Tapinoma magnum: Invasive Ameisenart breitet sich in 90 Kommunen aus
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die invasive Ameisenart Tapinoma magnum breitet sich in Baden-Württemberg zunehmend aus. Nach Angaben des baden-württembergischen Umweltministeriums wurde die Spezies bereits in rund 90 Städten und Gemeinden nachgewiesen, die sich über fast 25 Land- und Stadtkreise verteilen.
Ein Ameisenexperte bestätigte diesen weitreichenden Nachweis in den betroffenen Kommunen. Eine vollständige Ausrottung der Tiere gilt nach Einschätzung des Ministeriums als nicht realistisch; stattdessen wird eine Kombination verschiedener Bekämpfungsmaßnahmen empfohlen.
Großkolonien und Methoden der Eindämmung
Die vermutlich größte Kolonie in Deutschland befindet sich in Karlsruhe-Neureut. Dort erstreckt sich ein Nestareal mit Milliarden von Ameisen über eine Fläche von etwa 100 Hektar.
Die Ausmaße solcher Superkolonien stellen die betroffenen Verwaltungen vor erhebliche logistische Herausforderungen. Zur Bekämpfung der Insekten kommen derzeit vor allem Heißwasserverfahren mit Temperaturen von 110 Grad Celsius sowie spezielle Köder und Fallen zum Einsatz.
Fachleute raten dazu, die Maßnahmen aufeinander abzustimmen, um die Populationen zumindest zu kontrollieren, da die Art für ihre Widerstandsfähigkeit und schnelle Ausbreitung bekannt ist.
Kommunale Haushaltsbelastungen durch Bekämpfungsmaßnahmen
Die Bekämpfung der invasiven Art führt in den betroffenen Städten zu signifikanten finanziellen Aufwendungen. Die Stadt Karlsruhe investierte bereits 120.000 Euro in die Anschaffung eines speziellen Heißwasserfahrzeugs.
Die invasive Ameise Tapinoma magnum ist laut Umweltministerium bereits in rund 90 Kommunen Baden-Württembergs nachgewiesen — und dringt in Wohnräume ein. Wer vorbereitet ist, zahlt nicht drauf: Unser kostenloser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie seriöse Schädlingsbekämpfer erkennen und was im Ernstfall zu tun ist. Kostenlosen Ameisen-Ratgeber anfordern
Für die Zukunft sind dort umfangreiche Erweiterungen geplant: Ab dem Frühjahr 2027 sollen drei zusätzliche Teams die Arbeit aufnehmen. Die Personalkosten pro Team werden auf rund 250.000 Euro beziffert, sodass die Stadt ab 2027 mit jährlichen Personalkosten von insgesamt rund 1 Million Euro rechnet.
Andere Kommunen verzeichnen ebenfalls laufende Kosten. Die Stadt Kehl bekämpft die Ameisen bereits seit dem Jahr 2023. Dort fallen jährlich rund 50.000 Euro an Betriebskosten an, zusätzlich zu einer initialen Investition von 60.000 Euro für die Geräteanschaffung. In Nürtingen wurden seit Beginn der Bekämpfungsmaßnahmen im Jahr 2026 rund 14.000 Euro ausgegeben. Für den weiteren Verlauf sieht der dortige Haushalt Mittel in Höhe von 25.000 Euro vor.
Risiken durch unseriöse Dienstleister und strafrechtliche Folgen
Neben den ökologischen und kommunalen Problemen rücken zunehmend auch Risiken für Privatpersonen in den Fokus. In Engen-Anselfingen wurde im Juni ein Fall bekannt, bei dem eine 74-jährige Frau Opfer mutmaßlich unseriöser Kammerjäger wurde. Nachdem hunderte Ameisen in ihr Wohnzimmer eingedrungen waren, berechneten zwei Männer für die Behandlung knapp 2.000 Euro.
Knapp 2.000 Euro für eine Behandlung, die online für 200 Euro zu haben ist — so erging es einer 74-Jährigen aus Engen-Anselfingen. Unseriöse Kammerjäger nutzen die Ameisen-Invasion gnadenlos aus. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie sich vor Wucherpreisen schützen und welche Kosten wirklich angemessen sind. Schutz-Checkliste jetzt sichern
Allein für das verwendete Mittel wurden 1.400 Euro in Rechnung gestellt, obwohl dieses im Online-Handel für knapp 200 Euro erhältlich war. Da die Männer nach der Tat nicht mehr erreichbar waren, erstattete die Betroffene Anzeige.
In diesem Zusammenhang haben die Polizei und die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen, um die Hintergründe des Vorfalls aufzuklären. Fachleute mahnen zur Vorsicht bei der Beauftragung von Dienstleistern zur Ameisenbekämpfung.
Mehr zum Thema bei Süddeutsche Zeitung: „Eingeschleppte Ameisenart - Invasive Ameise Tapinoma in rund 90 Kommunen nachgewiesen - Wissen“
