Tadalafil, Muskelmittel

Tadalafil als Muskelmittel? Laborversuch belegt keinen Effekt beim Menschen

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Maus-Muskelzellen förderte Tadalafil die Zellvermehrung, verzögerte aber ihre Ausreifung; eine Wirkung beim Menschen ist nicht belegt.
Mikroskopische Aufnahme einer Zellkultur mit Muskelvorläuferzellen in einer Petrischale. Illustration mit AI erstellt.

Der Wirkstoff Tadalafil ist vor allem aus der Behandlung der erektilen Dysfunktion sowie der pulmonalen arteriellen Hypertonie bekannt. Eine Studie der Universität Rom Foro Italico, die am 10. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Molecular Biology Reports veröffentlicht wurde, untersuchte nun die Effekte des Medikaments auf zellulärer Ebene an Muskelvorläuferzellen.

Die Wissenschaftler um Cristina Antinozzi und Luigi Di Luigi analysierten dabei das Verhalten von sogenannten C2C12-Myoblasten der Maus unter dem Einfluss des Wirkstoffs.

Einfluss auf Zellteilung und Wundverschluss im Labor

In der universitätseigen finanzierten Untersuchung ohne Interessenkonflikte setzten die Forscher die Muskelvorläuferzellen über einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen einer Konzentration von 1 µM Tadalafil aus. Der biochemische Wirkmechanismus basiert darauf, dass Tadalafil das Enzym PDE5 blockiert, wodurch der Botenstoff cGMP über einen längeren Zeitraum aktiv bleibt.

Die Laborversuche zeigten messbare Veränderungen im Zellverhalten. Unter dem Einfluss von Tadalafil erhöhte sich die Proliferation der Myoblasten, während die Zellsterblichkeit zu allen untersuchten Zeitpunkten sank. Zudem beobachtete das Forschungsteam bei einer künstlich gesetzten Kratzverletzung im Zellrasen, dass sich die entstandene Wunde unter der Behandlung mit dem Wirkstoff schneller wieder schloss als in den Kontrollgruppen.

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Molekulare Veränderungen und verzögerte Ausreifung

Neben dem Zellwachstum analysierten die Wissenschaftler auch die Ausreifung der Vorläuferzellen. Nach einer Woche zeigte sich, dass die behandelten Zellen seltener zu reifen Muskelfasern verschmolzen. Es bildeten sich weniger der vielkernigen, für ausgereiftes Muskelgewebe typischen Myotuben aus.

Die terminale Differenzierung der Muskelzellen verlief somit verzögert. Nach Ansicht der Forscher könnte dies darauf hindeuten, dass eine größere Reserve an Muskelstammzellen erhalten bleibt. Welche langfristigen Konsequenzen dieser Effekt für die Myogenese hat, bleibt derzeit jedoch unklar.

Auf molekularer Ebene stellten die Wissenschaftler nach sieben Tagen veränderte Werte fest: Die Marker Pax7 und Myf6 lagen höher, ebenso stiegen die Werte von Sirt3 und IL6. Gleichzeitig waren die Spiegel von Myostatin und TGF? reduziert. Konkrete Messungen zur eigentlichen Muskelmasse oder zur Hypertrophie wurden im Rahmen des Versuchsaufbaus nicht vorgenommen.

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Keine Übertragbarkeit auf den Menschen und Dopingbedenken

Die Autoren der Studie stellen klar, dass die im Reagenzglas erzielten Ergebnisse keinen Beleg für eine muskelaufbauende Wirkung beim Menschen darstellen. Das Experiment beweise nicht, dass Tadalafil Muskeln beim Menschen regenerieren oder körperliches Training ersetzen könne. Für verlässliche Aussagen seien zunächst In-vivo-Studien an lebenden Organismen notwendig, die auch das Zusammenspiel mit sportlichem Training untersuchen müssten.

Zwar sehen die Wissenschaftler in dem Wirkstoff eine denkbare Option für eine künftige adjuvante Therapie bei Muskelschwund, warnen jedoch ausdrücklich vor einem unkontrollierten Missbrauch als Dopingmittel im Breiten- oder Leistungssport. Sie regen daher eine eingehende Prüfung der Substanz durch zuständige Antidoping-Agenturen an.

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