Tankrabatt, Kritik

Tankrabatt in der Kritik: Die Maßnahme kostet mehr als 2 Milliarden Euro

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fünf Institute erwarten 2026 mehr Wachstum als im Frühjahr, warnen aber vor steigenden Defiziten und strukturellen Belastungen.

Herbstgutachten: Institute heben Wachstumsprognose für Deutschland an
Moderne Windkraftanlagen und Strommasten in einer weitläufigen Landschaft bei Sonnenaufgang. Illustration mit AI erstellt.

Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute zeichnen in ihrem Herbstgutachten ein verhalten optimistischeres Bild für die nähere Zukunft, warnen jedoch vor anhaltenden strukturellen Belastungen.

In ihrer Gemeinschaftsdiagnose erwarten die fünf Institute für das Jahr 2026 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent. Für das Jahr 2027 rechnen die Ökonomen mit einem Zuwachs von 1,1 Prozent, bevor sich das Wachstum im Jahr 2028 auf 0,4 Prozent abschwächen soll.

Gegenüber den Erwartungen aus dem Frühjahr bedeutet dies eine Anhebung um 0,7 Prozentpunkte für 2026 sowie um 0,2 Prozentpunkte für 2027. Für das dritte Quartal 2026 bleibt die Dynamik mit einem erwarteten Plus von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal jedoch verhalten.

Getriebener Aufschwung und fiskalische Risiken

Als wesentliche Treiber dieser Erholung nennen die Institute die robuste Entwicklung der Weltwirtschaft, den Exportsektor, Impulse durch den weltweiten KI-Boom sowie schuldenfinanzierte staatliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur. Parallel dazu belasten hohe Energiepreise, der Fachkräftemangel, ausufernde Bürokratie und eine anhaltende Zurückhaltung bei privaten Investitionen den Wirtschaftsstandort.

Gleichzeitig verschärft sich die Lage der öffentlichen Haushalte. Laut der Prognose der Institute steigt das staatliche Defizit von 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2026 auf 4,7 Prozent im Jahr 2028. Damit verbunden sind wachsende Zinsausgaben und ein zunehmender Konsolidierungsbedarf. Auch langfristig steigende Rentenausgaben sehen die Ökonomen als erhebliche Belastung für den Bundeshaushalt.

Arbeitsmarkt, Teuerung und Kritik an Entlastungsmaßnahmen

Bei den Verbraucherpreisen prognostizieren die fünf Institute eine Inflationsrate von 2,8 Prozent im Jahr 2026, gefolgt von 3,2 Prozent im Jahr 2027 und 2,0 Prozent im Jahr 2028. Für die Arbeitslosenquote veranschlagen sie 6,4 Prozent im Jahr 2026, 6,2 Prozent für 2027 und 5,8 Prozent für 2028. Dennoch steht der Arbeitsmarkt unter Druck: In der Industrie gehen derzeit monatlich rund 15.000 Arbeitsplätze verloren.

Anzeige

Die fünf führenden Wirtschaftsinstitute haben ihre Herbstprognose vorgelegt: mehr Wachstum als im Frühjahr, aber auch ein staatliches Defizit, das laut Prognose von 4,1 Prozent des BIP auf 4,7 Prozent im Jahr 2028 steigt. Der geplante Tankrabatt ab Anfang Oktober wird dabei als pauschal und finanzpolitisch verfehlt kritisiert — nach Angaben eines ifo-Ökonomen kostet er mehr als 2 Milliarden Euro und begünstigt auch Haushalte, die die Kraftstoffkosten selbst tragen könnten. Wer wissen will, was das für Steuerlast, Inflation und die eigene Geldanlage bedeutet, findet im kostenlosen Report die wichtigsten Zahlen und Einordnungen. Kostenlosen Analyse-Report zur Herbstprognose anfordern

Deutliche Kritik üben die Wirtschaftsforscher an der Wirtschaftspolitik. Ständig wechselnde Reformankündigungen verunsicherten Unternehmen und Investoren. Zudem bemängeln die Institute den für Anfang Oktober geplanten Tankrabatt als pauschal und finanzpolitisch verfehlt, da er Anreize zum Energiesparen schwäche.

Nach Angaben von ifo-Ökonom Timo Wollmershäuser kostet die Maßnahme mehr als 2 Milliarden Euro und begünstigt auch einkommensstarke Haushalte, die die Kraftstoffkosten selbst tragen könnten; gezielte Entlastungen seien kostengünstiger gewesen.

Andere Institutionen schätzen die Lage ähnlich ein. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet für 2026 ein deutsches Wachstum von 1,1 Prozent, während der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) von 1 Prozent ausgeht.

Politische Reaktionen und Konsumzurückhaltung

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche betonte nach Vorlage der Herbstprognose die Notwendigkeit, den Reformkurs fortzusetzen. Exporte, insbesondere innerhalb Europas, sowie Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung trieben das Wachstum voran. Sie wies darauf hin, dass Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre im Verhältnis weniger investiere als der OECD-Durchschnitt.

Anzeige

Die Institute rechnen für 2026 mit einer Inflationsrate von 2,8 Prozent, für 2027 mit 3,2 Prozent — und einer Umfrage zufolge schränken 42 Prozent der Befragten bereits ihre Konsumausgaben ein. Gleichzeitig verunsichern wechselnde Reformankündigungen Unternehmen und Investoren. Wer sein Budget und seine Rücklagen gegen diese Gemengelage absichern will, braucht belastbare Orientierung statt Schlagzeilen. Der kostenlose Report bündelt die Prognosedaten bis 2028 und zeigt, welche Spartipps bei anhaltender Teuerung tatsächlich tragen. Spar-Checkliste bei hoher Inflation jetzt sichern

Ziel müsse sein, mehr private Investitionen zu mobilisieren und Reformen in den sozialen Sicherungssystemen, am Arbeitsmarkt sowie bei den Energiepreisen umzusetzen, um das Land bis 2030 wieder zur führenden Wachstumskraft in Europa zu machen.

Unterdessen dämpfen die Verunsicherung und die Preisentwicklung den privaten Konsum. Einer Umfrage des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung zufolge schränken 42 Prozent der Befragten ihre Konsumausgaben ein. Um den Aufschwung zu sichern, fordern die Institute eine verlässliche Wirtschaftspolitik, gesteigerte Zuwanderung, eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und eine zielgerichtete Unterstützung des industriellen Wandels.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70181535 |