Täglicher, Mittagsschlaf

Täglicher Mittagsschlaf: Studie findet 48 Prozent höheres Demenzrisiko

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Langzeitstudie verknüpft tägliches und unwillkürliches Einnicken mit höherem Demenzrisiko, belegt jedoch keine Ursache-Wirkung-Beziehung.
Ein lichtdurchflutetes Schlafzimmer am Nachmittag mit weichem Tageslicht, das sanfte Schatten auf ein ungemachtes Bett wirft. Illustration mit AI erstellt.

Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus gelten in der Altersmedizin zunehmend als wichtiges Forschungsfeld. Wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstärkt der Frage, inwiefern Ruhephasen am Tag Rückschlüsse auf neurodegenerative Prozesse zulassen.

Eine am 5. Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health liefert differenzierte Erkenntnisse darüber, wie regelmäßiges Schlafen am Tag mit dem späteren Auftreten von kognitiven Einschränkungen zusammenhängt.

Häufiges Einnicken und das statistische Demenzrisiko

Für die Untersuchung der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health wurden 995 Medicare-Empfänger herangezogen, die zu Beginn der Erhebung im Jahr 2013 mindestens 65 Jahre alt sowie demenzfrei waren und über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren beobachtet wurden.

Die Auswertung ergab, dass ein fast täglicher oder täglicher Mittagsschlaf mit einem 48 % höheren Demenzrisiko einherging als bei Personen, die selten oder gar keinen Mittagsschlaf hielten.

Diese Assoziation blieb auch nach einer statistischen Bereinigung um demografische Faktoren, chronische Erkrankungen und die nächtliche Schlafdauer bestehen. Bei den 48 % handelt es sich um einen relativen Gruppenunterschied und nicht um ein individuelles Erkrankungsrisiko.

Konkret entwickelten 51 % der Studienteilnehmer, die täglich einnickten, Anzeichen einer Demenz, während dieser Anteil bei den Personen ohne Mittagsschlaf bei 38 % lag. Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass unwillkürliches Einschlafen während des Tages mit einem 39 % höheren Demenzrisiko verknüpft war. Im Gegensatz dazu zeigte ein bewusst geplanter Mittagsschlaf keinen statistisch signifikanten Zusammenhang mit einer Demenzerkrankung.

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Differenzierte Betrachtung von Schlafdauer und Kausalität

Hinsichtlich der Dauer der Ruhephasen ergaben sich komplexe Muster. Ein Mittagsschlaf von 30 Minuten oder weniger war in den ersten Berechnungen zunächst mit einem 40 % höheren Risiko assoziiert. Wurden jedoch jene Demenzfälle aus der Analyse ausgeschlossen, die bereits innerhalb der ersten fünf Beobachtungsjahre auftraten, war dieser Zusammenhang nicht mehr signifikant.

Anders verhielt es sich bei der täglichen Siesta: Nach dem Ausschluss der frühen Krankheitsfälle der ersten fünf Jahre stieg das relative Risiko auf 75 %. Die Zusammenhänge für häufige sowie unwillkürliche Ruhephasen blieben dabei unverändert bestehen.

Der Hauptautor der Studie, Adam Spira, ordnete die Resultate zurückhaltend ein. Er erklärte, dass ein häufiger Mittagsschlaf eher ein Marker für bereits bestehende Hirnveränderungen als deren ursächlicher Auslöser sein könnte.

Die Beobachtungsstudie liefere keinen Beleg für eine direkte Kausalität. Die Bedeutung präziser Frühindikatoren wächst vor dem Hintergrund des demografischen Wandels: In den USA leben derzeit 6,9 Mio. Demenzkranke, wobei bis zum Jahr 2060 mit einer Verdopplung dieser Zahl gerechnet wird.

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Weitere Forschungsansätze: Genetik und Blutplättchen

Parallel zu schlafbezogenen Fragestellungen untersuchen Forschungsgruppen weitere biologische Mechanismen neurodegenerativer Erkrankungen. Wissenschaftler der Monash University analysierten genetische Daten von über 13.500 Teilnehmern der sogenannten ASPREE-Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift Alzheimer's & Dementia: The Journal of the Alzheimer's Association erschienen sind.

Dabei zeigte sich, dass bei den 20 % der Teilnehmer mit den höchsten genetischen Werten für die Blutplättchenzahl 1 % der Aspirin-Nutzer eine Demenz entwickelten, verglichen mit 3,3 % in der Placebo-Gruppe. Dies entsprach einem um rund 70 % geringeren relativen Risiko.

Die genetische Verbindung stand nicht im Zusammenhang mit bekannten Alzheimer-Risikogenen, sondern deutet auf die Biologie der Blutplättchen hin. Demgegenüber stand ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen: Schwere Blutungen traten bei 4,4 % der Aspirin-Konsumenten auf, während der Wert unter Placebo bei 2,1 % lag.

Die Forscher der Monash University betonten daher, dass diese Beobachtungen in weiteren Bevölkerungsgruppen bestätigt und in gezielten klinischen Studien überprüft werden müssen. Eine Einnahme von Aspirin zur Vorbeugung von Demenz sollte nicht ohne ärztliche Rücksprache erfolgen.

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