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Tankrabatt: Bund und Länder senken Spritsteuer um 17 Cent

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bund und Länder planen ab Oktober 17 Cent weniger je Liter. Zugleich lehnt die EU-Kommission eine Übergewinnsteuer für Energieunternehmen ab.

Spritsteuer sinkt ab Oktober: Bund und Länder beschließen Entlastung
Eine leere Autobahn bei bedecktem Himmel als Symbol für die wirtschaftliche Belastung durch hohe Kraftstoffpreise. Illustration mit AI erstellt.

Bund und Länder haben sich auf umfassende Maßnahmen zur Entlastung der privaten Haushalte angesichts der hohen Kraftstoffpreise verständigt. Das Paket sieht eine Senkung der Spritsteuer sowie die Einführung eines neuen Tankrabatts vor. Zeitgleich erteilte die EU-Kommission Forderungen nach einer Übergewinnsteuer für Energieunternehmen eine Absage.

Steuerliche Entlastungen und zeitlicher Rahmen

Kern der Einigung ist eine Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent pro Liter. Durch den daraus resultierenden Umsatzsteuereffekt ergibt sich für die Verbraucher eine faktische Entlastung von 17 Cent pro Liter. Diese Maßnahme soll nach den aktuellen Planungen ab dem 1. Oktober 2026 in Kraft treten und bis zum Ende des Jahres 2026 Gültigkeit behalten.

Das gesamte Entlastungsvolumen für diesen Zeitraum wird auf rund 2,5 Milliarden Euro beziffert. Die Finanzierung wird hälftig zwischen dem Bund und den Ländern aufgeteilt, wobei die Länder ihren Anteil von 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuer-Festbetrag leisten. Für den Bund entstehen durch den 17-Cent-Rabatt monatliche Kosten in Höhe von 800 Millionen Euro.

Ursprünglich diskutierte Modelle, wie eine Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent, wurden verworfen. Berechnungen des DIW zufolge hätte dies bei einem Kraftstoffpreis von 2,30 Euro pro Liter zwar eine Entlastung von 23,2 Cent ermöglicht, die Bundesregierung wies jedoch darauf hin, dass eine solche Maßnahme EU-rechtlich nicht umsetzbar sei.

EU-Absage an Übergewinnsteuer und politische Reaktionen

Während die nationalen Entlastungen Form annehmen, hat die EU-Kommission den Vorschlag für eine EU-weite Übergewinnsteuer abgelehnt. EU-Kommissar Dombrovskis positionierte sich gegen entsprechende Pläne. Interne Analysen der Bundesregierung stützen diese skeptische Haltung; demnach lägen die erwarteten Erträge einer solchen Steuer lediglich bei rund 400 Millionen Euro.

Innerhalb der politischen Parteien in Deutschland löst die Ausgestaltung der Hilfen weiterhin Debatten aus. SPD-Chef Klingbeil forderte bei Beratungen mit EU-Kollegen in Dublin erneut einen Preisdeckel sowie eine europäische Übergewinnsteuer.

Demgegenüber sprach sich Hoppermann (CDU) gegen eine solche Steuer aus und stellte stattdessen für Anfang Oktober eine mögliche Entlastung in einer Größenordnung von 21 bis 25 Cent pro Liter in Aussicht. Die CDU-Politikerin Reiche lehnte einen Preisdeckel ab und plädierte stattdessen für Steuerrabatte und Direktzahlungen.

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Geplanter Spritpreisdeckel und Kriseninstrumente

Als langfristiges Instrument planen Bund und Länder die Einführung eines Spritpreisdeckels nach den Vorbildern aus Luxemburg und Belgien. Dieses Kriseninstrument soll spätestens ab dem 1. Januar 2027 zur Verfügung stehen. Laut Informationen aus Regierungskreisen sind wesentliche Details, wie die konkrete Höhe des Deckels und die Zuständigkeit für die Kostentragung, derzeit noch nicht abschließend geklärt.

Die Notwendigkeit der Maßnahmen wird durch die jüngste Preisentwicklung an den Tankstellen unterstrichen. Laut Daten des ADAC erreichte der Dieselpreis am 17. September 2026 mit 2,471 Euro pro Liter einen neuen Höchststand. Bereits am 14. September hatte Super E10 mit 2,29 Euro pro Liter einen Rekordwert markiert.

Experten führen diese Entwicklung auf die anhaltenden Konflikte im Iran und in der Ukraine zurück. Der Preis für ein Fass der Sorte Brent war zuletzt auf über 100 Euro gestiegen, nachdem er zu Beginn des Jahres noch bei rund 60 Euro gelegen hatte.

Ökonomische Einordnung und Kritik

Fachleute betrachten die gewählten Instrumente differenziert. Ökonomen wie Schnitzer, Kahl und Frondel halten Direktzahlungen für die sinnvollste Lösung, um gezielte Entlastungen zu schaffen, während sie Steuersenkungen kritisch gegenüberstehen.

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Ein Argument gegen pauschale Rabatte liefern Analysen früherer Maßnahmen: Im Jahr 2022 flossen 62 Prozent der Entlastungen an Haushalte, deren Einkommen über dem Median lag.

Zudem zeigt die Erfahrung des Tankrabatts aus dem Frühjahr 2026, dass Steuersenkungen nicht immer vollständig an die Kunden weitergegeben werden; damals wurden beim Diesel lediglich 12 von rechnerisch 16,7 Cent an den Zapfsäulen wirksam.

Mehr zum Thema bei WELT: „Energiepreise: Starkes Signal für unser Land – 17 Cent weniger pro Liter, Bund und Länder beschließen …“

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