Tagesschlaf, Häufige

Tagesschlaf ab 65: Häufige Nickerchen gehen mit 48 Prozent mehr Demenzrisiko einher

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine US-Langzeitstudie fand bei häufigen Nickerchen mehr Demenzfälle, belegt jedoch keinen ursächlichen Zusammenhang.
Ein sonnendurchflutetes Wohnzimmer mit einem bequemen Sessel am Fenster, das eine ruhige Atmosphäre ausstrahlt. Illustration mit AI erstellt.

Regelmäßiger Tagesschlaf im Alter steht laut neuen Forschungsergebnissen in einem engen statistischen Zusammenhang mit der kognitiven Gesundheit. Eine im Oktober 2026 im Journal of Gerontology: Medical Sciences veröffentlichte Untersuchung der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health kommt zu dem Ergebnis, dass Personen ab 65 Jahren, die häufig tagsüber schlafen, ein um 48 Prozent höheres Demenzrisiko aufweisen als jene, die selten oder nie nicken. Das Forschungsteam um Erstautorin Kening Jiang und Studienleiter Adam P. Spira analysierte dafür Langzeitdaten aus den USA.

Langzeitbeobachtung über zehn Jahre

Die Auswertung stützt sich auf 995 US-Medicare-Versicherte im Alter von mindestens 65 Jahren, die im Rahmen der National Health and Aging Trends Study erfasst wurden. Zu Studienbeginn im Jahr 2013 war keine der beobachteten Personen an einer Demenz erkrankt. Über einen Nachbeobachtungszeitraum von bis zu zehn Jahren, der bis 2023 reichte, erfassten die Wissenschaftler das Auftreten kognitiver Einschränkungen.

Zu Beginn der Erhebung gaben rund 48 Prozent der Teilnehmenden an, keinen Tagesschlaf zu halten. Etwa 29 Prozent berichteten von sporadischen Nickerchen, während 22 Prozent häufig tagsüber schliefen. Nach Ablauf des zehnjährigen Beobachtungszeitraums wurden 417 Teilnehmende – dies entspricht rund 42 Prozent der Kohorte – als Fälle möglicher oder wahrscheinlicher Demenz klassifiziert.

Die Häufigkeit der Diagnosen unterschied sich dabei deutlich nach den Schlafgewohnheiten: In der Gruppe mit häufigen Nickerchen entwickelten 51 Prozent eine Demenz, bei den gelegentlich Nickernden waren es 42 Prozent und in der Gruppe ohne beziehungsweise mit seltenem Tagesschlaf 38 Prozent.

Selbst nach dem Ausschluss von Krankheitsfällen innerhalb der ersten fünf Jahre blieb der Zusammenhang statistisch signifikant. Wurden ausschließlich Demenzfälle betrachtet, die mindestens fünf Jahre nach Studienbeginn auftraten, fiel die Risikoschätzung um 75 Prozent höher aus.

Freiwilligkeit und Dauer des Schlafs entscheidend

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Bei der Differenzierung der Schlafmuster zeigten sich wesentliche Unterschiede hinsichtlich der Dauer und der Art des Einschlafens. Kurze Nickerchen von maximal 30 Minuten waren mit einem um 40 Prozent höheren Demenzrisiko assoziiert, was auch nach Adjustierung für weitere Gesundheitsfaktoren Bestand hatte. Bei Schlafphasen von mehr als 30 Minuten schwächte sich der Zusammenhang hingegen ab, sobald der Nachtschlaf rechnerisch berücksichtigt wurde.

Zudem erwies sich die Freiwilligkeit des Ruhens als relevanter Faktor. Unbeabsichtigtes Einschlafen während des Tages ging mit einem um 39 Prozent höheren Demenzrisiko einher (Risikoverhältnis von 1,39). Eine geplante Siesta wies nach statistischer Adjustierung hingegen keine signifikante Assoziation auf.

Aus neurologischer Sicht wird dieses Muster gestützt: Freiwilliger Mittagsschlaf zeigt in wissenschaftlichen Analysen keine signifikante Demenz-Assoziation, während unbeabsichtigtes Wegnicken tagsüber auch als Symptom einer obstruktiven Schlafapnoe auftreten kann.

In diesem Kontext verweisen Fachmediziner auf eine Metaanalyse aus dem Jahr 2022, die keine signifikante Verbindung zwischen einer Siesta und kognitivem Abbau feststellte, sowie auf eine japanische Studie von 2021, der zufolge kurze Erholungsschläfchen von einer bis 29 Minuten mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für kognitiven Verfall einhergingen. Starre Vorgaben gebe es aufgrund individueller biologischer Unterschiede nicht.

Einordnung der Kausalität

Die Autoren der Johns-Hopkins-Studie betonen, dass die Daten keinen formalen Kausalitätsnachweis liefern. Studienleiter Adam Spira erklärte, dass häufigere Nickerchen eher ein Indikator für bereits einsetzende Hirnveränderungen sein könnten als deren unmittelbare Ursache.

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Erstautorin Kening Jiang wies darauf hin, dass Tagesschlaf die Nachtruhe verschlechtern oder bestehende Entzündungsprozesse widerspiegeln könne; auch eine bidirektionale Beziehung sei denkbar.

Vor diesem Hintergrund raten die Wissenschaftler dazu, auf die Frequenz und die Freiwilligkeit des eigenen Tagesschlafs zu achten und bei gleichzeitig auftretenden Gedächtnis- oder Konzentrationsproblemen eine ärztliche Abklärung vorzunehmen.

Die gesellschaftliche Dimension des Themas ist beträchtlich: Laut früheren Erhebungen entwickeln 42 Prozent der Erwachsenen über 55 Jahren im weiteren Lebensverlauf eine Demenz.

Derzeit leben schätzungsweise 6,9 Millionen Erwachsene in den USA mit dieser Diagnose, wobei bis 2060 von einer annähernden Verdopplung ausgegangen wird. Zugleich wird geschätzt, dass weltweit rund 45 Prozent der Demenzfälle durch beeinflussbare Risikofaktoren potenziell vermeidbar sind.

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