TCM, Rückenschmerzen

TCM bei Rückenschmerzen: Warum Shenshu am zweiten Lendenwirbel wichtig ist

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der TCM-Ansatz verbindet individuell ausgewählte Rezepturen und Akupunktur mit Bewegung, Ernährung und Hinweisen zu Risiken.
Verschiedene getrocknete Heilkräuter und Wurzeln liegen auf einem dunklen Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Altersbedingte Rücken- und Beinschmerzen stellen für viele ältere Menschen eine erhebliche Belastung im Alltag dar. Während die westliche Schulmedizin primär auf nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Naproxen, physiotherapeutische Maßnahmen mit Wärme, Kälte, Ultraschall oder Elektrotherapie sowie operative Eingriffe bei Bandscheibenvorfällen oder Frakturen setzt, verfolgt die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) einen integrativen und differenzierten Behandlungsansatz. Die Wahl der jeweiligen Therapieform richtet sich dabei nach der individuellen Ursache, dem Schweregrad der Beschwerden und der Verträglichkeit.

Differenzierte Muster und traditionelle Rezepturen

In der TCM werden Beschwerden im Bewegungsapparat häufig auf Störungen des Qi-Flusses sowie auf äußere und innere Einflüsse zurückgeführt. Bei Schmerzen im Alter unterscheidet die Diagnostik vor allem drei Hauptmuster: Feucht-Kälte, Nieren-Yin-Mangel sowie Qi- und Blut-Stagnation. Fachberichten zufolge gilt Kälte-Feuchtigkeit nach traditioneller Auffassung bei etwa neun von zehn Betroffenen als mitverantwortlicher Auslöser.

Zur Behandlung werden spezifische Rezepturen herangezogen. Bei Feucht-Kälte kommen beispielsweise Duhuo Jisheng Tang oder Yiyiren Tang zum Einsatz. Aus dem klassischen Werk „Jingui Yaolue“ von Zhang Zhongjing aus der Östlichen Han-Dynastie stammt zudem die Rezeptur Shenzhuo Tang (auch Gan Jiang Ling Zhu Tang genannt), die Ingwer, Glycyrrhiza, Atractylodes und Poria kombiniert.

Bei einem Nieren-Yin-Mangel finden Liuwei Dihuang Wan und Jinkui Shenqi Wan Verwendung, während bei Qi- und Blut-Stagnation Rezepturen wie Xuefu Zhuyu Tang oder Compound Danshen Dripping Pills angewendet werden. Ergänzend unterstützen Kräuter wie die Engelwurz (Dang Gui) und Eucommia (Du Zhong) die Durchblutung sowie die Stärkung von Muskeln und Knochen.

Akupunkturpunkte und manuelle Techniken

Ein zentraler Bestandteil der Behandlung ist die Akupunktur an definierten Meridianpunkten. Der Rücken steht in der TCM in enger Verbindung mit dem Du-Mai-Gefäß (Yang) und dem Blasen-Meridian, welcher den Feuchtigkeitsstoffwechsel beeinflusst und mit der Niere verknüpft ist.

Zu den relevanten Akupunkturpunkten zählen Shenshu, der 1,5 Cun lateral des Dornfortsatzes des zweiten Lendenwirbels (L2) liegt, Weizhong in der Kniekehle sowie Zusanli, der vier Querfinger unterhalb der Kniescheibe anterolateral lokalisiert ist.

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Weitere Punkte wie Yaoshu werden für Moxibustion-Anwendungen genutzt, während bei Schlaflosigkeit Shenmen und Neiguan oder bei Verdauungsbeschwerden Zhongwan stimuliert werden.

Für die manuelle Behandlung wird unter anderem die Pinch-Massage (Nieji) eingesetzt. Sie wirkt in aufsteigender Richtung tonisierend, eignet sich dabei jedoch nicht für Patienten mit Bluthochdruck.

In absteigender Richtung entfaltet sie eine ableitende Wirkung bei Fieber oder Verstopfung. Generell gilt die Massage bei hohem Fieber, Herzkrankheiten oder Blutungsneigung als kontraindiziert; zudem sollte ein Abstand von zwei Stunden nach den Mahlzeiten eingehalten werden.

Bei der Akupressur-Selbstbehandlung dient Schmerz nicht als Kriterium zur Punktsuche; diese orientiert sich an anatomischen Landmarken. Übermäßiger Druck ist zu vermeiden, und Regionen wie die Halsvorderseite, Augenhöhlen oder tiefe Bauch- und Rückenbereiche dürfen nicht tief gedrückt werden.

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Bewegung, Ernährung und integrative Betreuung

Klinische Empfehlungen unterstreichen, dass es kein universelles Einzelmittel gibt. Bei Gelenkdegeneration werden Nieren-Tonika in Kombination mit blutaktivierenden Mitteln typischerweise über 8 bis 12 Wochen angewendet, während akute Schmerzphasen meist eine zwei- bis vierwöchige Blutaktivierung erfordern.

Besondere Vorsicht ist bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulanzien wie Aspirin, Warfarin oder Clopidogrel sowie bei Leber- und Niereninsuffizienz geboten.

Orthopäden des Xuhui Dahua Krankenhauses raten bei akuter Lumbago von starkem Klopfen oder Massieren ab, da dies Ödeme verstärken kann. Ebenso sollte die halbliegende Haltung („Ge You Lie“) vermieden werden. Statt Bettlägerigkeit wird empfohlen, alle 40 Minuten aufzustehen und sich für zwei bis drei Minuten zu bewegen.

Ergänzende Maßnahmen umfassen Wärmeschutz, Bewegungstherapien wie Qigong (Ba Duan Jin, Wu Qin Xi) oder Tai Chi sowie gezieltes Krafttraining. Auch ernährungsbezogene Anpassungen mit Yamswurzel, schwarzen Bohnen oder Goji-Beeren sowie eine ausreichende Proteinzufuhr von 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht unterstützen den Erhalt von Muskel- und Knochenmasse im Alter.

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