Takotsubo-Syndrom, BioTAK-Score

Takotsubo-Syndrom: BioTAK-Score erreicht fast 90 Prozent Vorhersagewert

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien prüfen neue Vorhofflimmer-Therapien; zugleich liefern Scores, Smartwatches und angepasste Dosierungen weitere Erkenntnisse zur Herzgesundheit.

Herzforschung 2026: Neue Ansätze bei Therapie und Diagnostik
Ein steriles, modernes Laborumfeld mit medizinischen Analysegeräten und Glasphiolen vor einem unscharfen Klinikflur. Illustration mit AI erstellt.

Die kardiologische Forschung und die klinische Praxis verzeichnen im September 2026 bedeutende Entwicklungen bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen sowie in der präziseren Diagnostik kardiovaskulärer Risiken. Im Fokus stehen dabei neue Applikationsformen für Akutmedikamente, geschlechterspezifische Therapieempfehlungen und die kritische Neubewertung etablierter Messgrößen wie des Body-Mass-Index (BMI).

Neue Wege in der Behandlung von Vorhofflimmern

Ein Schwerpunkt der aktuellen klinischen Prüfung liegt auf der medikamentösen Intervention bei Vorhofflimmern mit schneller Kammerfrequenz (AFib-RVR). Milestone Pharmaceuticals gab die Aufnahme des ersten kanadischen Patienten am Montreal Heart Institute in die zulassungsrelevante Phase-3-Studie ReVeRA-301 bekannt.

In dieser multinationalen Untersuchung wird der Einsatz eines Etripamil-Nasensprays geprüft. Das Studiendesign sieht ein wiederholtes 70-mg-Dosierungsschema vor und zielt auf die Erfassung von etwa 150 behandelten Ereignissen ab.

Der primäre Endpunkt der Studie ist die Senkung der Kammerfrequenz innerhalb von 30 Minuten nach der Anwendung. Milestone Pharmaceuticals verfolgt dabei einen Zulassungsweg über einen ergänzenden Zulassungsantrag (sNDA), der sich auf die Sicherheitsdaten dieser einzelnen Untersuchung stützen soll.

Parallel dazu treibt Cardiol Therapeutics die Erforschung der rezidivierenden Perikarditis voran. Das Unternehmen gab bekannt, das ursprüngliche Rekrutierungsziel von 110 Patienten für die Phase-III-Studie MAVERIC vorzeitig erreicht zu haben.

Nach einer Empfehlung des Steering Committee wird die Teilnehmerzahl auf bis zu 150 erweitert, um eine robuste Wirksamkeitsbewertung der Zeit bis zum ersten Rückfall zu ermöglichen. Topline-Ergebnisse dieser Studie werden nun für Mitte 2027 erwartet.

Verfeinerung der diagnostischen Risikobewertung

In der diagnostischen Forschung mehren sich die Hinweise darauf, dass herkömmliche Messgrößen die individuelle Gefährdung nur unzureichend abbilden. Eine Studie der Med Uni Graz kommt zu dem Schluss, dass der Body-Mass-Index das Herzrisiko ungenau wiedergibt. Die Forschenden empfehlen daher den Einsatz alternativer Maßstäbe zur Bewertung der kardiovaskulären Gesundheit.

Ergänzend dazu zeigen Untersuchungen zum Takotsubo-Syndrom Fortschritte in der Differentialdiagnostik. Der im European Heart Journal vorgestellte BioTAK-Score (DOI 10.1093/eurheartj/ehag597) kombiniert das Geschlecht mit vier Biomarkern.

Bei Erreichen eines definierten Schwellenwerts erzielte dieser Score einen positiven Vorhersagewert von fast 90 % bei der Unterscheidung zwischen einem Takotsubo-Syndrom und einem akuten Koronarschluss, was in ausgewählten Fällen eine invasive Koronarangiografie entbehrlich machen könnte.

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Bei typischer Symptomatik plus EKG- und Laborbefund entscheidet sich oft, ob eine invasive Koronarangiografie wirklich nötig ist. Der im European Heart Journal vorgestellte BioTAK-Score kombiniert Geschlecht und vier Biomarker und erreichte bei definiertem Schwellenwert einen positiven Vorhersagewert von fast 90 Prozent. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen die Anwendung Schritt für Schritt. Praxisleitfaden jetzt anfordern

Auch der Einsatz digitaler Technologien zur Früherkennung wird präziser evaluiert. Eine niederländische Studie mit über 65-jährigen Probanden mit erhöhtem Schlaganfallrisiko untersuchte die Effektivität von Smartwatches mit optischer Pulsmessung und EKG.

In der Interventionsgruppe wurde bei 9,6 % der Teilnehmenden Vorhofflimmern neu diagnostiziert, verglichen mit 2,3 % in der Kontrollgruppe. Allerdings entsprach nur etwa jeder zweite durch die Uhr ausgelöste Alarm tatsächlich einem klinisch relevanten Befund.

Optimierung der Versorgung bei Herzinsuffizienz und Akutsyndromen

Für die Behandlung der Herzinsuffizienz legte das IQWiG eine Bewertung für perkutan implantierte interatriale Shunts zusätzlich zur medikamentösen Standardtherapie vor. Die Analyse der RELIEVE-HF-Studie sowie nachgereichter Daten ergab einen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen in Bezug auf die Vermeidung von Krankenhausaufenthalten. Vorteile bei der Mortalität oder der körperlichen Belastbarkeit konnten hingegen nicht belegt werden.

Ein internationales Expertengremium unter Beteiligung der MedUni Wien veröffentlichte zudem Empfehlungen für eine geschlechterspezifische Behandlung von Frauen mit akutem Koronarsyndrom. Ein zentraler Aspekt ist die individuelle Dosierung von Heparin und Plättchenhemmern nach Körpergewicht und Nierenfunktion, um das bei Frauen erhöhte Risiko für Blutungskomplikationen zu senken.

In der Notfallmedizin startete das Karolinska-Universitätskrankenhaus eine präklinische Studie an bewusstlosen Patienten nach einem Herzstillstand. Dabei wird geprüft, ob die Gabe einer Einzeldosis Levosimendan während der Wiederbelebung die 30-Tage-Überlebensrate steigern kann, gestützt auf frühere Daten zu verbesserter Hämodynamik unter diesem Wirkstoff.

Grundlagenforschung zu Umwelteinflüssen und Toxizität

Die kardiologische Forschung befasst sich zudem verstärkt mit externen Risikofaktoren. Eine Beobachtungsstudie auf Basis der UK Biobank, veröffentlicht im European Heart Journal, untersuchte den Einfluss nächtlicher Lichtexposition.

Bei einer Belastung von über 3 Lux zeigten sich strukturelle Veränderungen wie eine um 2,4 % höhere Masse der linken Herzkammer und eine um 1,9 % niedrigere Kontraktionsfraktion. Höhere Lichtbelastungen korrelierten in Langzeitauswertungen mit erhöhten Risiken für Herzschwäche (+29 %) und Schlaganfall (+33 %).

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Frauen mit akutem Koronarsyndrom bluten unter Heparin und Plättchenhemmern häufiger — besonders bei nicht angepasster Dosierung. Ein internationales Expertengremium unter Beteiligung der MedUni Wien empfiehlt deshalb die individuelle Dosierung nach Körpergewicht und Nierenfunktion. Unser kostenloser Leitfaden fasst die geschlechterspezifischen Empfehlungen für Ihre Station zusammen. Therapie-Übersicht jetzt sichern

Auf zellulärer Ebene identifizierten Forschende der Universität Heidelberg einen Mechanismus für die Herzschädigung durch das Chemotherapeutikum Doxorubicin. Die veränderte Genaktivität in Herzmuskelzellen durch Topoisomerase II? und MEF2 konnte in Tierversuchen durch das Medikament SAHA abgeschwächt werden. Die Übertragbarkeit dieser Ergebnisse auf den Menschen muss in künftigen klinischen Studien validiert werden.

Im Bereich der biotechnologischen Infrastruktur vereinbarten myriamed und bit.bio eine exklusive weltweite Vertriebspartnerschaft für ein kardiales iPSC-Zellportfolio. Dieses umfasst unter anderem ventrikuläre und atriale Kardiomyozyten sowie Modelle der dilatativen Kardiomyopathie, die für Krankheitsmodelle und das Wirkstoff-Screening eingesetzt werden sollen.

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