TCM erobert die Schmerztherapie: Neue Kliniken setzen auf Akupunktur und Co.
20.05.2026 - 10:28:06 | boerse-global.de
Die Nachfrage steigt, die Forschung liefert Belege.
Neue Abteilungen verbinden Ost und West
Die Helios Klinik in Kaufungen hat im April eine neue Abteilung für Schmerzmedizin eröffnet. Unter der Leitung von Dr. Josina Waldmann, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, steht ein dreiwöchiges stationäres Programm bereit. Acht Behandlungsplätze gibt es aktuell, die auf sechzehn erweitert werden sollen. Das Konzept kombiniert Physiotherapie und Sportmedizin mit Akupunktur, Aromatherapie, Blutegeltherapie und Yoga.
Auch das Kantonsspital St. Gallen rückt die integrative Medizin in den Fokus. Am Montag diskutierten Experten wie Dr. Andrea Berendes und Dr. Klaus Elbs auf einem öffentlichen Forum die neuesten Ansätze. Ihre Kernbotschaft: Moderne Schmerztherapie muss sowohl körperliche Auslöser als auch psychosoziale Faktoren berücksichtigen – ein Ansatz, der der ganzheitlichen Philosophie der TCM entspricht.
In Greifswald setzt Dr. Carola Hunfeld, Fachärztin für Gynäkologie, Akupunktur gezielt bei Frauenleiden ein. Menstruationsbeschwerden, PMS und Fruchtbarkeitsprobleme stehen im Fokus, aber auch Schwangerschaftsübelkeit und Rückenschmerzen. Die Beispiele zeigen: TCM wird zunehmend als Ergänzung und nicht mehr als bloße Alternative verstanden.
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Die Wissenschaft hinter den Nadeln
Die Forschung liefert immer präzisere Erklärungen, wie Akupunktur im Körper wirkt. Mingxiao Yang von der Nanyang Technological University in Singapur beobachtete, dass das Einstechen der Nadeln eine biochemische Kaskade im Bindegewebe auslöst. Immunzellen werden aktiviert, Botenstoffe wie Histamin, Serotonin und Adenosin freigesetzt.
Eine Studie aus dem Jahr 2021 zeigte zudem: Rund 80 Prozent der traditionellen Akupunkturmeridiane entsprechen bekannten Nervenfasernetzen. Die Behandlung stimuliert also gezielt das periphere Nervensystem. Forscher der Oregon Health and Science University untersuchten sogar, wie Serotonin im Hörkern des Gehirns mit Tinnitus zusammenhängt – einer Erkrankung, von der weltweit schätzungsweise 14,4 Prozent der Erwachsenen betroffen sind. TCM-Ärzte behandeln Tinnitus seit Jahrhunderten mit Akupunktur. Nun gibt es eine neurologische Erklärung dafür.
Prävention und Emotionen als Schlüssel
Albert Jakob, Physiotherapeut mit über vierzig Jahren Erfahrung, sieht Schmerz als biologisches Signal, nicht als Feind. Seine Empfehlungen gegen Rückenschmerzen: regelmäßiges Dehnen, morgendliche Beweglichkeitsübungen und eine basische Ernährung mit weniger Fleisch, Zucker und Alkohol – dafür mehr Gemüse und Nüsse.
In Bern setzen Therapeuten auf Adaptogene aus der TCM und tibetischen Medizin. Ginseng und Rosenwurz sollen die unspezifische Stressresistenz erhöhen und Erschöpfungszustände lindern. Eine zweijährige Studie der Johns Hopkins Medicine mit über 1400 Erwachsenen belegt zudem: Alexithymie – die Unfähigkeit, Gefühle zu erkennen oder zu beschreiben – hängt signifikant mit höherem psychischen Leidensdruck bei chronischen Schmerzpatienten zusammen. Genau hier setzen TCM-Praktiken wie Qi Gong und meditative Atemübungen an.
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Weniger Operationen durch konservative Therapie
Die Integration der TCM ist auch eine Antwort auf die hohe Zahl chirurgischer Eingriffe. Das APEX Wirbelsäulenzentrum in München beziffert die Zahl der Wirbelsäulenversteifungen in Deutschland auf bis zu 300.000 pro Jahr – viele davon vermeidbar. Experten fordern: Physiotherapie, Injektionen und TCM sollten die erste Wahl sein. Operiert wird erst bei anhaltenden starken Schmerzen, Lähmungserscheinungen oder Notfällen wie Blasen- und Darmfunktionsstörungen.
Dr. Florian Ploberger, TCM-Experte, erklärte kürzlich: In der chinesischen Medizin gilt Schmerz als Stagnation von „Qi“ oder Blut. Die Behandlung zielt darauf ab, den freien Fluss wiederherzustellen. Die genaue Unterscheidung der Schmerzqualitäten – dumpfer Schmerz deutet auf Mangel hin, brennender Schmerz auf Hitze – ermöglicht maßgeschneiderte Therapien. Bei „Kälte“-Zuständen kommt Wärme zum Einsatz, bei „Mangel“-Zuständen spezifischer Druck.
Ausblick: Neue Angebote zur Schmerzprävention
Die medizinische Gemeinschaft bereitet mehrere Veranstaltungen vor, um die Öffentlichkeit zu informieren. Ein „Aktionstag gegen den Schmerz“ ist für den 2. Juni 2026 geplant, unter anderem an der Helios Klinik Kaufungen. In Hamburg startet das Gesundheitsamt Eimsbüttel eine dreiteilige Vortragsreihe zu Kopfschmerzen und Migräne. Die Asklepios Klinik Nord und das UKE sind am 27. Mai und 3. Juni dabei, die Migräne-Liga schließt am 10. Juni.
Sportmediziner in Großwallstadt laden für den 2. Juli zu einem Abend rund um Schultergesundheit und Beweglichkeit. Die Initiativen zeigen: Der Trend geht zur frühzeitigen Diagnose und Intervention, bevor Schmerzen chronisch werden. Und die Forschung liefert immer mehr Belege dafür, dass die alten Techniken der TCM in der modernen, evidenzbasierten Medizin ihren festen Platz haben.
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