesem Hintergrund Verfahren der Metabolomik und Chemometrie als ganzheitliche Qualitätskontrolle in ihre offiziellen Leitlinien aufgenommen.
Zum Abschluss der Fachtagung am 18. Oktober 2026 verabschiedeten die Teilnehmenden die Beijing-Initiative zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung traditioneller Heilpflanzenressourcen, die Studien zu Ressourcen, den Erhalt der Biodiversität, einen fairen Vorteilsausgleich sowie Technologietransfer vorsieht.
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Globale Vernetzung und strategische Integration
Die Konferenz markierte zugleich institutionelle Weichenstellungen. Am 18. Oktober 2026 eröffnete Premierminister Li Qiang die Zusammenkunft und verwies darauf, dass TCM in 196 Ländern und Regionen verbreitet sei. In China machten entsprechende Einrichtungen rund ein Zehntel aller medizinischen Institutionen aus. Zudem stellte das Land den 15. Fünfjahresplan zur Entwicklung der TCM vor, der Prioritäten bei der digitalen Transformation setzt.
Parallel konstituierte sich die Global Alliance for Traditional Medicine mit 117 Einheiten und Einzelpersonen aus 19 Ländern und Regionen. Nach Angaben von Vize-Generalsekretär Qin Huaijin agiert die Allianz als internationale, nichtstaatliche Wissenschaftsorganisation mit Sekretariat in Peking. Sie soll als Plattform dienen, wissenschaftliche Standards und Evidenzforschung vorantreiben sowie die Einbindung traditioneller Medizinsysteme in bestehende Regulierungsrahmen unterstützen. Flankiert wurde das Fachprogramm von einer Fachausstellung, die am 16. Oktober 2026 mit 102 Ausstellern auf 10.000 Quadratmetern Fläche begann.
